Merkblatt: Zahnfleischentzündungen und Parodontitis

Foto von zwei Frauen

Eine Zahnfleischentzündung verursacht oft keine unmittelbaren Beschwerden. Es kann jedoch passieren, dass die Entzündung auf andere Teile des Zahnbetts übergreift und den Zahnhalteapparat schädigt. Dann spricht man von Parodontitis. Auch diese Erkrankung verursacht oft zunächst keine Beschwerden, die Folgen werden erst im weiteren Verlauf sichtbar. Denn wenn eine Parodontitis fortschreitet, kann sie dazu führen, dass sich Zähne lockern und schließlich ausfallen. Durch eine Behandlung und eine verbesserte Zahnpflege lässt sich Zahnfleischentzündungen jedoch entgegenwirken. Und auch eine Parodontitis lässt sich dadurch meistens aufhalten.

In diesem Merkblatt erklären wir, was Sie bei einer Zahnfleischentzündung tun können, um weiteren gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Außerdem erfahren Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wenn sich aus einer Zahnfleischentzündung eine Parodontitis entwickelt.

Wie lässt sich entzündetes Zahnfleisch erkennen?

Der Fachbegriff für eine Zahnfleischentzündung lautet Gingivitis (von Gingiva: lateinisch für Zahnfleisch). Eine Gingivitis kann sich durch ein gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten bemerkbar machen, das vor allem beim Zähneputzen, manchmal auch ohne äußeren Anlass auftreten kann. Während gesundes Zahnfleisch eher rosa ist, hat entzündetes Zahnfleisch eine eher dunkelrote Farbe. Die natürliche Farbe des Zahnfleischs unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch. Allein anhand der Farbe kann man daher keine Zahnfleischentzündung feststellen. Oft verursacht eine Gingivitis keine Schmerzen oder andere Beschwerden und bleibt lange unbemerkt.

Eine Möglichkeit, Zahnfleischentzündungen zu erkennen, sind zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat zweimal pro Jahr Anspruch auf eine allgemeine zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung, bei der Zähne und Zahnfleisch inspiziert werden.

Wo liegen die Ursachen für entzündetes Zahnfleisch?

Die häufigste Ursache für entzündetes Zahnfleisch ist Zahnbelag (Plaque). Zahnbelag ist ein dünner, kaum sichtbarer Film, der zu einem Großteil aus Bakterien besteht. Er findet sich vor allem am Rand zum Zahnfleisch und fühlt sich mit der Zunge pelzig an. Durch die Bakterien im Zahnbelag kann sich das Zahnfleisch entzünden. Durch die Entzündung kann das Zahnfleisch anschwellen.

Ein geschwollenes Zahnfleisch wird von Plaque verursacht, kann jedoch von anderen Faktoren begünstigt werden. Möglich ist zum Beispiel, dass bestimmte Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, die Probleme verstärken. Solche Medikamente werden beispielsweise in der Therapie von Tumorerkrankungen eingesetzt. Auch sogenannte Kalziumantagonisten mit dem Wirkstoff Nifedipin können eine Zahnfleischwucherung begünstigen. Dieser Wirkstoff wird beispielsweise bei der Therapie des Bluthochdrucks angewendet.

Weiterhin können Infektionen mit bestimmten Viren (Herpes-simplex-Viren) oder anderen Erregern zu Zahnfleischentzündungen beitragen. In der Schwangerschaft kann eine leichte Gingivitis aufgrund von hormonellen Veränderungen manchmal einen schweren Verlauf nehmen, wenn sie nicht behandelt wird. Das Zahnfleisch schwillt dann stark an, kann sich röten und schmerzen und beim Zähneputzen bluten.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen hat zeitweise oder regelmäßig mit einer Zahnfleischentzündung zu tun. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit dem Alter an.

Welche Folgen kann entzündetes Zahnfleisch haben?

Eine Gingivitis führt nicht automatisch zu weiteren gesundheitlichen Problemen mit der Mundgesundheit. Manchmal schreitet sie jedoch fort und entwickelt sich zu einer Parodontitis – einer Entzündung des Zahnhalteapparats. Leider lässt sich nicht vorhersagen, bei wem eine Zahnfleischentzündung zu einer Parodontitis führen wird. Es gibt aber Hinweise, dass Vitaminmangel, Störungen des Immunsystems und erbliche Faktoren eine Rolle spielen könnten. Rauchen und Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für eine Parodontitis ebenfalls. Wenn Sie vermuten, dass Sie eine Zahnfleischentzündung haben, ist es sinnvoll, besonders auf die Mundhygiene zu achten und mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt darüber zu sprechen.

