Merkblatt: Neue Medikamente bei altersbedingter Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für eine Erblindung. Menschen mit AMD verlieren allmählich einen Teil oder ihre komplette zentrale Sehfähigkeit. Das bedeutet, sie können in der Regel nur die Umrisse von Gegenständen deutlich erkennen, nicht aber die Dinge, die sie direkt ansehen, oder die Details, auf die sie sich konzentrieren möchten. Viele Betroffene büßen schließlich den Großteil ihres Sehvermögens ein. Es stehen mittlerweile jedoch Therapien zur Verfügung, die helfen, die Schädigung der Sehkraft durch eine bestimmte Form der AMD, der "feuchten" AMD, zu mindern. Dieses Merkblatt gibt Informationen zu neuen Medikamenten, die als die wirksamsten bekannten Behandlungen dieser Augenkrankheit gelten. Mehr darüber, wie das Auge funktioniert, was bei einer AMD geschieht, und über andere Behandlungsmethoden können Sie in unserem Spezial über AMD nachlesen.

Wie schädigt die feuchte AMD das Sehvermögen?

Die feuchte AMD entsteht durch das Wachstum neuer, abnormer Blutgefäße im Auge. Diese Blutgefäße können in das Auge bluten und die Sehkraft beeinträchtigen. Im hinteren Teil des Auges befindet sich eine lichtempfindliche Schicht, die sogenannte Retina (Netzhaut). Die Retina verarbeitet die Bilder, die wir sehen, zu Signalen, die das Gehirn verstehen kann. Diese Signale werden von der Retina an den Sehnerv geleitet, der direkt hinter dem Augapfel liegt und bis in das Gehirn verläuft.

Graphik - Auge



Im Zentrum der Retina befindet sich ein wichtiger Teil des Auges, die sogenannte Makula oder der "gelbe Fleck". Die Makula hilft uns, Gegenstände zu fokussieren und uns auf Einzelheiten zu konzentrieren.

Wenn abnorme Blutgefäße die Makula schädigen, spricht man von einer "feuchten" Makuladegeneration. In den Industriestaaten ist sie die häufigste Ursache eines Sehverlusts. Wir wissen immer noch nicht genau, wodurch die AMD verursacht wird. In manchen Familien kommt diese Erkrankung nie vor, auch nicht, wenn die Menschen deutlich älter sind. Wenn ein naher Verwandter bereits eine AMD hat, steigt das eigene Risiko an. Bekannt ist auch, dass Raucher häufiger und früher davon betroffen sind als Nichtraucher.

Welche sind die neuen Medikamente gegen AMD, und wie wirken sie?

Bis vor Kurzem gab es nur ein Arzneimittel zur Behandlung der AMD, den Wirkstoff Verteporfin (Handelsname Visudyne). Es kann nur als Teil der photodynamischen Therapie eingesetzt werden. Mehr darüber können Sie hier lesen.

Mittlerweile gibt es zwei neue Medikamente, die zur Anwendung bei feuchter Makuladegeneration zugelassen sind: Dies sind die Wirkstoffe Ranibizumab (Handelsname Lucentis) und Pegaptanib (Handelsname Macugen). Beide Medikamente haben das gleiche Wirkprinzip: Sie hemmen sogenannte Wachstumsfaktoren, Stoffe, die für das Einsprießen der abnormen Blutgefäße verantwortlich sind. Allerdings können sie weder die bereits vorhandenen Blutgefäße beseitigen, noch bestehende Schäden in der Makula oder Retina reparieren. Hauptziel dieser Medikamente ist es, das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen.

Diese Medikamente lassen sich aber nicht wie normale Tabletten oder Spritzen anwenden. Sie müssen tief in das Auge gespritzt werden, was als "intravitreale Injektion" bezeichnet wird. "Intravitreal" bedeutet "in den Glaskörper des Augapfels hinein".

