Merkblatt: Wie Sie sich und Ihre Familie vor Atemwegsinfektionen schützen

Kleine Kinder

Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, eine laufende Nase: Eine Grippe (Influenza) mag nur wie eine heftige Erkältung daherkommen, und das Schlimmste ist meist nach einer Woche überstanden. Doch Menschen können durch Grippe- und ähnliche Viren auch ernsthaft erkranken, besonders wenn sie noch ganz jung oder sehr alt sind. Die Erreger infizieren die Atemwege oder das Atmungssystem, weshalb sie auch als Atemwegsviren oder "respiratorische Viren" bezeichnet werden. Das ganze Jahr über, besonders aber im Herbst und Winter, befinden sich Hunderte von Viren im Umlauf, die eine "echte" Grippe oder grippeähnliche Krankheiten auslösen. Es entwickeln sich auch neue Virenstämme, die manchmal gefährlich sein können.

Neue Virustypen können sich besonders schnell verbreiten. Da Atemwegsinfektionen meistens von Viren und nicht von Bakterien verursacht werden, können sie in der Regel auch nicht mit Antibiotika geheilt werden. In unserem Spezial erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten, eine Grippe und andere Atemwegsinfektionen zu behandeln. Da es viele unterschiedliche Typen von Atemwegsviren gibt und sich die Viren zudem von Jahr zu Jahr stark verändern, zielen die wenigen verfügbaren Medikamente gegen Viren meist nicht exakt auf die aktuell vorhandenen Erreger ab und sind deshalb nicht sehr wirksam. Es ist schwierig, Medizin und Impfstoffe zu entwickeln, die gegen ein so veränderliches Ziel sicher wirken. Obendrein erkranken Menschen oft an mehr als einem respiratorischen Virus gleichzeitig.

Daher ist die grundlegende Strategie, sich möglichst vor allen Atemwegsinfektionen zu schützen - und zu versuchen, andere Menschen nicht anzustecken, falls Sie doch erkranken. Es gibt eine Reihe guter Möglichkeiten, um Ihr Ansteckungsrisiko und das Ihrer Familie zu senken. Vor allem: Waschen Sie sich in der Grippesaison oft genug die Hände und fassen Sie sich nicht ins Gesicht. Diese Maßnahme ist einfach, aber effektiv. Warum das so ist und was Sie sonst noch tun können, erklären wir im Folgenden.

Wie übertragen sich die Grippe und andere Atemwegserkrankungen?

Wenn Sie sich mit einem Atemwegsvirus wie dem Grippevirus infiziert haben, versprühen Sie bei jedem Husten oder Niesen Tröpfchen, die Dinge und Menschen in Ihrer Nähe benetzen. Diese Tröpfchen sind voller Viren. Wenn Sie sich die Nase putzen oder Ihre Nase und Ihren Mund berühren, überträgt sich das Virus auf Ihr Taschentuch und Ihre Hände. Von dort breitet es sich auf die Gegenstände aus, die Sie anfassen.

Atemwegsviren bleiben auf Gegenständen haften, die alle berühren (etwa Türklinken und Trinkgläser). Wenn andere Personen den infizierten Gegenstand berühren und sich anschließend ins Gesicht fassen, können die Erreger durch die Nase oder den Mund in Ihren Körper gelangen und Sie anstecken. Aus derselben Flasche oder demselben Glas zu trinken, trägt ebenfalls zur raschen Verbreitung der Viren bei. Ansteckungsmöglichkeiten bestehen auch dann, wenn man jemandem die Hand gibt, sich umarmt und küsst. Auf diese Weise übertragen sich Erkältungen und die Grippe von Mensch zu Mensch. Andere Virusarten verbreiten sich auf anderen Wegen.

Da es so leicht ist sich anzustecken, kann sich ein Grippeausbruch schnell zu einer Epidemie entwickeln, die bis zu 50 % der Bevölkerung betreffen kann. Kommt es weltweit zu einem großen Grippeausbruch, spricht man von einer Pandemie. Die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsausbrüchen, Epidemien und Pandemien steigt, wenn ein neues Grippevirus auftritt. Das liegt daran, dass die Menschen noch keine Immunität gegen das neue Virus entwickeln konnten.

Was können Grippeimpfungen bewirken?