Was kann ich tun, um ernsthafteren Folgen einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen?

Zahnbelag bildet sich sehr schnell, kann aber durch mehrfach tägliches gründliches Zähneputzen entfernt werden. Wenn der Zahnbelag nicht entfernt wird, kann sich bereits innerhalb weniger Tage das Zahnfleisch entzünden. Später kann der Belag zu Zahnstein aushärten, der das weitere Wachstum von Bakterien begünstigt. Zahnbelag lässt sich durch regelmäßiges Zähneputzen und die Anwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen entfernen. Zahnstein können Sie in einer Zahnarztpraxis entfernen lassen. Die Kosten dafür werden einmal pro Jahr von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Es besteht auch die Möglichkeit, bakterielle Beläge im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entfernen zu lassen. Die Kosten hierfür werden jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Eine gute Putztechnik sorgt dafür, dass der Zahnbelag möglichst vollständig entfernt wird. Sie soll außerdem das Zahnfleisch schonen. Welche Technik und welche Zahnbürste für Sie persönlich die richtige ist und wie Sie sie anwenden, können Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt besprechen.

Wie wird aus einer Zahnfleischentzündung eine Parodontitis?

Jeder Mensch hat eine kleine Vertiefung zwischen Zahn und Zahnfleisch, die Zahnfleischfurche. Wenn sich das Zahnfleisch entzündet, weitet sich dieser Spalt auf und das entzündete Zahnfleisch löst sich vom Zahnhals ab. Dadurch vergrößert sich der Raum zwischen Zahn und Zahnfleisch und Bakterien können in die Tiefe des Zahnfleischs vordringen. Eine vertiefte Zahnfleischfurche nennt man „Zahnfleischtasche“.

Illustration Zahnhalteapparat

Wenn eine Zahnfleischtasche mehrere Millimeter tief ist, können sich in ihr nicht nur Bakterien ansammeln, sondern auch Ablagerungen bilden und verfestigen, die schwer zu entfernen sind. Diese Ablagerungen werden Konkremente genannt und haben eine dunklere Farbe als Zahnstein. Bei größeren Zahnfleischtaschen können Teile der Zahnwurzel freigelegt sein. Ausführliche Informationen über den Aufbau des Zahnhalteapparats finden Sie hier.

Bakterien und Ablagerungen können in Zahnfleischtaschen Entzündungen hervorrufen und den Zahnhalteapparat angreifen. Von einer Parodontitis – umgangssprachlich auch Parodontose – spricht man, wenn dadurch Teile des Zahnhalteapparats oder Knochens zerstört werden. Wenn eine Parodontitis fortschreitet, können sich Zähne mit der Zeit lockern, sodass sie letztlich ihren Halt verlieren und ausfallen oder entfernt werden müssen.

Eine Parodontitis kann in Episoden verlaufen. Das heißt, dass sich kurze Schübe, in denen Gewebe zerstört wird, mit längeren Phasen abwechseln, in denen die Erkrankung nicht weiter fortschreitet oder sich das Gewebe teilweise sogar etwas erholen kann. Das Zahnfleisch kann jedoch nicht nachwachsen.

Wie lässt sich eine Parodontitis erkennen?

Eine Parodontitis verursacht oft erst Beschwerden, wenn sie fortgeschritten ist. Wenn Sie jedoch frühzeitig wissen, dass Sie Parodontitis haben, kann Ihnen das helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Zahnfleischbluten kann ein Zeichen von Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis sein. Weitere mögliche Symptome einer Parodontitis sind Zahnfleischtaschen, empfindliche Zahnhälse, Wurzelkaries oder auch Mundgeruch. Wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht, die Lücken zwischen den Zähnen sich vergrößern oder die Zähne sich lockern, ist die Parodontitis bereits weiter fortgeschritten.

Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat einmal in zwei Jahren Anspruch auf einen Parodontalen Screening-Test (PSI). Bei dieser Früherkennungsuntersuchung wird das gesamte Gebiss Zahn für Zahn mit Hilfe einer speziellen Parodontalsonde daraufhin geprüft, ob Zahnfleischtaschen vorhanden sind. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt schaut nach Zahnfleischblutungen, möglichem Zahnfleischrückgang und beurteilt zudem, ob sich bereits Zähne gelockert haben.

