Merkblatt: Schmerzen nach Operationen

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Nach einer Operation müssen Sie keine starken Schmerzen aushalten. Waren starke Schmerzen nach Operationen früher fast unvermeidbar, gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten zur Hilfe. Sie können die schmerzlindernde Medikation per Katheter oder Infusion vielleicht sogar eigenständig steuern. Dies wird "patientenkontrollierte Schmerzbehandlung" (PCA) genannt.

Bis zu fünf Millionen Menschen pro Jahr in Deutschland benötigen eine Schmerzbehandlung nach einer Operation. Jede Operation kann im Nachhinein "weh tun". Meist haben große Operationen jedoch unangenehmere Nachwirkungen als kleinere Eingriffe. Je weniger Schmerzen Sie nach einer Operation haben, desto schneller erholen Sie sich möglicherweise von dem Eingriff. Je eher Sie die Pflegekräfte oder die Ärztinnen und Ärzte also auf Ihre Schmerzen aufmerksam machen und Ihre Schmerzen klar beschreiben, desto besser.

Wie können Sie sich vorbereiten?

Die Schmerzen nach einem Eingriff werden als "post-operative" Schmerzen bezeichnet. Deren Behandlung beginnt aber eigentlich schon vor der Operation mit der Planung der Therapie. Die Ärztin oder der Arzt sollte mit Ihnen darüber sprechen, was Sie nach dem Eingriff erwarten könnte. Dazu sollte auch die Aufklärung über mögliche Schmerzen gehören, so dass Sie sich darauf einstellen können. Eine realistische Einschätzung der Folgen eines Eingriffs kann manchen Menschen helfen, Ängste abzubauen.

Gut informiert zu sein, erleichtert es Ihnen herauszufinden, welche Hilfemöglichkeiten es gibt und wie die Behandlung normalerweise verläuft. Es ist außerdem wichtig, über Anzeichen von Komplikationen Bescheid zu wissen, wie sie speziell nach Ihrem Eingriff auftreten können. Sollte für Sie eine patientenkontrollierte Schmerzbehandlung (PCA) infrage kommen, kann es ebenfalls hilfreich sein, schon vor der Operation über diese Therapie Bescheid zu wissen.

Wichtig ist auch, die Ärztin oder den Arzt vor der Operation darüber zu informieren, wenn Sie bereits Schmerzen haben, und ob Sie irgendwelche schmerzlindernden Medikamente oder Opioide einnehmen. Davon könnte die Auswahl der besten Therapiemöglichkeiten für Sie abhängen. Wenn Sie regelmäßig starke Schmerzmittel, Alkohol oder andere Drogen zu sich nehmen, benötigen Sie möglicherweise andere Schmerzmittel als die üblicherweise eingesetzten.

Wenn Sie mehr über den Umgang mit Ängsten vor einer Operation wissen möchten, können Sie darüber in unserem Artikel oder Merkblatt lesen.

Was passiert nach einer größeren Operation?

Die Zeit nach einer Operation wird als "postoperative Phase" bezeichnet. Diese beginnt mit dem Verschluss der Wunde (per Naht oder Klammer). Wenn der Eingriff abgeschlossen ist, werden Sie meist in einen extra für die Nachbeobachtung angelegten Bereich gebracht, den so genannten "Aufwachraum". In der Regel werden die Patienten hier an Geräte angeschlossen, die Puls, Blutdruck und Herzaktivität messen. Speziell geschulte Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte betreuen Sie, überwachen Ihr Befinden und behandeln, falls nötig, auch Ihre Schmerzen.

Sobald Sie ansprechbar sind, werden Sie üblicherweise gefragt, ob Sie Schmerzen haben. Wenn es beim Aufwachen aus der Narkose keine Schwierigkeiten gibt, werden Sie nach kurzer Zeit auf die Krankenstation zurückgebracht. Dort wird die Operations-Nachsorge (postoperative Versorgung), zu der auch die Schmerzbehandlung gehört, fortgesetzt.