Dabei wird zunächst ein Betäubungsmittel (Anästhetikum) in die oberste Schicht des Auges gespritzt, getropft oder als Gel aufgebracht. Danach wird das eigentliche Medikament mit einer dünnen Nadel in das Augeninnere gespritzt. Diese Spritzen werden zuerst einmal im Monat verabreicht, danach kann das Intervall möglicherweise auf einmal alle paar Monate verlängert werden. Dies hängt aber davon ab, wie Ihre Augen reagieren. Nach einer solchen Behandlung traten in Studien bei bis zu 3 von 10 (30 %) der Patientinnen und Patienten Schmerzen durch das Spritzen auf. Allerdings waren diese Schmerzen normalerweise nicht so stark, dass sie zum Abbruch der Therapie geführt hätten.

Welche Vorteile sind von einer Behandlung mit Lucentis oder Macugen zu erwarten?

Bei manchen Menschen schädigt die AMD das Augenlicht im Laufe eines Jahres so stark, dass sie den Verlust ihrer Sehkraft selbst bemerken. Dieser lässt sich unter anderem anhand der Anzahl der Zahlen oder Buchstaben messen, die der Betroffene auf einer Standard-Sehtesttafel lesen kann. Es gibt mehrere Studien mit Lucentis und Macugen, in denen die Anzahl der erkannten Buchstaben vor der Behandlung erfasst und nach einem Jahr erneut getestet wurde. Anschließend wurden die Ergebnisse der behandelten Personen mit den Ergebnissen derjenigen Teilnehmer verglichen, die Schein-Spritzen erhalten hatten.

Beide Medikamente hatten bei einem Teil der Patientinnen und Patienten eine Verschlechterung des Sehens stoppen oder zumindest verlangsamen können. Von 100 Männern und Frauen, die eine Scheintherapie erhalten hatten, blieb bei 55 bis 68 das Sehvermögen innerhalb von einem Jahr praktisch gleich oder verschlechterte sich nicht wesentlich (55 bis 68 %). Bei 100 Männern und Frauen, die mit einem der Medikamente behandelt worden waren, waren es zwischen 70 und 96 (70 bis 96 %), deren Sehvermögen gleich blieb oder sich nicht wesentlich verschlechterte. Anders ausgedrückt konnte das Medikament bei 15 bis 32 von 100 behandelten Personen (15 bis 32 %) eine wesentliche Verschlechterung des Sehvermögens verhindern. Bei einigen Personen verbesserte die Behandlung sogar die Sehkraft.

Dieser Erhalt ihres Sehvermögens war für viele Menschen eindeutig, zum Beispiel, wenn sie weiterhin lesen konnten. Langzeitergebnisse für die meisten dieser Teilnehmer sind zwar noch nicht bekannt, einige Ergebnisse aus den nach zwei Jahren durchgeführten Messungen zeigten jedoch, dass die Vorteile anhielten.

Obwohl sich nicht mit Sicherheit sagen lässt, ob eines der beiden Medikamente wirksamer ist als das andere, fielen die Ergebnisse für die behandelten Studienteilnehmer in den Lucentis-Studien besser aus.

Welche unerwünschten Wirkungen treten auf?

Schmerzen sind nicht die einzige unerwünschte Wirkung der Medikamenten-Spritzen. Die meisten Nebenwirkungen waren durch das Spritzen und nicht durch die Wirkstoffe bedingt. Wie oft die Medikamente die Sehkraft beeinträchtigen könnten, ist bislang unklar. Genaue Angaben zu den Risiken sind insgesamt schwierig, da die Medikamente vergleichsweise neu sind. Bei etwa 1 bis 2 % der Menschen, die eine monatliche Spritze erhalten, entwickelt sich allerdings eine "Endophthalmitis". Dies ist eine ernsthafte Entzündung im Augapfel, die das Auge ernsthaft schädigen kann. Das Risiko für diese unerwünschte Wirkung steigt mit der Dosierung der verabreichten Spritzen an.

Das Spritzen von Flüssigkeit in das Auge kann den Druck im Augeninneren erhöhen. Dieser sogenannte Augeninnendruck sinkt zwar normalerweise problemlos wieder ab, könnte aber bei Patienten, die bereits einen erhöhten Augeninnendruck ("Glaukom" oder "Grüner Star") oder andere Augenprobleme haben, Schäden verursachen. Die Rate von Teilnehmern mit erhöhtem Augeninnendruck war zum Beispiel in den Gruppen, die Lucentis anwendeten, um etwa 10 % erhöht. Das bedeutet, dass sich der Augeninnendruck bei zusätzlich zehn von 100 behandelten Menschen erhöhte. Ist der Druck angestiegen, muss das Auge nach der Spritze überwacht werden, um festzustellen, ob es deshalb zusätzlich behandelt werden muss.

