Messung der Knochendichte: Wer kann von der Untersuchung profitieren?
Frauen nach den Wechseljahren haben ein erhöhtes Risiko für brüchige Knochen. Medikamentöse Behandlungen können die Knochen stärken und das Risiko für einen Bruch senken. Ob Frauen von Medikamenten profitieren können, lässt sich durch eine Messung der Knochendichte abschätzen.
Bei einer Osteoporose werden die Knochen brüchig und schwächer, vor allem weil das Knochengewebe an Substanz verliert. Osteoporotische Knochen brechen viel leichter als gesunde: Selbst ein kleiner Sturz kann zu einem Knochenbruch oder Riss führen. Am häufigsten ist die primäre Osteoporose, die auf keine bestimmte Ursache zurückzuführen ist. Hiervon sind vor allem Menschen mit Risikofaktoren betroffen, wie zum Beispiel Frauen nach den Wechseljahren.
Manchmal haben brüchige Knochen auch eine bestimmte Ursache, zum Beispiel eine Erkrankung wie Rheuma oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Menschen, die über einen längeren Zeitraum Kortisonpräparate einnehmen, neigen ebenfalls zu brüchigen Knochen. Dann spricht man von einer sekundären Osteoporose. In unserem Merkblatt können Sie mehr darüber erfahren, was bei Osteoporose in den Knochen passiert und welche anderen Risikofaktoren es für brüchige Knochen gibt.
Knochenbrüche treten vor allem bei Menschen über 65 auf
Die Knochen, die am häufigsten in Folge einer Osteoporose brechen, sind die Hüftknochen, die Oberarme, die Handgelenke und die Wirbelkörper der Wirbelsäule. Meist sind Menschen über 65 betroffen: Pro Jahr brechen sich etwa 6 bis 7 von 1000 Menschen in dieser Altersgruppe einen Hüftknochen (den Oberschenkelhals). Bei gleichem Lebensalter ist das Risiko für einen Bruch bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Wirbelkörperbrüche führen nicht unbedingt zu Beschwerden und werden daher oft nicht bemerkt.
Bestimmte Medikamente bremsen den Abbau von Knochenmasse oder unterstützen den Knochenaufbau. Sie können das Risiko für Knochenbrüche senken. Diese Mittel haben jedoch verschiedene unerwünschte Wirkungen. Daher stellt sich die Frage, wer von einer gezielten medikamentösen Behandlung profitiert – sprich: bei wem die Arzneimittel mehr Vor- als Nachteile mit sich bringen. Dies möchte man herausfinden, indem man die Knochendichte misst. Der Fachbegriff für eine Knochendichtemessung lautet Osteodensitometrie.
Wie die Knochendichte bestimmt wird
Es gibt verschiedene Tests, mit denen man feststellen kann, ob jemand brüchige Knochen hat. Als zuverlässigste Untersuchungsmethode gilt die sogenannte Doppelröntgen-Absorptiometrie (DXA). Hierbei werden bestimmte Knochen, etwa der Oberschenkelhals oder die Lendenwirbel, mit schwachen Röntgenstrahlen durchleuchtet. Anhand der Strahlung, die die Knochen durchlassen, kann die Knochendichte bestimmt werden: Bei einer geringen Knochendichte gelangen mehr Strahlen durch den Knochen als bei einer hohen Knochendichte.
Bei der Untersuchung wird ein Maß für die Knochendichte ermittelt: meistens der sogenannte T-Score. Von Osteoporose spricht man, wenn der T-Score kleiner ist als -2,5 (zum Beispiel wenn er bei -3 oder -3,5 liegt). Mehr über den T-Score und den Ablauf der Untersuchung sowie weitere Knochentests finden Sie hier.
Für Frauen nach den Wechseljahren, die bereits einen Knochenbruch hinter sich haben, ist schon länger wissenschaftlich erwiesen, dass sie von Medikamenten profitieren können, die die Knochen stärken. Daher bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Knochendichtemessung bei ihnen auch routinemäßig.
Der Herausgeber dieser Website – das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – hat nun untersucht, ob es sich auch für andere Menschen lohnt, die Knochendichte messen zu lassen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, ob man durch eine solche Untersuchung auch Menschen identifizieren kann, die brüchige Knochen haben und von einer Behandlung profitieren könnten, bevor es zu einem Knochenbruch kommt.
Wie die Wissenschaftlergruppe vorgegangen ist
Um diese Frage zu beantworten, hat das IQWiG gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Lübeck Studien zur Knochendichtemessung ausgewertet. Allerdings fand die Wissenschaftlergruppe kaum aussagekräftige Studien, in denen direkt untersucht wurde, welche Auswirkung eine Messung der Knochendichte auf das Behandlungsergebnis hat. Sie hat daher auch systematisch nach Behandlungsstudien gesucht, an denen Personen teilnahmen, bei denen vor der Therapie durch Osteodensitometrie eine verminderte Knochendichte festgestellt wurde. So ließen sich indirekt Hinweise auf den Nutzen der Knochendichtemessung finden. Eine vorherige Messung könnte helfen, abzuschätzen welche Menschen von einer medikamentösen oder einer nicht-medikamentösen Behandlung profitieren können.