Wie kann man Schmerzen beschreiben?

Je präziser Menschen ihre Schmerzen beschreiben, desto besser können diese behandelt werden. Für eine ausreichende Schmerztherapie benötigen Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte Informationen über

  • den Ort des Schmerzes (beispielsweise die Wunde),
  • die Art des Schmerzes (zum Beispiel stechend, dumpf oder brennend), und
  • die Stärke des Schmerzes (etwa mittel oder sehr stark).

Auch im Verlauf der Behandlung ist es wichtig, die behandelnden Personen darüber zu informieren, wie lange der Schmerz anhält, und ob und nach welchem Zeitraum er wieder einsetzt. Bei kleinen Kindern und Menschen, die sich nur eingeschränkt äußern können, ist es hilfreich, wenn in der Zeit nach einer Operation regelmäßig eine vertraute Bezugsperson (zum Beispiel ein Elternteil) anwesend ist. Diese kann den betreuenden Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften dabei helfen, für Fremde möglicherweise unklare Gesten zu verstehen. Die Bezugsperson kann Zeichen wie Weinen, den Gesichtsausdruck, bestimmte Bewegungen oder Laute deuten und an das Personal weitergeben, oder umgekehrt Informationen des ärztlichen und pflegerischen Personals vermitteln.

Welche medikamentösen Behandlungen gibt es?

Die Schmerztherapie hängt stark von der Art der Operation ab. Das Verfahren, der Ort und der Umfang des Eingriffs haben starke Auswirkungen auf das Schmerzempfinden nach Operationen. Je nachdem, ob es sich um einen großen oder kleinen Eingriff am Herzen, im Bauchbereich oder am Knie handelt, können unterschiedliche Schmerzen auftreten und unterschiedliche Behandlungen nötig machen. Auch die Dauer der Schmerzen unterscheidet sich. Mal klingen sie rasch ab, mal ist eine mehrtägige Behandlung nötig. Je nach Eingriff werden auch während der Operation verschiedene Schmerzmittel gegeben, die jeweils unterschiedlich nachwirken können.

In der Phase direkt nach einer großen Operation, die sonst sehr schmerzhaft wäre, werden stärkere Schmerzmedikamente gebraucht. Das sind oft Opioide wie das Morphin. Opioide und andere Schmerzmedikamente können allein oder zusammen angewendet werden. Opioide werden auch oft eingesetzt als:

  • Intravenöse Infusionen (ein "Tropf", meist in der Armvene) oder
  • Infusionen über einen Epiduralkatheter (Infusionen im Bereich der Wirbelsäule).

Es gibt unterschiedliche Infusionen. Die Lösungen mit den Schmerzmitteln können stetig nach fester Voreinstellung fließen, oder Sie selbst können eine Pumpe zur patientenkontrollierten Schmerzbehandlung (PCA) bedienen. Mehr über die PCA können Sie weiter unten lesen.

Werden die Schmerzmedikamente stetig verabreicht, bezeichnet man dies als kontinuierliche Infusion. Werden mehr Schmerzmedikamente benötigt, werden diese oft zusätzlich in die Infusionsflüssigkeit gespritzt.

Wenn der Schmerz nachlässt oder nach kleineren und mittelgroßen Operationen gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten:

  • Injektion von lokalen oder anderen Schmerzmitteln
  • Tabletten unterschiedlicher Stärke, beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder stärkere Medikamente
  • Pflaster, Zäpfchen oder Tropfen
  • Periphere Nervenblockaden (die gezielte Betäubung eines Körperteils zum Beispiel bei Operationen an Bein, Fuß oder Schulter).

Was sind rückenmarksnahe Verfahren?

Eine Gabe von einem oder mehreren Schmerzmitteln kann statt über einen Venenschlauch auch über einen Schlauch in den im Wirbelkanal befindlichen Epiduralraum im Rücken erfolgen. Der Epiduralraum umgibt das Rückenmark, in dem die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) verlaufen.

