Merkblatt: Vorbeugung von Darmkrebs
Der Begriff Darmkrebs bezieht sich gewöhnlich auf Krebserkrankungen des unteren Darmabschnitts. Hierzu zählen ein Teil des Dickdarms (Kolon) und der Mastdarm (Rektum). Mediziner benutzen häufig den Fachbegriff "kolorektales Karzinom". Krebs im Dünndarm ist sehr selten. Darmkrebs entsteht meist in der Schleimhaut, die den Darm innen auskleidet. Mit zunehmendem Alter wachsen bei vielen Menschen kleine Wucherungen, so genannte Polypen oder Adenome. Die meisten dieser Polypen bleiben harmlos, doch etwa 5 von 100 Polypen verändern sich weiter zu bösartigem Krebs. Diese Umwandlung dauert fünf bis zehn Jahre. Das bietet die Aussicht, dass durch eine Entfernung von Polypen bei einer Darmspiegelung auch der Entstehung von Krebs vorgebeugt werden kann.
Woran kann man Darmkrebs erkennen?
Es gibt keine typischen Erkennungsmerkmale für Darmkrebs. Erste Symptome ähneln denen, die auch bei nicht bösartigen Krankheiten wie Hämorrhoiden oder entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) auftreten. Zu den Warnsignalen zählen Blut oder Schleim im Stuhl. Auch Änderungen der Stuhlgewohnheiten wie Durchfall oder Verstopfung, die mehrere Wochen anhalten, können Warnsignale sein. Obwohl die Ursache nur selten Krebs ist, kann ein Gespräch mit einem Arzt über solche Beschwerden dazu beitragen, Darmkrebs früher zu erkennen.
Wie hoch ist das Risiko?
Bezogen auf die gesamte Lebensspanne wird etwa einer von 18 Deutschen irgendwann an Darmkrebs erkranken. Das Darmkrebsrisiko ist für jüngere Menschen sehr niedrig, es steigt aber mit dem Alter. Wer nahe Familienangehörige wie Eltern oder Geschwister hat, die bereits an Darmkrebs erkrankt sind, hat ebenfalls ein höheres Risiko.
Besonders hoch ist das Risiko bei Personen, die bestimmte Genstörungen geerbt haben, dazu gehören das so genannte hereditäre nichtpolypöse kolorektale Karzinomsyndrom (HNPCC) und die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) (Polyposis bedeutet "viele Polypen"; im Darm von Menschen mit FAP wachsen manchmal mehr als 100 Wucherungen). Auch Personen, die an einer entzündlichen Darmerkrankung erkrankt sind, müssen damit rechnen, dass ihr Darmkrebsrisiko im Laufe der Jahre steigt.
Kann man Darmkrebs vorbeugen?
Es gibt einige Eigenschaften, die Menschen mit einem niedrigen Darmkrebsrisiko gemeinsam haben. Dazu gehört eine Ernährung mit einem hohen Ballaststoffgehalt, viel Obst und Gemüse, aber relativ wenig Wurst oder rotem Fleisch, wie Rind- oder Schweinefleisch. Auch Menschen, die sich regelmäßig körperlich bewegen, erkranken seltener an Darmkrebs. Hingegen haben Menschen mit Übergewicht ein etwas erhöhtes Risiko. Allerdings sind diese Beobachtungen kein Beweis dafür, dass zum Beispiel eine kurzfristige Änderung der Ernährung oder Abnehmen hilft, das Krebsrisiko zu verringern.
Bevor Ratschläge zur Vorbeugung gegen Darmkrebs gegeben werden, ist es sinnvoll, sie zuerst wissenschaftlich zu erproben. Solche Erprobungen laufen bereits seit einigen Jahren. Den Stand der Wissenschaft haben wir hier kurz zusammengefasst.
Ballaststoffe, Obst und Gemüse: Forschergruppen haben getestet, ob sich das Darmkrebsrisiko senken lässt, wenn man sich ballaststoffreicher ernährt, also zum Beispiel generell mehr Obst und Gemüse isst, oder der täglichen Nahrung käufliche Ballaststoffprodukte wie Weizenkleie und Flohsamen hinzufügt. Diese Studien haben aber bislang keine Argumente für einen Schutz vor Darmkrebs geliefert. Weitere Untersuchungen laufen noch.
Vitamin C, E und Betacarotin: Was wissenschaftliche Studien in den letzten Jahren über diese so genannten Antioxidantien herausgefunden haben, gibt eher Anlass zur Vorsicht. Die Vitamine Betacarotin, Vitamin E und Vitamin C haben jeweils alleine, aber auch in verschiedenen Kombinationen Darmkrebs nicht vorgebeugt. Im Gegenteil: Personen, die Vitamine eingenommen haben, sind sogar etwas häufiger gestorben. Der Unterschied war zwar klein, aber er ist deutlich genug, um Vitamine ausdrücklich nicht zur Krebsvorbeugung geeignet erscheinen zu lassen. Auch Folsäure wurde bislang ohne Erfolg getestet, in Hinblick auf Selen ist es noch zu früh für ein Urteil.
Kalzium: Studien zeigen, dass sich bei Personen, die relativ große Mengen Kalzium eingenommen hatten, seltener neue Darmpolypen entwickeln. Das spricht für eine vorbeugende Wirkung. Allerdings bleiben die Forscher vorsichtig. Etwas, das das Wachstum von Polypen abbremst, muss nicht unbedingt auch gegen Darmkrebs wirksam sein, der sich sehr viel langsamer entwickelt.
Medikamente: Es gibt bislang keine zur Vorbeugung von Darmkrebs zugelassenen Medikamente, einige werden aber erprobt. Dazu gehören Acetylsalicylsäure und einige ähnliche Schmerz- und Rheumamittel. Täglich eingenommen können sie zwar das Wachstum von neuen Polypen abbremsen. Allerdings können diese Medikamente gerade bei langfristiger Einnahme Nebenwirkungen haben, die abgewogen werden müssen. Statine scheinen Darmkrebs nicht vorzubeugen.
Nebenwirkungen wie zum Beispiel Brustkrebs oder Schlaganfall sind der Grund, warum auch eine Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden nicht langfristig zur Vorbeugung eingesetzt werden sollte, obwohl sie das Darmkrebsrisiko etwas verringert. Auch hormonelle Verhütungsmittel können das Risiko möglicherweise absenken. Diese Hoffnung hat dazu geführt, dass Pharmafirmen bereits nach neuen hormon-ähnlichen Medikamenten zur Vorbeugung gegen Darmkrebs suchen.
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
- Letzte Aktualisierung: 16. Mai 2006 15:19