Nach dem Schlaganfall: Wie gut hilft Ergotherapie bei Alltagsaktivitäten wie dem Anziehen?
Bei einem Schlaganfall (auch als "Hirnschlag" bezeichnet) wird ein Teil des Gehirns dadurch geschädigt, dass seine Durchblutung unterbrochen wird. Ein Schlaganfall kann durch ein Blutgerinnsel entstehen, das sich in einem anderen Teil des Körpers gebildet hat. Dies kann durch den Blutkreislauf ins Gehirn wandern und dort ein Gefäß blockieren. Auch Veränderungen in der Wand einer Arterie können zu einem Gefäßverschluss führen. Seltener wird ein Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst (Hirnblutung). Die Ursache kann sein, dass Blut ins Gewebe austritt, zum Beispiel, wenn ein Blutgefäß reißt.
Ein Schlaganfall kann zu Lähmungen in Teilen des Körpers führen oder auch zu Störungen verschiedener Körperfunktionen, zum Beispiel zu Sprachstörungen. Ungefähr einer von 1000 Menschen bekommt in seinem Leben einen Schlaganfall, meistens in höherem Alter. Bei Menschen über 85 Jahre liegt das Risiko für einen Schlaganfall bei 2 % (zwei von hundert).
Die Rehabilitation spielt eine wichtige Rolle bei der Schlaganfallbehandlung. Es gibt jedoch verschiedene Rehabilitationsprogramme mit teils unterschiedlichen Inhalten. Einzelne Therapeutinnen und Therapeuten bevorzugen vielleicht bestimmte Behandlungen, und auch von Land zu Land gibt es Unterschiede. So zeigte eine Studie, dass Rehabilitationsprogramme für Schlaganfälle in Großbritannien und Belgien einen größeren Schwerpunkt auf Bewegungsübungen legen können als in Deutschland oder der Schweiz.
Die Ergotherapie ist nur ein Baustein in der Rehabilitation von Menschen mit Schlaganfällen. Sie zielt darauf ab, die Selbstständigkeit der Menschen wieder zu erhöhen, indem sie ihnen zeigt, wie sie trotz der Einschränkungen durch die Erkrankung ihren Alltag bewältigen können. Die Therapie hilft den betroffenen Menschen, alltägliche Verrichtungen wieder auszuführen. Die Anleitungen und Übungen konzentrieren sich auf Aktivitäten wie das Waschen, den Gang zur Toilette, das Anziehen, Aufstehen und Zubettgehen sowie auf Haushaltstätigkeiten. Auch der Umgang mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Anziehhilfen oder speziellem Besteck wird vermittelt und geübt.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration suchten nach Studien, die möglicherweise zeigen konnten, ob Ergotherapie die Genesung nach einem Schlaganfall verbessern kann, wenn sie die Förderung von Alltagsaktivitäten zum Ziel hat. Sie fanden neun Studien, an denen insgesamt 1258 Menschen zwischen 55 und 88 Jahren teilnahmen. Die Studien verglichen ergotherapeutische Maßnahmen mit einer eher allgemeinen Unterstützung, die ebenfalls zum Ziel hatte, die Verrichtung von Alltagstätigkeiten zu verbessern.
Im Rahmen der Studien wurden die Teilnehmenden bei sich zu Hause durch ausgebildete Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten behandelt. Die Studien dauerten unterschiedlich lange, im Durchschnitt wurden die Teilnehmenden jedoch drei Monate lang beobachtet. Ihre Alltagsfähigkeiten wurden mit Hilfe einer Bewertungsskala gemessen.
Die Cochrane-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler kombinierten die Ergebnisse der verschiedenen Studien miteinander. Die zusammen analysierten Ergebnisse zeigten, dass die Ergotherapie einigen Teilnehmenden half, sich besser waschen und anziehen zu können. Auch andere Verrichtungen, wie das Aufstehen aus dem Bett und der Gang zur Toilette, fielen ihnen leichter.
Ergotherapie kann die Häufigkeit von schwerer Hilfsbedürftigkeit oder Tod nach einem Schlaganfall verringern. Werden elf Menschen mit Ergotherapie behandelt, können bei einem weiteren Menschen die schlimmsten Krankheitsfolgen vermieden werden.
Die Wissenschaftlergruppe zog den Schluss, dass Ergotherapie das Risiko für eine Verschlechterung der körperlichen Einschränkungen nach einem Schlaganfall senkt. Gleichzeitig kann sie die Selbstständigkeit und die Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung verbessern. Allerdings gibt es noch zu wenig wissenschaftliche Nachweise zu der Frage, was genau Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten im Rahmen der Behandlung tun (oder lassen) sollten und wie lange die Therapie hilft. Auch weiß man zu wenig darüber, wie die Patienten und Therapeuten die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten einschätzen und welche Art der Behandlung sie bevorzugen.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit in der Rehabilitation des Schlaganfalls ist die Krankengymnastik (Physiotherapie). Auch die Krankengymnastik versucht, die Genesung zu fördern, geht dabei aber andere Wege als die Ergotherapie. Durch Ergotherapie lernen Menschen das Verrichten bestimmter Tätigkeiten, während sich die Krankengymnastik auf Bewegungsübungen und Muskelstärkung konzentriert. Mehr zur Physiotherapie nach Schlaganfällen können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.314.de.html) lesen.
- Erstellt am: 17. Januar 2008 13:04
- Letzte Aktualisierung: 09. Juli 2008 12:03
- Quellen: De Wit L, Putman K, Lincoln N, Baert I et al. Stroke rehabilitation in Europe: what do physiotherapists and occupational therapists actually do? Stroke 2006; 37: 1483-1489. [Volltext (URL: http://stroke.ahajournals.org/cgi/content/full/37/6/1483 ) ]
Legg LA, Drummond AE, Langhorne P. Occupational therapy for patients with problems in activities of daily living after stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.cochrane.org/reviews/en/ab003585.html) ]