Die Medikamente werden in den Epiduralraum gespritzt und betäuben die Spinalnerven und somit die Schmerzweiterleitung in diesem Bereich. Epiduralkatheter können über mehrere Tage verwendet werden - die Schmerzmedikamente können dabei kontinuierlich als Infusion laufen oder bei Bedarf angewendet werden.

Etwas anders funktioniert die Spinalanalgesie. Bei ihr werden die Medikamente direkt in die Rückenmarksflüssigkeit gespritzt. Im Gegensatz zum Epiduralkatheter werden damit nicht gezielt Nerven in einem Bereich betäubt, sondern die untere Körperhälfte.

Grafik: Epiduralraum
Grafik: Epiduralkatheter und der untere Rücken


Wie funktioniert die patientenkontrollierte Schmerzbehandlung (PCA)?

Mit der patientenkontrollierten Schmerzbehandlung (englisch "patient controlled analgesia", PCA) können Patienten per Knopfdruck selbst bestimmen, wann sie sich ein Schmerzmedikament verabreichen. Bei diesem Verfahren wird eine Kanüle oder Hohlnadel in die Vene (intravenös), den Wirbelsäulenbereich (epidural) oder an einem peripheren Nerven eingesetzt. Diese ist über einen Schlauch (Katheter) an eine Art Pumpe angeschlossen, in der sich ein oder mehrere Schmerzmittel befinden. Treten Schmerzen auf, kann man sich selbst eine festgeschriebene Menge (auch "Bolus" genannt) davon verabreichen. In das System ist eine wichtige Sicherung eingebaut: Die Menge der Einzeldosen ist begrenzt, damit es nicht zu Überdosierungen kommt.

Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass Patienten mit einer intravenösen PCA etwas weniger Schmerzen nach Operationen hatten als solche, die Medikamente bei Bedarf von Ärztinnen, Ärzten oder Pflegekräften bekamen. Zudem zeigten sie eine größere Zufriedenheit mit ihrer Schmerztherapie als Patienten, die dieses System nicht nutzten. 65 % der Menschen, die eine konventionelle Schmerztherapie bekamen, waren mit ihrer Schmerzlinderung zufrieden. Bei den Nutzern der PCA waren es 84 %. Weil sie allerdings im Durchschnitt eine höhere Dosis an Schmerzmitteln einnehmen, könnte bei ihnen auch etwas mehr Juckreiz auftreten. Andere unerwünschte Nebenwirkungen wie Atembeschwerden, Übelkeit und Erbrechen traten gleich häufig auf. Es ist möglich, dass Menschen nach einer PCA eher aus dem Krankenhaus entlassen werden, was durch Studien aber noch besser untersucht werden muss.

Die Gabe von Schmerzmitteln über einen Epiduralkatheter oder peripheren Nervenkatheter kann ebenfalls patientenkontrolliert erfolgen. Damit lassen sich gezielt Schmerzen in einer bestimmten Region behandeln - während bei einer intravenösen PCA die Schmerzmedikamente im gesamten Körper wirken.

Mehr Informationen über die Studien zur PCA und deren Ergebnisse können Sie hier lesen.

Welche Nebenwirkungen haben Schmerzmittel?

Bei allen Schmerzmitteln müssen die Vorteile einer Schmerzlinderung mit den möglichen unerwünschten Wirkungen abgewogen werden. Eine zu hohe Dosis kann zu mehr unerwünschten Wirkungen führen, ist die Dosis zu niedrig, können die Schmerzen zu stark werden. Jedes Medikament kann unerwünschte Wirkungen haben. Diese hängen von der Art der Medikamente ab und in welcher Dosis sie eingenommen werden.