Um wirksam zu sein, müssen Influenza-Impfstoffe schon Monate vor Beginn einer "Grippesaison" eingesetzt werden - in Europa also im Oktober oder November. Es ist allerdings nicht immer möglich, schon so weit im Voraus genau vorherzusagen, welches Virus auftreten wird, damit noch rechtzeitig eine ausreichende Menge des passenden Impfstoffs hergestellt werden kann. Jedes Jahr wertet eine internationale Expertengruppe im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation Daten aus um zu schätzen, welcher Impfstoff in der bevorstehenden Saison auf der nördlichen Erdhalbkugel vermutlich am wirksamsten sein wird. In den Jahren, in denen der vorproduzierte Impfstoff und die verbreiteten Virustypen genau übereinstimmen, ist die Impfung sehr wirksam. Dies ist mittlerweile meistens der Fall. Stellt aber ein anderes Virus das Hauptproblem dar, ist die Wirksamkeit geringer. Impfungen sind also in manchen Jahren wirkungsvoller als in anderen.

Im Durchschnitt belegen Studien, dass ältere Menschen, die in Pflegeheimen wohnen, seltener eine Lungenentzündung bekommen und seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden, wenn sie geimpft sind. Bei Menschen, die zu Hause wohnen, ist die Impfwirkung jedoch nicht so groß. Insgesamt ergab die bestmögliche Schätzung der Forscher, dass die Impfstoffe das Gripperisiko gesunder Erwachsener um 50 bis 80 % senken konnten. Über eine Grippesaison gesehen, haben die meisten Menschen nur ein geringes Erkrankungsrisiko. Eine Risikosenkung um 50 % bedeutet, dass von den Menschen, die ohne Impfung ein Gripperisiko von 2 % haben, tatsächlich nur 1 % erkranken, wenn sie geimpft sind. Es wird also nur einer von 100 Menschen krank, statt 2 von 100. Bei einem Gripperisiko von 20 % pro Jahr erkranken nur 10 von 100 geimpften Menschen (statt 20 von 100 ungeimpften).

Die Gesundheitsbehörden in Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern empfehlen eine Impfung zum Beispiel für ältere Menschen, Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sowie für Personen, die Menschen mit hohem Gripperisiko und Risiko für Folgeschäden durch die Erkrankung betreuen (zum Beispiel Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen). Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin (STIKO) empfiehlt, dass sich die Menschen rechtzeitig vor Beginn der Grippesaison impfen lassen - auf der nördlichen Erdhalbkugel also spätestens Anfang November. Auch danach könnte die Impfung noch hilfreich sein, falls die Grippe erst im Spätwinter ausbricht. Mehr Informationen zur Forschung über Grippe-Impfstoffe finden Sie hier.

Es gibt viele verschiedene Impfstoffarten. Manche werden gespritzt, andere gibt es in Form von Nasensprays. Die Spritzen enthalten "inaktivierten" Impfstoff. Ein solcher Impfstoff wird zwar aus dem Virus hergestellt, enthält aber keine lebenden Virusanteile mehr und kann deshalb keine Infektion auslösen. Nasensprays sind meist so genannte Lebendimpfstoffe. Die in diesen Impfstoffen enthaltenen Erreger wurden deutlich abgeschwächt (dies wird als "Attenuierung" bezeichnet). Sie sind zwar nicht völlig inaktiv, aber sehr viel weniger ansteckend als das "echte" Virus. Lebendimpfstoff-Nasensprays sind in Deutschland nicht erhältlich.

Helfen antivirale Grippemittel, die Ausbreitung der Viren aufzuhalten?

Wenn jemand in Ihrer unmittelbaren Nähe eindeutig an Grippe erkrankt ist, könnten die neueren antiviralen Grippemedikamente Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Sie selbst vor einer Erkrankung schützen. Wahrscheinlich sind Sie dann aber genauso ansteckend wie jemand, der die Mittel nicht nimmt. Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig. Hier können Sie mehr über Studien lesen, in denen antivirale Grippemittel bei Erwachsenen getestet wurden.

Die häufigste unerwünschte Wirkung dieser Grippemittel ist Übelkeit. Sie tritt bei einem von 20 Menschen auf, die diese Medikamente vorbeugend einnehmen. Bei Dosierungen höher als 75 mg täglich können auch mehr Menschen Übelkeit verspüren. Tamiflu und Relenza haben weniger unerwünschte Wirkungen als die "alten" antiviralen Mittel Amantadin (Handelsname Symmetrel) und Rimantadin (in Deutschland nicht erhältlich). Diese älteren Mittel werden nur ausnahmeweise eingesetzt. 

Tamiflu ist in Tablettenform erhältlich und Relenza als Trockenpulver, das mit einem Inhalator durch den Mund eingeatmet wird. Tamiflu ist für Babies unter einem Jahr nicht zugelassen, Relenza nicht für Kinder unter 5 Jahren. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA untersucht zurzeit Sicherheitsbedenken, die im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Produkte bei Kindern erneut aufgekommen sind. Auch die europäische Behörde EMEA geht solchen Fragen nach.