Insgesamt haben die Wissenschafterlinnen und Wissenschaftler 15 Behandlungsstudien mit rund 25.000 Teilnehmenden ausfindig gemacht. An den Studien nahmen allerdings überwiegend Frauen nach den Wechseljahren teil. Es fanden sich nur zwei Studien an denen ausschließlich Männer teilnahmen und nur eine mit Menschen mit einer sekundären Osteoporose. Zu nicht-medikamentösen Behandlungsformen fanden sich keine aussagekräftigen Studien.
Neben den Behandlungsstudien hat die Wissenschaftlergruppe auch Studien ausgewertet, die untersucht haben, wie zuverlässig verschiedene Verfahren zur Messung der Knochendichte im Vergleich sind. Und sie haben ausgewertet, ob es bei Männern einen ähnlichen Zusammenhang zwischen einer niedrigen Knochendichte und Knochenbrüchen gibt wie er bei Frauen bereits erwiesen ist. Keine Studien fand das IQWiG zu der Frage, ob es sinnvoll ist, begleitend zu einer Behandlung regelmäßig die Knochendichte zu kontrollieren.
Ergebnis: Frauen nach den Wechseljahren könnten von einer Knochendichtemessung profitieren
Die Auswertungen des IQWiG liefern Hinweise darauf, dass Frauen nach den Wechseljahren von einer Knochendichtemessung profitieren können – auch wenn sie noch keinen osteoporosetypischen Knochenbruch hatten. Ein Hinweis auf einen Nutzen durch eine medikamentöse Behandlung zeigte sich bei Frauen mit einer stark verminderten Knochendichte. Diese Frauen hatten einen T-Score, der kleiner war als -2,5. Bei Frauen mit einer höheren Knochendichte zeigte sich kein Vorteil einer gezielten Behandlung mit Arzneimitteln (bei einem T-Score zwischen -1,5 und -2,5). Die Knochendichtemessung könnte also helfen, eine Gruppe von Frauen zu identifizieren, bei denen eine vorbeugende medikamentöse Behandlung mehr Vor- als Nachteile hat. Trotzdem ist es bei der Entscheidung für eine solche Behandlung immer wichtig, den Nutzen und die möglichen unerwünschten Wirkungen der Medikamente gegeneinander abzuwägen – vor allem, weil dies letztendlich eine persönliche Entscheidung ist.
Untersuchungsverfahren: Doppelröntgen-Absorptiometrie (DXA) am genausten
Das IQWiG hat eine Reihe von Studien ausgewertet, in denen untersucht wurde, ob es Untersuchungsverfahren gibt, die ähnlich zuverlässig sind wie eine Doppelröntgen-Absorptiometrie (DXA) – dem Standardverfahren. Dabei zeigte sich, dass andere Verfahren, zum Beispiel mit Ultraschall, deutlich ungenauer sind. Die Wissenschaftlergruppe schlussfolgerte daraus, dass es bislang keine gleichwertigen Untersuchungsverfahren gibt, die anstelle einer DXA eingesetzt werden können, um eine Osteoporose festzustellen.
Geringe Knochendichte erhöht auch bei Männern das Risiko für Brüche
Die Studien zum Risiko von Knochenbrüchen bei Männern, die das IQWiG auswertete, zeigen, dass es auch bei ihnen einen Zusammenhang zwischen einer geringen Knochendichte und Oberschenkelhalsbrüchen gibt, wenn die Knochendichte mit dem DXA-Test am Schenkelhals erhoben wird. Die Auswertungen des IQWiG lieferten jedoch keinen Hinweis darauf, dass Männer generell oder eine bestimmte Gruppe von ihnen von einer Knochendichtemessung profitieren können. Bei Menschen mit einer sekundären Osteoporose ist ein Zusammenhang zwischen niedriger Knochendichte und Knochenbrüchen bislang nicht belegt. Dies liegt aber vor allem daran, dass es kaum Studien zu dieser Frage gibt.
Es gibt viele Möglichkeiten, Osteoporose vorzubeugen. Sie können beispielsweise mit dem Rauchen aufhören, sich kalziumreich ernähren und sich mehr bewegen. Mehr über verschiedene Möglichkeiten zur Verbeugung von Osteoporose finden Sie hier.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Januar 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
Hinweis
Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.
- Letzte Aktualisierung: 06. Juli 2011 14:37
- Erstellt am: 11. Januar 2011 15:37
- Quellen:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Osteodensitometrie bei primärer und sekundärer Osteoporose. Abschlussbericht D07-01. Version 1.0. Köln: IQWiG. Juni 2010. [Volltext]
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