Per Infusion, wie bei der PCA, oder als Tabletten oder Tropfen werden oft Opioide (betäubende Schmerzmittel wie Morphin) angewendet. Zu den häufigen Nebenwirkungen der Opioide gehören Übelkeit, Erbrechen, Harnverhalt, Verstopfung oder Juckreiz. Allerdings können solche Nebenwirkungen immer auch Folgen der Operation sein. Falls sich unerwünschte Wirkungen bemerkbar machen, ist es wichtig, dies sofort der betreuenden Pflegekraft, den Ärztinnen oder den Ärzten mitzuteilen - vor allem, wenn Atembeschwerden auftreten.

Die Dosierung von Opioiden lässt sich manchmal durch die Einnahme von anderen zusätzlichen Schmerzmedikamenten wie NSAR etwas verringern. Bei diesem Vorgehen könnten einige der Nebenwirkungen von Opioiden vermindert werden.

Welche nicht-medikamentösen Behandlungen gibt es?

Bevor Sie nach einem Eingriff ein zusätzliche Schmerzmittel zu sich nehmen, können Sie ausprobieren, ob sich Ihre Beschwerden auch mit anderen Methoden lindern lassen. So kann es sein, dass Sie nach der Operation falsch liegen. Zum Beispiel schmerzt eine Operationswunde, wenn sie unter Spannung steht. Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Wunde spannt, reicht es manchmal, wenn die Pflegekräfte das Bett etwas anders einstellen oder Sie sich anders hinlegen. Es kann auch sein, dass ein Körperteil auf einer zu harten Unterlage aufliegt. Hier kann ein Kissen oder etwas Schaumstoff Abhilfe schaffen.

Andere Möglichkeiten der nicht-medikamentösen Therapie sind Ansätze wie Entspannungstechniken, Ablenkung und Musik. Krankengymnastik kann auch eine Option sein - dazu gehören Hilfen bei Übungen im Bett, beim Aufstehen und Herumlaufen oder auch Atemübungen. Eine weitere Möglichkeit ist das so genannte TENS-Gerät. Dies sorgt für eine elektrische Reizung der Nerven, die für die Weiterleitung der Schmerzen verantwortlich sind.

Informationen über die möglichen Vorteile und Nachteile dieser Verfahren werden wir ergänzen, sobald mehr wissenschaftliche Nachweise dazu verfügbar sind.

Warum ist die Schmerzbehandlung wichtig?

Niemand muss nach einer Operation "die Zähne zusammenbeißen". Schmerzen sind nicht nur sehr unangenehm, sie können auch die Genesung behindern. So ist es wichtig, nach einer Operation möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, um zum Beispiel nicht zuviel an Muskelkraft zu verlieren. Schmerzen können unter anderem daran hindern, aufzustehen und sich zu bewegen. Mangelnde Bewegung erhöht auch das Risiko für eine Thrombose (die Bildung eines Blutgerinnsels). Zudem hemmt Bewegungsmangel auch wichtige Körperfunktionen wie das Durchatmen oder Abhusten. Dies kann zu schweren Komplikationen führen.

Was passiert nach ambulanten Operationen?


Immer mehr Operationen in Krankenhäusern werden ambulant durchgeführt. Auch die Zahl der Operationen in ambulanten Praxen ist gestiegen. Nach einem ambulanten Eingriff verbleiben Patienten meist noch einige Stunden in der Praxis, können aber noch am gleichen Tag wieder nach Hause gehen. Da sie zu Hause nicht wie im Krankenhaus jederzeit eine Pflegekraft, eine Ärztin oder einen Arzt rufen können, ist hier eine gute Nachbehandlung der Schmerzen besonders wichtig. Häufig verschreiben die behandelnde Ärztin oder der Arzt Schmerzmedikamente für die Tage nach der Operation. Sie sollten auch darüber informieren, bei welcher Art von Schmerzen weitere ärztliche Hilfe nötig wird.

  • Letzte Aktualisierung: 21. März 2008 05:54
  • Erstellt am: 19. März 2008 22:19
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  • Quellen:



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