Manche Menschen glauben, dass Antibiotika helfen könnten. Doch Antibiotika wirken nur gegen bakterielle Infektionen und nicht gegen Viren wie zum Beispiel das Influenza-Virus. Sie helfen also nur, wenn sich zusätzlich zur Virusinfektion Bakterien in den Atemwegen ansiedeln. Antibiotika verringern auch nicht die Ansteckungsgefahr, die von Grippekranken ausgeht.

Wie verhindert man, dass sich Atemwegsinfektionen verbreiten?

Zur Kontrolle von Atemwegsinfektionen gehört der Versuch zu verhindern, dass viruslastige Tröpfchen von einer Person zur Nächsten gelangen. Das bedeutet:

  • Waschen Sie Ihre Hände häufig. Dazu benötigen Sie keine spezielle antibakterielle Seife oder Lösung, Wasser und eine normale Seife reichen aus.
  • Halten Sie Ihre Hände vom Gesicht fern. Die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren ist groß, wenn Sie Ihren Mund oder Ihre Nase berühren, nachdem Sie einen virusbelasteten Gegenstand angefasst haben.
  • Trinken Sie nicht aus Tassen oder Flaschen, aus denen bereits andere getrunken haben.


Wenn Sie eine Atemwegsinfektion haben, denken Sie außerdem an Folgendes:

  • Bedecken Sie Ihre Nase und Ihren Mund, wenn Sie husten oder niesen - am besten mit einem Papiertaschentuch.
  • Entsorgen Sie benutzte Taschentücher richtig - lassen Sie sie nicht herumliegen, so dass andere Leute sie berühren könnten. Waschen Sie auch selbst Ihre Hände, nachdem Sie die Taschentücher angefasst haben. Bevorzugen Sie Papiertaschentücher zum einmaligen Gebrauch.
  • Vermeiden Sie es in dieser Zeit, Menschen die Hand zu geben, sie zu umarmen und zu küssen.


Grippekranke sind ansteckend:

  • schon einen Tag, bevor sie erkranken,
  • während der gesamten Zeit, in der sie Beschwerden haben und
  • noch etwa 5 Tage danach. Letzteres gilt für Erwachsene; Kinder können unter Umständen noch etwa eine Woche nach Abklingen der Beschwerden ansteckend sein.


Wenn Sie grippekrank sind, stecken Sie möglicherweise weniger Menschen an, wenn Sie in dieser Zeit mit weniger Menschen Kontakt haben, zum Beispiel indem Sie von zu Hause aus arbeiten, wenn das möglich ist.

Kleinkinder gehören zu den Menschen mit besonders hohem Risiko für Komplikationen infolge einer Grippe oder anderen Atemwegsinfektionen. Darüber hinaus sind sie vielleicht die Hauptüberträger von Atemwegsviren. Das liegt möglicherweise daran, dass Kinder nicht in der Lage sind, auf ihre Sauberkeit zu achten und sich viele Gegenstände in den Mund stecken. Kinder haben auch sehr engen Körperkontakt untereinander und zu vielen anderen Menschen. Deshalb sollten Menschen, die mit Kleinkindern zusammenleben, ihnen beibringen, was es mit der Sauberkeit, dem Händewaschen und häufigen Naseputzen auf sich hat. Bei Ausbrüchen viraler Atemwegsinfektionen ist es wichtig, dass Erwachsene die Hygiene von Kleinkindern überwachen.

Was passiert, wenn es zu einem Ausbruch der Neuen Grippe (Schweinegrippe), Vogelgrippe oder einer anderen Art von Grippeepidemie kommt?

Bei einem Grippeausbruch werden wahrscheinlich die neueren antiviralen Medikamente (Tamiflu und Relenza) zur Vorbeugung und Behandlung zum Einsatz kommen - auch wenn nicht sicher ist, wie gut sie wirklich helfen können.

Wenn Sie engen Kontakt zu jemandem haben, der an einer gefährlichen Grippe wie der Vogelgrippe erkrankt und ansteckend ist, können Sie Ihr Infektionsrisiko möglicherweise verringern, wenn Sie eine Gesichtsmaske tragen. Falls eine Grippeepidemie ausbrechen sollte, ist es am wichtigsten und wirksamsten, Ihr Ansteckungsrisiko zu senken und die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Dabei helfen die oben genannten Basisstrategien zur Verhinderung einer Infektion. Am wichtigsten ist es, sich oft die Hände zu waschen. Studien, die während der SARS-Epidemie 2002 und 2003 durchgeführt wurden, legen nahe, dass die Ausbreitung der Krankheit stark beeinflusst werden könnte, wenn sich die Menschen mehr als zehnmal am Tag die Hände waschen würden.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 02. Februar 2012 09:27
  • Erstellt am: 29. Januar 2008 08:14
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