Migränemedikamente: Gibt es Unterschiede zwischen den Triptanen?
Medikamente aus der Gruppe der Triptane können Migränebeschwerden lindern. Zwischen den Triptanen gibt es Unterschiede, beispielsweise bei der Art der Anwendung und wie schnell die Wirkung eintritt. Es ist unklar, ob ein bestimmtes Triptan weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere.
Migräne ist eine anfallartig auftretende Kopfschmerzerkrankung. Typisch sind heftige, plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, die normalerweise nur eine Kopfseite betreffen. Eine Migräne hält zwischen vier Stunden und drei Tagen an und kann mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Manche Menschen sind während einer Migräneattacke ungewöhnlich empfindlich für Geräusche und Licht. Mehr über die unterschiedlichen Arten von Kopfschmerzen und über die Anzeichen einer Migräne erfahren Sie hier.
Viele Menschen sind von Migräne betroffen, Frauen häufiger als Männer: In Deutschland haben 14 von 100 Frauen und 8 von 100 Männern damit zu tun. Mehr als eine von vier Frauen hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Migräne (25 %). Ausführliche Informationen über Migräne bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen finden Sie hier.
Migräne kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Medikamente gegen Migräne oder Kopfschmerzen können die Beschwerden lindern – es ist aber wichtig, sie mit Bedacht einzusetzen. Bis zu 2 % der Menschen haben chronische Kopfschmerzen, die durch den zu häufigen Gebrauch von Kopfschmerzmedikamenten bedingt sind.
Auswahl an Medikamenten bei Migräne
Grundsätzlich kommen bei der Migränebehandlung die gleichen Medikamente zum Einsatz, die auch gegen gewöhnliche Kopfschmerzen verwendet werden. Dazu gehören unter anderem Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Paracetamol. Menschen, deren Migräne häufig von Übelkeit begleitet wird, greifen manchmal auch zu Mitteln gegen Übelkeit (Antiemetika) oder zu Kombinationen von Schmerzmitteln und Antiemetika. Mehr über diese und andere Medikamente gegen Migräne erfahren Sie hier.
Außerdem gibt es eine Gruppe von Wirkstoffen, die als "Triptane" bezeichnet und speziell bei Migräne eingesetzt werden. Triptane sollen zugleich gegen Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit helfen. Sie sind nicht zur dauerhaften Vorbeugung von Migräneattacken gedacht. Für alle Triptane konnte gezeigt werden, dass sie mehr als der Hälfte der Menschen mit Migräne helfen. Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind sie allerdings nicht geeignet.
Derzeit gibt es sieben unterschiedliche Triptane: Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Die beiden letztgenannten gehören zu den in Deutschland am längsten verfügbaren Triptanen und werden am häufigsten eingesetzt. Die Wirkstoffe sind in verschiedenen Zubereitungsformen erhältlich, zum Beispiel als Tablette, Nasenspray, Zäpfchen, Injektion und Schmelztablette, die unter die Zunge gelegt wird. Triptane sind verschreibungspflichtig; nur Naratriptan ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Auch wenn es sich bei den Triptanen um eine gemeinsame Wirkstoffgruppe handelt, gibt es doch einige Unterschiede zwischen ihnen. Dies betrifft zum Beispiel ihre Dosierung: So enthalten Zolmitriptan-Tabletten 2,5 bis 5 Milligramm (mg) Triptan, und Sumatriptan-Tabletten 50 bis 100 mg des Wirkstoffs. Der Grund für die unterschiedlichen Dosierungen sind geringe chemische Unterschiede zwischen den Wirkstoffen. Auch die Wirkungsweise unterscheidet sich von Mittel zu Mittel ein wenig. Einige wirken sehr schnell, während andere eher auf eine lang anhaltende Wirkung ausgelegt sind. Wenn ein bestimmtes Triptan nicht hilft, könnte es also einen Versuch wert sein, ein anderes auszuprobieren.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Triptane nur bis zu einer Höchstgrenze, dem so genannten Festbetrag. Für Triptane, die teurer sind, müssen die zusätzlichen Kosten in der Regel selbst übernommen werden.
Forschungsergebnisse aus Studien, die unterschiedliche Triptane miteinander vergleichen
Eine Wissenschaftlergruppe der Oregon Health and Science University in den USA wollte wissen, welche Unterschiede es zwischen den Triptanen gibt. Das Ziel war, Menschen mit Migräne die Möglichkeit zu geben, sich für ein Mittel zu entscheiden, das ihren Bedürfnissen am besten gerecht wird. Sie fand 32 Studien, in denen zwei oder mehr Triptane oder verschiedene Zubereitungsformen miteinander verglichen wurden, und wertete diese aus. In den Studien wurde jeweils eine Gruppe von Freiwilligen mit einem bestimmten Triptan behandelt, während eine andere Gruppe ein anderes Triptan einnahm. Die Teilnehmenden wurden dabei nach dem Zufallsprinzip auf die Gruppen verteilt. Teilweise wurden die Medikamente neu verpackt, sodass die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht wissen konnten, welches Triptan sie nehmen würden. Insgesamt nahmen etwa 23.000 Menschen mit Migräne an diesen Studien teil.
Die meisten Studien verglichen die Triptane daraufhin, wie gut sie Migränebeschwerden innerhalb eines bestimmten Zeitraums lindern oder beseitigen konnten. In der Regel handelte es sich dabei um zwei Stunden, nachdem das jeweilige Mittel eingenommen wurde. Es wurden jedoch nicht alle Triptane direkt miteinander verglichen. Daher konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur zu bestimmten Triptanen in Tablettenform Aussagen treffen:
- Es gibt Hinweise darauf, dass Rizatriptan etwas besser wirken könnte als Naratriptan: Eine Vergleichsstudie zeigte, dass mit Rizatriptan kurzfristig mehr Menschen frei von Beschwerden waren als mit Naratriptan.
- Rizatriptan scheint auch etwas wirksamer zu sein als Zolmitriptan – allerdings wurde Zolmitriptan in der Vergleichsstudie in der niedrigsten empfohlenen Dosierung eingesetzt.
- Eletriptan wirkt möglicherweise kurzfristig etwas besser als Naratriptan.
- Die anderen Triptane scheinen entweder vergleichbar wirksam zu sein, oder es war wegen fehlender oder wenig aussagekräftiger Studien keine Aussage zu ihren Vor- und Nachteilen möglich.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen außerdem zu dem Schluss, dass sich die unerwünschten Wirkungen der Triptane in diesen Studien nicht wesentlich voneinander unterschieden. Zu den unerwünschten Wirkungen, die in den Studien aufgetreten sind, gehören Benommenheit, Schwächegefühl, leichte Übelkeit und Missempfindungen wie Kribbeln, Wärme- oder Kältegefühl. In seltenen Fällen können sich Triptane auf das Herz-Kreislauf-System auswirken, zum Beispiel durch einen Anstieg des Blutdrucks. Triptane eignen sich daher nicht für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine andere Wissenschaftlergruppe kam zu dem Schluss, dass Triptane möglicherweise seltener zu dauerhaften Kopfschmerzen aufgrund von zu häufigem Medikamenteneinsatz führen als andere Migränemittel. Mehr über Medikamente gegen Migräne erfahren Sie hier.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Dezember 2012. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2011 09:58
- Erstellt am: 20. Januar 2009 15:19
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Helfand M, Peterson K. Drug class review on triptans. Final Report Update 4. Oregon Evidence-based Practice Center. Juni 2009. [Volltext]
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Merkblatt: Medikamente gegen Migräneattacken - Informationen für Erwachsene. Köln: Dezember 2010. [Volltext]
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