Merkblatt: Reizdarmsyndrom

Der Darm ist ein ausgesprochen kompliziertes Organ. Ausgestreckt über eine Länge von fünf Metern müssen Muskeln, Nerven- und Abwehrsystem eng zusammenarbeiten, damit einerseits Nahrung aufgenommen wird, andererseits Giftstoffe ausgeschieden und Krankheiten abgewehrt werden können.
Eines der häufigsten Darmprobleme ist das so genannte Reizdarmsyndrom (RDS). Andere Bezeichnungen für die Erkrankung sind "Nervöser Darm", "Reizkolon" oder "Colon irritabile". Die Beschwerden des RDS sind Bauchschmerzen, Verstopfung und/oder Durchfall.
Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, doch die Beschwerden können sehr schmerzhaft sein. Sie können das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer seelischen und emotionalen Belastung werden. Das Reizdarmsyndrom tritt meist bei Menschen zwischen 35 und 50 Jahren auf. Wenn man leichte Formen mitzählt, sind etwa 2 von 10 Frauen betroffen, bei Männern ist es etwa einer von 10.
Was ist die Ursache des Reizdarmsyndroms?
Die Ursache des Reizdarmsyndroms ist unbekannt, es gibt jedoch viele Theorien dazu. So nimmt man an, dass bestimmte Nahrungsmittel, Störungen der Darmmuskulatur oder psychologische Einflüsse, wie zum Beispiel seelischer Stress, mögliche Ursachen sein könnten.
Die Störung kann bereits im Magen und Dünndarm beginnen, meistens ist jedoch der Dickdarm betroffen.
Im Dickdarm findet das letzte Stadium der Verdauung statt. Hier befördert die Darmmuskulatur den anfangs noch dünnflüssigen Nahrungsbrei langsam aber stetig vorwärts. Dabei wird ihm das Wasser entzogen und die unverdaulichen Teile der Nahrung werden zu Stuhl verdickt.
Was sind die Beschwerden des Reizdarmsyndroms?
Störungen im Darm während des Verdauungsablaufs führen zu den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms. Dazu gehören:
- Schmerzen und Krämpfe im Unterleib,
- Völlegefühl,
- Blähungen,
- Durchfälle, wenn zu viel Wasser im Nahrungsbrei zurückbleibt,
- Verstopfungen, wenn der Nahrungsbrei zu lange im Darm bleibt.
Wenn Sie Schmerzen und Krämpfe im Unterleib hatten, außerdem Durchfälle und/oder Verstopfungen während mindestens zwölf Wochen des zurückliegenden Jahres, auch mit Unterbrechungen, dann ist ein Reizdarm die mögliche Ursache.
Diese Beschwerden können jedoch auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden, zum Beispiel durch eine Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit für Molkereiprodukte) oder Sprue (Zöliakie), eine Unverträglichkeit für ein Eiweiß, das in Weizen und anderen Lebensmitteln enthalten ist. Auch schwere Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Darmkrebs, können diese Beschwerden auslösen. Bei Personen unter 50 ist Darmkrebs allerdings sehr selten. Eine ärztliche Untersuchung kann andere Ursachen für die Beschwerden ausschließen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bei vielen Menschen mit RDS verringern sich die Beschwerden nach einiger Zeit von selbst. Es gibt aber auch viele Möglichkeiten, um die Beschwerden zu behandeln und die Schmerzen zu lindern. Bisher gibt es jedoch noch keine Behandlung, die in jedem Fall den meisten Menschen mit Reizdarmsyndrom hilft. Einige der Betroffenen leiden nur (oder meistens) an Verstopfungen, andere haben nur (oder meistens) Durchfälle, andere wiederum haben beides gleichzeitig. Da nicht alle Menschen die gleichen Beschwerden haben, gibt es auch keine Behandlung, die für alle wirksam ist.
Deshalb kann es sinnvoll sein, Behandlungsmaßnahmen auszuprobieren. Eine der Möglichkeiten sind krampflösende Medikamente, "Spasmolytika" genannt. Sie wirken entspannend auf die Darmmuskulatur und werden zur Schmerzlinderung bei Krämpfen angewendet.
Andere Methoden können möglicherweise Verstopfungen vorbeugen und helfen, Auslöser der Beschwerden zu vermeiden. Ihre Wirksamkeit ist jedoch derzeit nicht ausreichend belegt. Zu diesen Methoden gehören:
- Quellstoffe,
- Veränderungen in der Ernährung,
- probiotische Molkereiprodukte wie Joghurt,
- pflanzliche Mittel sowie komplementäre und/oder alternative Behandlungsmethoden, zum Beispiel Pfefferminzöl,
- körperliche Bewegung,
- Hilfe bei der Bewältigung von psychischem und emotionalem Stress.
Manche Menschen mit Reizdarmsyndrom probieren aus, ob ihnen eine Hypnosebehandlung (Hypnotherapie) hilft. Während einer Hypnosesitzung bringt die Therapeutin oder der Therapeut den Patienten dazu, sich so intensiv auf eine bestimmte Vorstellung zu konzentrieren, dass sie oder er nichts anderes mehr wahrnimmt und empfänglich wird für Gedanken, die der Therapeut ihm vorgibt. Bei der Hypnosebehandlung des Reizdarmsyndroms kann dies zum Beispiel die Vorstellung sein, einen gesunden, normal funktionierenden Darm zu haben. Es gibt Hinweise, dass die Hypnotherapie die Beschwerden bei einigen Menschen lindern kann. Mehr über die Forschung zur Wirkung dieser Behandlung beim Reizdarmsyndrom können Sie hier lesen.
Auch für die Wirkung anderer Medikamente, die gelegentlich versuchsweise zur Behandlung des Reizdarmsyndroms eingesetzt werden, gibt es noch keine ausreichenden Belege. Das gilt insbesondere für Antidepressiva. Diese Medikamente haben zahlreiche Nebenwirkungen und sind in einigen Ländern, so auch in Deutschland, für die Behandlung des Reizdarmsyndroms nicht zugelassen.
Es kann sinnvoll sein, die Wirkung verschiedener Maßnahmen zu beobachten, um herauszufinden, welche hilfreich sind, um das Auslösen von Beschwerden zu verhindern:
Welche Nahrungsmittel werden zum Beispiel besser vermieden? Reagiert der Darm auf emotionalen Stress? Lassen sich eventuell Wege finden, mit psychischen Belastungen anders umzugehen?
- Erstellt am: 04. April 2006 18:25
- Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2008 10:28
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- Quellen:
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