Je nach Ergebnis des Tests können im Anschluss weitere Untersuchungen erforderlich sein, beispielsweise Röntgenaufnahmen, um das Ausmaß eines möglichen Knochenabbaus zu bestimmen. In besonderen Fällen kann auch mit einem Test nach speziellen Bakterien gesucht werden, die eine Parodontitis verursachen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Parodontitis?

Ein gesundes und funktionierendes Gebiss ist für das Kauen, die Aussprache und nicht zuletzt für das Aussehen wichtig. Daher besteht das Ziel einer Parodontitis-Behandlung darin, das Fortschreiten der Parodontitis so weit wie möglich aufzuhalten, um weitere Schäden und letztlich einen Zahnverlust zu verhindern. Und auch wenn eine Parodontitis bereits weit fortgeschritten ist und schon Zähne verloren gegangen sind, ist eine gute Pflege wichtig, damit die verbleibenden Zähne erhalten und ein Zahnersatz auf Zähne mit möglichst gesundem Zahnhalteapparat gesetzt werden können. Neben einer ausreichenden Pflege von Zähnen und Zahnfleisch gibt es verschiedene zahnärztliche Maßnahmen zur Vorbeugung oder Behandlung bei Parodontitis.

Systematische Parodontitistherapie

Die systematische Parodontitistherapie umfasst mehrere Schritte:

  • Verbesserung der Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung
  • Subgingivales Scaling und Wurzelglättung
  • Überprüfung des Therapieerfolgs
  • Eventuell eine offene chirurgische Behandlung
  • Nachsorge


Verbesserung der Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung

Für die Parodontitistherapie ist eine gute Mundhygiene von großer Bedeutung. Daher wird Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt oder eine speziell weitergebildete Fachassistenz zu Beginn der Behandlung die vorhandene Plaque anfärben und mit Ihnen über die Handhabung von Zahnbürste, Zahnseide und Zahnzwischenraum-Bürstchen sprechen.

Bei einer professionellen Zahnreinigung werden mithilfe von speziellen Instrumenten und / oder Ultraschallgeräten in der Regel auch Ablagerungen entfernt, die sich durch Zähneputzen nicht entfernen lassen (Zahnstein und Konkremente). Zudem können die Zähne poliert werden, um restliche Plaque, Flecken oder Ablagerungen zu entfernen und die Zahnoberfläche zu glätten. Normalerweise wird im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung auch eine Fluoridierung der gereinigten Zähne durchgeführt.

Eine professionelle Zahnreinigung hat das Ziel, alle Zahnbeläge zu entfernen, die oberhalb oder am Rande des Zahnfleisches liegen und ohne örtliche Betäubung entfernt werden können. Damit sollen die Ursachen für eine Entzündung des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates beseitigt werden. Durch die Politur der Zahnoberflächen soll das Risiko für die erneute Anheftung von Zahnbelägen reduziert werden.

Subgingivales Scaling und Wurzelglättung

Bei Bedarf schließt sich eine sogenannte geschlossene Behandlungsphase an. In dieser zweiten Phase der Parodontitistherapie werden bakterielle Beläge und Konkremente entfernt, die unterhalb des Zahnfleischrandes liegen. Diesen Vorgang nennt man auch „subgingivales Scaling“ oder „Deep Scaling“. Dabei wird unter örtlicher Betäubung die Oberfläche der Zahnhälse und erreichbare Wurzeloberflächen mit speziell geformten Instrumenten gereinigt, um Konkremente und Bakterien zu entfernen. In der Regel werden dabei auch die Oberflächen geglättet, um die erneute Anlagerung von Bakterien und Konkrementen zu erschweren.

Eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit ist eine Spülung der Zahntaschen. Ein zusätzlicher Nutzen dieser Spülung ist aber umstritten, da es hierzu bislang kaum aussagekräftige Forschungsergebnisse gibt.

Überprüfung des Therapieerfolgs

Nach Beendigung der geschlossenen Behandlungsphase erfolgt eine erneute Untersuchung von Zähnen und Zahnfleisch, um den Erfolg der Therapie zu beurteilen. Wenn die bisher beschriebene Behandlung einer Parodontitis die Taschentiefe nicht ausreichend verringert hat oder weitere Blutungen auftreten, können weitere Maßnahmen infrage kommen.