Zu den unerwünschten Wirkungen gehört unter anderem das Sehen sogenannter "fliegender Mücken" (in der Medizin mit dem französischen Ausdruck "mouches volantes" bezeichnet): Punkte oder Flecken, die sich bei Augenbewegungen mitbewegen. Dieses Phänomen tritt möglicherweise bei 25 % der Patienten auf. Um dies mit Sicherheit sagen zu können, sind weitere Studien notwendig.

Bei manchen Menschen könnten die Wirkstoffe auch Herz- und Kreislaufprobleme hervorrufen. Genaueres lässt sich aber erst sagen, wenn in den kommenden Jahren weitere Nachbeobachtungsergebnisse aus den Studien verfügbar werden. In der Zwischenzeit haben die Hersteller von Lucentis in den USA die Ärztinnen und Ärzte darauf hingewiesen, dass bei Dosierungen von 0,5 mg ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bestehen könnte. Geringere Dosierungen von 0,3 mg waren in den Studien zur Verringerung des Sehverlusts wirksam, und für diese Dosis wurde keine solche Sicherheitswarnung herausgegeben.

Was ist Avastin, und wirkt es ebenso gut wie Lucentis und Macugen?

Ein weiteres Medikament, das in das Auge gespritzt wird, um die Entwicklung abnormer Blutgefäße zu unterbinden, ist der Wirkstoff Bevacizumab (Handelsname "Avastin"). Dieser ist dem Wirkstoff Ranibizumab (Lucentis) zwar sehr ähnlich, aber nicht genau gleich. Avastin wurde zur Behandlung von Darmkrebs zugelassen, nicht aber zur Behandlung von AMD. Die Anwendung von Avastin zur Behandlung von AMD geschieht also außerhalb der Zulassung. In einem solchen Fall spricht man von "Off-Label-Use". Mehr über die Bedeutung der "Off-Label"-Anwendung von Medikamenten können Sie hier nachlesen. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt sollte Sie darüber informieren, was dies bedeutet.

Avastin wird bei AMD angewendet, weil es deutlich preiswerter ist als die anderen Medikamente. Kürzlich wurden die Ergebnisse der ersten Studie veröffentlicht, in der Avastin und Lucentis miteinander verglichen wurden. Dabei zeigte sich, dass die beiden Medikamente tatsächlich ähnlich wirksam sind. Allerdings führte Avastin etwas häufiger zu unerwünschten Wirkungen als Lucentis. Menschen mit AMD und Ärztinnen und Ärzte warten jetzt auf die Ergebnisse weiterer Studien, um zu sehen, ob diese Ergebnisse bestätigt werden. Derzeit laufen fünf weitere Studien zum Vergleich von Avastin und Lucentis. Diese Information wird aktualisiert, sobald die Ergebnisse veröffentlicht sind.

Kann man diese Mittel mit anderen Medikamenten und AMD- Therapien kombinieren?

Dies ist grundsätzlich möglich: Manche Menschen mit AMD wenden mehr als eine Behandlung an, kombinieren zum Beispiel die medikamentöse Behandlung mit einer photodynamischen Therapie. Allerdings wurde noch nicht ausreichend untersucht, welche Auswirkungen solche Kombinationstherapien haben. Diese Frage ist derzeit Gegenstand laufender Studien. Sobald weitere Forschungsergebnisse zu diesen und anderen Behandlungsmöglichkeiten der AMD verfügbar sind, werden wir die hier vorliegenden Informationen entsprechend ergänzen.

Mehr über andere Behandlungsoptionen sowie zu Einzelheiten über die Forschungsarbeiten zu diesen Medikamenten finden Sie hier in unserem Spezial zu AMD.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: Mai 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.


  • Letzte Aktualisierung: 14. Juli 2011 14:31
  • Erstellt am: 04. April 2008 12:47
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  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

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