Merkblatt: Pilzinfektion der Mundhöhle bei Krebs und HIV/AIDS
Eine gute Mundgesundheit und genussvolles Essen sind für die meisten Menschen wichtig. Ein pelziges Gefühl im Mund, Geschmacksstörungen und Schluckbeschwerden können hingegen äußerst unangenehm sein. Eine Infektion der Mundhöhle durch Candida-Pilze kann zu solchen Beschwerden führen. Fachleute sprechen bei dieser Erkrankung auch von Mundsoor oder oraler Candidose. Eine Candidose trifft häufig Menschen, die schwere Erkrankungen haben. Sie tritt aber auch als Nebenwirkung von bestimmten Behandlungen auf. In diesem Merkblatt erklären wir, wie es bei Menschen mit Krebs oder HIV/AIDS zu einer Pilzinfektion der Mundhöhle kommen kann und welche Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung es für sie gibt.
Was ist eine orale Candidose?
Eine orale Candidose ist eine Pilzinfektion, die im Mund- und Rachenraum auftritt. Sie wird durch Hefepilze – die sogenannten Candida-Hefen – hervorgerufen, die auf den Schleimhäuten im Mund- und Rachenraum siedeln. Daher stammen auch die Bezeichnungen orale Candidose oder orale Candidiasis.
Die Erkrankung hat meist keine ernsthaften gesundheitlichen Folgen, kann aber für die Betroffenen sehr unangenehm sein. Breitet sich der Pilz beispielsweise in die Speiseröhre aus, kann dies zu Schluckbeschwerden führen. Unbehandelt kann eine Candidose der Mundhöhle Monate oder gar Jahre andauern. In seltenen Fällen können die Pilze in tiefere Gewebsschichten vordringen, das Blutsystem erreichen und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.
Wie äußert sich eine orale Candidose?
Der Mund ist ein sehr sensibles Körperteil, die Zunge ein empfindliches Tast- und Sinnesorgan für alles, was sich im Mund verändert. Der Geschmackssinn entscheidet zusammen mit dem Geruchssinn darüber, ob wir unser Essen genießen können. Und über Mund und Sprache halten wir Kontakt zu anderen Menschen. Menschen mit einer Candidose haben auch bei einer guten Mundhygiene ständig ein pelziges Gefühl im Mund, ihr Geschmackssinn verändert sich, eventuell haben sie Schmerzen oder ein Brennen auf der Zunge. Dadurch fällt es mitunter schwer, Essen und Trinken zu genießen – man fühlt sich unwohl. Eine ausgeprägte Pilzinfektion kann zudem das Schlucken erschweren. Manche Menschen essen dadurch weniger.
Warum haben Menschen mit Krebs oder HIV/AIDS häufiger eine Candidose?
Eine orale Candidose wird meist durch Krankheiten verursacht oder tritt als Nebenwirkung einer medizinischen Behandlung auf. Bei einer Krebsbehandlung ist eine Pilzinfektion der Mundhöhle eine der häufigsten unerwünschten Folgen. Eine Chemotherapie kann die Schleimhäute angreifen und das Immunsystem schwächen, wodurch sich der Pilz leichter ausbreitet. Auch eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich macht eine orale Candidose wahrscheinlicher. Mit zunehmender Behandlungsintensität steigt das Risiko für eine Pilzinfektion.
Auch Zahnprothesen, Diabetes mellitus und bestimmte Medikamente wie beispielsweise über mehrere Wochen angewandte Breitspektrum-Antibiotika können Candidosen begünstigen. Insgesamt kann eine Pilzinfektion leichter entstehen, wenn der Körper und das Immunsystem geschwächt sind. Dies kann auch alte, pflegebedürftige Menschen treffen, die wenig essen und allgemein sehr schwach sind, oder Menschen, die eine künstliche Ernährung benötigen.
Wie wird eine Candidose festgestellt?
Da eine Candidose bei Menschen mit Krebs oder HIV/AIDS häufiger auftritt, lassen sich Probleme frühzeitig erkennen, wenn ihr Mund regelmäßig inspiziert wird. Personen mit einem erhöhten Risiko können selbst den Mund im Spiegel auf Veränderungen untersuchen, etwa einen weißen Belag oder entzündete Stellen. Aber auch Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und -ärzte oder Angehörige können das übernehmen.