Offene chirurgische Behandlung

Bei einer offenen Behandlung wird das Zahnfleisch unter einer örtlichen Betäubung an den betroffenen Stellen mit kleinen Einschnitten versehen, sodass es zurückgeklappt werden kann. Dadurch ist die Wurzeloberfläche besser erreichbar und kann gründlich gereinigt und geglättet werden. Manchmal wird auch der Knochen geglättet, sofern er sich infolge einer Parodontitis ungünstig verändert hat. Anschließend wird das Zahnfleisch so vernäht, dass es wieder eng am Zahn anliegt.

In der Regel dauert es ungefähr eine Woche, bis die Wunde verheilt ist und die Fäden gezogen werden können. Das Zahnfleisch kann sich nach der Operation zurückbilden, sodass die Zähne länger wirken. Manche Menschen empfinden dies aus ästhetischen Gründen als unvorteilhaft.

Von den gesetzlichen Krankenkassen wird dieser Eingriff unter Umständen bei einer schweren Parodontitis bezahlt, wenn andere Maßnahmen trotz verbesserter Zahnpflege keine ausreichende Besserung gebracht haben.

Im Rahmen der offenen chirurgischen Behandlung kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt auch zusätzlich eine biologisch abbaubare, netzartige Folie zwischen Zahnfleisch und Zahn legen. Hierdurch soll ebenfalls der Aufbau von Knochenmasse unterstützt werden. Die Folie soll verhindern, dass das schnell wachsende Zahnfleisch den Raum um den Zahn füllt, bevor der Zahnhalteapparat die Möglichkeit hatte, sich langsam zu erholen. Dieses Verfahren wird auch Guided Tissue Regeneration (GTR) genannt.

In Studien führte eine GTR teilweise zu einer besseren Regeneration als die alleinige Operation. Allerdings ist noch nicht ausreichend untersucht, welche Faktoren Einfluss auf die Behandlung haben und wer von der GTR letztlich profitieren könnte. Die Kosten der Behandlung müssen selbst getragen werden.

Eine weitere regenerative Behandlungsmöglichkeit sind Schmelz-Matrix-Proteine, die während der Operation auf die gereinigte Wurzeloberfläche aufgetragen werden. Es gibt aber bisher nicht ausreichend gute Studien, um beurteilen zu können, ob Menschen mit Paradontitis von dieser Behandlung profitieren. Die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.  

Eine Knochentransplantation wird mitunter erwogen, wenn durch die Parodontitis ein Teil des Knochens um die Zahnwurzel zerstört wurde. Dann werden im Rahmen des offenen chirurgischen Vorgehens kleine Fragmente eines eigenen Knochens oder auch künstliche Knochenersatzmaterialien eingepflanzt. Sie sollen dem Zahn wieder besseren Halt geben und den Aufbau von Knochenmasse unterstützen. Auch für die Knochentransplantation ist der zusätzliche Nutzen noch nicht ausreichend untersucht.

Nachsorge

Ein wichtiger Teil der Parodontitistherapie ist die Nachsorge, die verhindern soll, dass die Erkrankung erneut auftritt. Bei einem Nachsorgetermin werden Zähne, Zahnfleisch und Zahnhalteapparat untersucht und Betroffene beraten, wie sie ihre Zahnpflege weiter verbessern können. Denn einer erneuten Parodontitis kann nur vorgebeugt werden, wenn die Zähne auch zu Hause gut gepflegt werden. Der beste Schutz vor Zahnbelag, Zahnstein und Konkrementen und erneuter Parodontitis besteht in einer optimalen mehrmals täglichen Zahnpflege mit Zahnbürste, Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen.

Die persönliche Mundhygiene kann durch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung unterstützt werden. Anhand der bisherigen Forschung lässt sich nicht generell einschätzen, wie oft eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll ist. Je nach persönlicher Mundhygiene und dem Schweregrad der vorausgegangenen Parodontitis werden in der Regel 1 bis 4 Sitzungen pro Jahr empfohlen. Zu den unerwünschten Wirkungen einer professionellen Zahnreinigung können Verletzungen von Zahn oder Zahnfleisch und empfindlichere Zähne gehören. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Flecken auf den Zähnen entfernt werden können.

