Migräne bei Kindern und Jugendlichen: Welche Medikamente können die Beschwerden lindern?
Die Schmerzmittel Ibuprofen und Paracetamol können Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen lindern und haben nur selten Nebenwirkungen. Das Nasenspray Sumatriptan wirkt bei Kindern über zwölf Jahren ebenfalls, hat aber mehr Nebenwirkungen.
Migräne kommt bei Kindern und Jugendlichen relativ häufig vor: Wenn junge Menschen in die Pubertät kommen, hat etwa einer von 10 ab und zu Migräneanfälle. Im Kindesalter sind Jungen und Mädchen etwa gleich oft betroffen. In der Pubertät haben Mädchen dann aber häufiger mit Migräne zu tun als Jungen.
Migräneanfälle dauern bei Erwachsenen und Jugendlichen mindestens vier Stunden an, bei Kindern mindestens zwei Stunden. Ein typisches Anzeichen sind plötzlich einsetzende, heftige und pochende Kopfschmerzen, die meist nur eine Kopfseite betreffen.
Wenn Kinder oder Jugendliche eine Migräneattacke haben, ist es sinnvoll, dass sie sich in einem ruhigen, dunklen Raum hinlegen, bis die Schmerzen nachlassen. Auch kann es helfen, die schmerzende Seite des Kopfes zu kühlen.
Migränemedikamente für Kinder und Jugendliche
Medikamente, die bei Erwachsenen wirken, helfen Kindern und Jugendlichen nicht immer in der gleichen Weise. Kinder benötigen auch nicht einfach eine niedrigere Dosis, weil ihr Körper kleiner ist. Die gleichen Medikamente wirken bei ihnen möglicherweise anders, besser oder weniger gut als bei Erwachsenen. Zudem ist es möglich, dass die Medikamente bei Kindern andere Nebenwirkungen haben als bei Erwachsenen. Deshalb sind von den Präparaten, die Erwachsene üblicherweise bei Migräneanfällen einsetzen, nur wenige für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Die einzigen in Europa für Kinder und Jugendliche zugelassenen Mittel sind:
- Ibuprofen: ein Wirkstoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), der für Kinder und Jugendliche allgemein gegen Schmerzen zugelassen ist. Ibuprofen ist der Hauptwirkstoff vieler häufig eingesetzter Schmerzmittel.
- Paracetamol: ebenfalls ein häufig verwendetes Schmerzmittel, das für Kinder und Jugendliche zugelassen ist. Paracetamol wird bei Migräne allein oder in Kombination mit Metoclopramid eingesetzt. Metoclopramid ist ein Wirkstoff, der gegen Übelkeit hilft. Diese Kombinationsbehandlung ist jedoch nur für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.
- Sumatriptan: Dieses Migränemedikament ist als Nasenspray für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Man wendet es an, indem man eine Dosis in ein Nasenloch sprüht.
Andere Medikamente zur Behandlung akuter Migräne sind nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen. Ärztinnen und Ärzte können Heranwachsenden auch nicht für ihr Alter zugelassene Medikamente verschreiben – das wird „Off-Label-Use“ genannt. Mehr darüber können Sie in der Information „Off-Label-Use: Worauf muss man achten?“ lesen. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt ein Medikament im Off-Label-Use verschreibt, sollte sie oder er die damit verbundenen Risiken und die Gründe für die Verschreibung erläutern.
Warum man zur Beurteilung von Medikamenten Studien benötigt
Um herauszufinden, welche Wirkungen ein Medikament hat, sind randomisierte kontrollierte Studien am besten geeignet. Dabei stimmen die freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu, per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt zu werden. Eine Gruppe erhält das Medikament, die andere Gruppe eine andere Behandlung oder ein Scheinmedikament (Placebo).
Bei den Studien, die Migränemittel untersuchen, erhält die zweite Gruppe meist ein Placebo. Das ist wichtig, denn Migräneattacken können bei Kindern und Jugendlichen schon nach wenigen Stunden wieder vorüber sein, sodass auch bei einem Placebo der Eindruck entstehen kann, die Tablette habe schnell geholfen – obwohl die Migräne in Wirklichkeit von selbst verschwunden ist.
Forschungsergebnisse: Ibuprofen, Paracetamol und Sumatriptan bei Kindern und Jugendlichen am effektivsten
Eine Forschergruppe aus den Niederlanden ist der Frage nachgegangen, welche Medikamente zur Behandlung einer Migräneattacke (akute Migräne) bei Heranwachsenden bereits in Studien erprobt sind und was von ihnen zu erwarten ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zehn Studien mit mehr als 1500 Kindern und Jugendlichen ausfindig gemacht. Das Alter der Teilnehmenden lag zwischen 4 und 18 Jahren. In vier Studien wurden die Schmerzmittel Paracetamol und Ibuprofen jeweils mit einem Scheinmedikament (Placebo) oder direkt miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Mittel eine akute Migräne bei Heranwachsenden lindern können. Keins der Mittel ist nachweislich wirksamer als das andere, die Wirkung von Ibuprofen scheint jedoch etwas länger anzuhalten. Ernsthafte Nebenwirkungen traten in den Studien nicht auf; ein paar Studienteilnehmende, die Ibuprofen erhielten, hatten jedoch Magenschmerzen (ungefähr 1 %). Nimmt man diese Medikamente aber über längere Zeit ein, können sie häufiger Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich haben.
In einer Reihe weiterer Studien wurden Präparate aus der Medikamentengruppe der Triptane geprüft. Triptane sollen neben Schmerzen auch die migränetypische Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern. Das Ergebnis: Es zeigte sich, dass das Mittel Sumatriptan als Nasenspray bei Kindern und Jugendlichen mit Migräne wirksam war. Es führte jedoch häufiger zu Nebenwirkungen: Etwa einer von 4 Teilnehmenden berichtete von einem unangenehmen Geschmack im Mund. Andere gelegentlich auftretende Nebenwirkungen waren Benommenheit und Kiefersteifigkeit. Aus der Gruppe der Triptane wurden weitere Wirkstoffe untersucht, die aber nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen sind: Es gibt schwache Hinweise darauf, dass Tabletten mit Almotriptan Migräne wirksam lindern könnten. Die Wirkstoffe Rizatriptan und Sumatriptan waren in Tablettenform allerdings nicht wirksamer als ein Scheinmedikament.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Ibuprofen und Paracetamol bei Heranwachsenden mit Migräne am besten abschneiden, wenn man alle Vor- und Nachteile gemeinsam betrachtet.
Mehr Informationen über die Forschung zur Vorbeugung von Migräne und einen Text für Kinder und Jugendliche finden Sie im Spezial „Migräne“.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: März 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.
- Letzte Aktualisierung: 03. April 2012 11:09
- Erstellt am: 09. Dezember 2008 16:08
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Barnes NP. Migraine headache in children. Clinical Evidence 2011; 04: 318.
Damen L, Bruijn JK, Verhagen AP, Berger MY et al. Symptomatic treatment of migraine in children: a systematic review of medication trials. Pediatrics 2005; 116: e295-e302. [Zusammenfassung]
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