Bei einem erhöhten Risiko ist es wichtig, Pflegekräfte oder ärztliches Personal auf Missempfindungen oder Schmerzen im Mundraum aufmerksam zu machen. Sie können dann durch eine Untersuchung des Mundraums beurteilen, ob es sich eventuell um eine Pilzinfektion handelt. Bei einem Verdacht kann mit einem sterilen Wattetupfer ein Abstrich genommen werden. Dieser wird dann im Labor untersucht.
Gibt es Möglichkeiten, einer Pilzinfektion vorzubeugen?
Mundpflege
Für Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle wäre es gut, wenn es wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung gäbe. Tatsächlich gibt es zwar eine Reihe von Empfehlungen zur Vorbeugung, allerdings sind die Empfehlungen bislang nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. Deshalb ist es unklar, ob zum Beispiel eine besondere Form der Mundpflege einer Pilzinfektion vorbeugen kann.
Hier schildern wir verschiedene Möglichkeiten der Mundhygiene, die beispielsweise Menschen, die eine Chemo- oder Strahlentherapie machen, zur Vorbeugung einer Candidose empfohlen werden.
Wenn jemand vor einer Chemotherapie und besonders vor einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt aufsucht, können gesundheitliche Probleme wie beispielsweise Zahnfleischentzündungen erkannt und vorher behandelt werden. Auch während und nach einer solchen Tumorbehandlung ist es sinnvoll, eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt aufzusuchen.
Bei einer Chemotherapie oder Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann auch die Mundschleimhaut geschädigt werden. Dadurch wird sie allgemein anfälliger für Entzündungen und Verletzungen. Beläge und Essensreste können dann Entzündungen und einen Pilzbefall begünstigen. All dies sind Gründe, während einer Tumorbehandlung bei der Mundpflege gründlich, aber auch besonders vorsichtig zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dabei eine weiche Zahnbürste. Besonders bei der Reinigung der Zahnzwischenräume, etwa mit Zahnseide, ist es wichtig, vorsichtig zu sein und Verletzungen der Schleimhaut zu vermeiden. Viele Betroffene spülen den Mund während einer Chemo- oder Strahlentherapie auch mit speziellen Lösungen.
Bei pflegebedürftigen Menschen, die wenig essen oder trinken, ist es wichtig, die Mundschleimhaut feucht zu halten und regelmäßig Getränke anzubieten. Der Mund wird in der Regel mehrmals täglich gereinigt und Beläge entfernt. Dies soll unter anderem verhindern, dass Entzündungen entstehen und Pilze sich vermehren.
Beim Tragen einer Zahnprothese können beispielsweise ein schlechter Sitz der Prothese, eine rauhe Oberfläche, Speisereste und vor allem Beläge das Entstehen von Pilzinfektionen begünstigen. Daher ist es wichtig, die Prothese regelmäßig zu reinigen, beispielsweise mit einer Zahnbürste und speziellen Reinigungslösung.
Medikamente zur Vorbeugung einer Pilzinfektion bei Krebs
Während einer Krebsbehandlung kann es helfen, vorbeugend sogenannte Antimykotika einzunehmen. Das sind Mittel zur Behandlung von Pilzinfektionen. Sie hemmen das Wachstum von Pilzen oder töten vorhandene Pilze ab. Dadurch soll einer oralen Candidose, aber auch einer Ausbreitung auf den gesamten Körper vorgebeugt werden. Antimykotika werden vom Körper unterschiedlich aufgenommen. Man unterscheidet zwischen
- Medikamenten mit örtlicher (lokaler) Wirkung und
- Medikamenten, die im ganzen Körper (systemisch) wirken.
Darüber hinaus gibt es Mischformen. Wie Antimykotika vom Körper aufgenommen werden, hängt von der Darreichungsform und ihrer Wirkungsweise ab.
Antimykotika sind in unterschiedlicher Form erhältlich: Beispielsweise als Mundspülungen, Salben, Lutschpastillen, Säfte, Tabletten oder Infusionen. Studien zeigen, dass bestimmte, im ganzen Körper wirkende Medikamente das Risiko für Pilzinfektionen verringern können. Solche Medikamente können beispielsweise als Kapseln eingenommen oder mit einer Infusion zugeführt werden. Für Antimykotika, die nur örtlich in der Mundhöhle wirken, ist kein Nutzen nachgewiesen. Solche örtlich wirkenden Antimykotika werden beispielsweise als Salben und Mundspülungen angewendet.