Im Rahmen der sogenannten unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) kann über die professionelle Reinigung hinaus regelmäßig die Taschentiefe gemessen werden. Unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse und der vorhandenen Risikofaktoren werden – so erforderlich – Möglichkeiten der Risikominderung besprochen und der Zeitpunkt der nächsten Kontrolluntersuchung festgelegt.

Kostenübernahme

Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kosten für die systematische Parodontitistherapie in einem gewissen Rahmen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies muss jedoch vorher von der Patientin oder dem Patienten beantragt werden. Welche der aufgeführten Maßnahmen im Einzelfall übernommen werden, können Sie bei Ihrer Krankenkasse erfragen.

Keimreduktion der Mundhöhle

Die mechanische Reinigung kann durch eine möglichst umfassende Keimreduktion der Mundhöhle mit Chlorhexidin ergänzt werden. Chlorhexidin ist ein antibakterieller Wirkstoff, der auch in manchen Mundspüllösungen enthalten ist. Durch diese ergänzende Behandlung soll verhindert werden, dass sich direkt nach der professionellen Zahnreinigung Keime in den Zahnfleischtaschen ansiedeln und das behandelte Zahnfleisch sofort wieder angreifen.

Forschungsergebnisse liefern Hinweise darauf, dass sich die Taschentiefe etwas verringern könnte, wenn das subgingivale Scaling durch eine anschließende Munddesinfektion ergänzt wird. Allerdings ist der Nutzen der Behandlung nicht exakt vorhersehbar, sodass Vor- und Nachteile abzuwägen sind. Chlorhexidin ist ein starkes desinfizierendes Mittel und kann auf Dauer zu Flecken auf den Zähnen führen.

Eine Keimreduktion durch Mundspülung kann auch unabhängig von der professionellen Zahnreinigung Teil der Mundhygiene sein.

Therapien zur Vermeidung von Fehlbelastungen der Zähne

Manchmal wird vermutet, dass eine Parodontitis begünstigt wird, wenn benachbarte oder gegenüberliegende Zähne zu großen Druck auf den von Parodontitis betroffenen Zahn ausüben. Ursachen hierfür können zum Beispiel nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus), eine Fehlstellung der Zähne oder eine zu hoch liegende Füllung sein. Es gibt verschiedene Behandlungen, die eingesetzt werden, um diese Belastung zu verringern. So wird beispielsweise die Kaufläche des betroffenen Zahns eingeschliffen oder versucht, den Druck durch eine Bissschiene zu reduzieren. Allerdings gibt es bislang kaum Forschung zu der Frage, ob solche Behandlungen bei Parodontitis den Heilungsprozess unterstützen.

Was hilft anderen Menschen im Umgang mit Parodontitis?

Manche Menschen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie das Gefühl haben, dass sie nicht ausreichend auf ihre Zahnpflege achten oder weil sie weiter rauchen, obwohl sie wissen, dass dies schädlich ist. Hinzu kommen manchmal Ängste, durch die Parodontitis Zähne zu verlieren. Menschen mit Parodontitis berichten, dass es ihnen dann hilft, eine unterstützende Zahnärztin oder einen unterstützenden Zahnarzt zu haben, der verständnisvoll ist und sie motiviert. Gut informiert zu sein und mit der Ärztin oder dem Arzt regelmäßig über den Verlauf zu sprechen, scheint ebenfalls hilfreich zu sein. Dazu gehört auch, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen bespricht, was Sie gut machen und wo Sie Ihre Zahnpflege eventuell noch verbessern können.

Denn um eine Parodontitis in den Griff zu bekommen und den Zahnhalteapparat möglichst lange gesund zu halten, ist es am wichtigsten, Zähne und Zahnfleisch richtig zu pflegen. Dafür ist es entscheidend, bei der Zahnpflege tägliche Routinen einzuführen – und an ihnen festzuhalten. Regelmäßig die Zähne zu putzen, immer an die richtige Putztechnik zu denken und Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen nicht zu vergessen: Dies erfordert Engagement und stellt eine Herausforderung dar. Doch viele Menschen berichten, dass ihnen die Zahnpflege mit der Zeit leichter fällt, wenn sie merken, dass sich ihre Zahngesundheit dadurch verbessert.

Nächste geplante Aktualisierung: Oktober 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.



Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 26. Oktober 2011 09:41
  • Erstellt am: 05. Oktober 2011 09:52
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

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