Antipilzmittel können auch Nebenwirkungen haben. Sie können Kopfschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall hervorrufen. Mehr über Vor- und Nachteile einer Vorbeugung von Pilzinfektionen bei Krebs lesen Sie in der Kurzantwort „Krebs: Lässt sich während einer Krebsbehandlung einer Pilzinfektion der Mundhöhle vorbeugen?“
Medikamente zur Vorbeugung einer Pilzinfektion bei HIV/AIDS
Für viele Menschen mit HIV/AIDS sind Candidosen ein wiederkehrendes Problem. Daher ist für sie die Frage nach der Vorbeugung besonders wichtig. Fluconazol ist der einzige Wirkstoff, für den bei HIV/AIDS eine vorbeugende Wirkung nachgewiesen ist. Die Einnahme von Fluconazol-Tabletten kann das Risiko verringern, dass eine Candidose auftritt. In älteren Studien kam es ohne Vorbeugung bei etwa der Hälfte der Personen mit HIV/AIDS zu einer Pilzinfektion. Die dauerhafte Einnahme von Fluconazol senkte die Rate auf etwa ein Drittel.
Allerdings hat die dauerhafte Vorbeugung auch Nachteile. Fluconazol kann beispielsweise Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Übelkeit verursachen. Eine monatelange Einnahme kann zudem dazu führen, dass die Krankheitserreger unempfindlich (resistent) gegen die Antimykotika werden. Dies kann dazu führen, dass sie im Fall einer Behandlung nicht mehr so gut wirken. Daher wird die vorbeugende Einnahme von Fluconazol nur in Einzelfällen empfohlen.
Wie kann man eine Candidose behandeln?
Antimykotika können nicht nur vorbeugend, sondern vor allem zur Behandlung von Candidosen eingesetzt werden. Für die Therapie werden ebenfalls verschiedene Wirkstoffe und Darreichungsformen angeboten, also Mittel, die nur örtlich oder im ganzen Körper wirken. Auch Medikamente mit einem kombinierten Wirkmechanismus, die sowohl in der Mundhöhle als auch im ganzen Körper wirken, können für die Behandlung infrage kommen. Die Medikamente werden in der Regel über etwa ein bis zwei Wochen angewendet.
Die häufigsten Nebenwirkungen der systemischen Antimykotika sind vorübergehende Probleme wie Kopfschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Welches Mittel geeignet ist, hängt von der individuellen Krankheitssituation ab.
Behandlung von Candidosen bei Krebs
Wenn jemand durch eine Krebstherapie eine Candidose entwickelt, kann diese mit Antipilzmitteln behandelt werden. Dafür kommen sowohl Medikamente, die örtlich wirken, als auch solche, die über den Verdauungstrakt aufgenommen werden und im gesamten Körper wirken, infrage. Medikamente, die über den Verdauungstrakt aufgenommen wurden, sind wahrscheinlich wirksamer als Substanzen, die nur örtlich wirken. Ob bestimmte Produkte bei einer Candidose wirksamer sind als andere, lässt sich aber mangels Studien nicht beurteilen.
Behandlung von Candidosen bei HIV/AIDS
Menschen mit HIV/AIDS bekommen aufgrund ihres geschwächten Immunsystems häufig eine Candidose. Das ist für viele sehr belastend. Manche Betroffene essen aufgrund der Schmerzen im Mundbereich sehr wenig, was den Körper noch weiter schwächen kann. Es gibt verschiedene Medikamente, mit denen man Candidosen behandeln kann. Dazu zählen Fluconazol, Ketoconazol, Itraconazol und Clotrimazol. Fluconazol und Ketoconazol, die über den Verdauungstrakt aufgenommen werden, haben sich in Studien als effektiver erwiesen als Nystatin, das örtlich angewendet wird.
Mit dem Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle leben
Eine Pilzinfektion der Mundhöhle ist eine Erkrankung, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennt. Sie ist selten gefährlich, nicht unbedingt schmerzhaft, aber sehr unangenehm für die Betroffenen und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ferner besteht bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem die Gefahr, dass sich eine Pilzinfektion über den Körper ausbreitet. Daher ist es wichtig, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko wissen, dass bei ihnen Candidosen auftreten können und welche Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung es gibt. Bei möglichen Anzeichen ist es sinnvoll, mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen. Auch für Pflegekräfte, die jemanden mit einem erhöhten Risiko für eine Pilzinfektion pflegen, ist es wichtig, aufmerksam zu sein, vorzubeugen und Krankheitszeichen zu erkennen. Denn wenn eine Candidose frühzeitig erkannt wird, können die unangenehmen Folgen begrenzt und weitere gesundheitliche Probleme vermieden werden.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: April 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.
- Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2012 08:24
- Erstellt am: 17. April 2012 11:16
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Übersichten“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Übersichten aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.
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