Merkblatt: Brachytherapie

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In der Behandlung von Krebsgeschwulsten (bösartigen Tumoren) kommen vor allem drei Methoden zum Einsatz: Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie. Bei einer Strahlentherapie wird das Gewebe bösartiger Tumoren mithilfe von bestimmten energiereichen Strahlen zerstört. Dabei kann die Strahlenquelle außerhalb (externe Strahlentherapie) oder innerhalb des Körpers liegen (interne Strahlentherapie oder Brachytherapie). Dieses Merkblatt informiert Sie über die Methode der Brachytherapie. Informationen zur externen Strahlentherapie finden Sie in unserem Merkblatt: Externe Strahlentherapie.

Was ist eine Brachytherapie?

Bei einer Brachytherapie liegt die Strahlenquelle entweder in unmittelbarer Nähe zum Tumor oder sie wird direkt in den Tumor eingebracht. Dabei legen die Strahlen im Körper nur einen kurzen Weg zurück. "Kurz" heißt im Griechischen "brachys", deshalb wird diese Behandlung auch als "Brachytherapie" bezeichnet. Für die interne Strahlentherapie verwendet man radioaktive Stoffe als Strahlenquelle. Es können schwach und auch stärker radioaktive Stoffe eingesetzt werden.

Eine Strahlentherapie bösartiger Tumoren hat das Ziel, den Tumor zu zerstören, das benachbarte gesunde Gewebe dabei aber möglichst zu schonen. Letzteres ist das besondere Anliegen der Brachytherapie, bei der radioaktive Strahler in einem kleinen Eingriff direkt in den Tumor oder seine unmittelbare Umgebung eingesetzt werden. Dadurch sollen die Strahlen den Tumor direkt erreichen und so weniger das umliegende gesunde Gewebe schädigen. Medizinerinnen und Mediziner sind noch dabei, die verschiedenen Verfahren der Strahlentherapie zu erproben, um herauszufinden, welche Technik den Menschen wann am besten helfen kann.

Wann kann die Brachytherapie eingesetzt werden?

Ob eine Strahlentherapie und insbesondere eine Brachytherapie infrage kommt, hängt von sehr vielen Faktoren ab: Wo liegt der Tumor? Wie groß ist er? Wie weit hat er sich ausgebreitet? Welche Variante des Tumors liegt vor (zum Beispiel, um welchen Zelltyp handelt es sich)?

Möglich ist eine Brachytherapie an vielen verschiedenen Stellen des Körpers. Je nachdem, wo und wie die Strahlenquelle im Körper platziert wird, unterscheidet man drei Formen:

  • Oberflächenapplikation: Die Strahlenquelle wird direkt auf der Haut angebracht, zum Beispiel um einen Hautkrebs zu behandeln.
  • Intrakavitäre Brachytherapie: Dabei wird die Strahlenquelle in Hohlräume des Körpers wie zum Beispiel in die Gebärmutter oder die Scheide, die Speiseröhre oder die Bronchien eingebracht.
  • Interstitielle Brachytherapie: Bei dieser Form wird die Strahlenquelle in das Gewebe eingebracht, zum Beispiel in der Prostata oder der Brust. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das radioaktive Material wird in kleinen Behältern – etwa in reiskorngroßen Kapseln (Seeds) – dauerhaft ins Gewebe eingepflanzt (implantiert). Es verbleibt dort und die Strahlung nimmt im Laufe von Monaten ab. Oder die Strahlenquelle wird wiederholt nur für kurze Zeit in den Tumor eingebracht und danach wieder entfernt. Dazu ist in der Regel kein operativer Eingriff notwendig.


Wie kommt die Strahlenquelle in den Körper?

Das Einbringen einer Strahlenquelle in den Körper erfolgt meistens in mehreren Schritten. Zuerst werden ein oder mehrere Applikatoren eingesetzt. Diese Hilfsmittel für das Einbringen der Strahlenquelle können zum Beispiel dünne Röhrchen (Katheter oder Kanülen) aus Metall oder Kunststoff sein.

Dann wird in der Regel mithilfe von Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) geprüft, ob die Applikatoren an der richtigen Stelle im Körper liegen. Wenn dies der Fall ist, wird in einem weiteren Schritt die Strahlenquelle eingeführt.

Beim Nachladeverfahren (Afterloading) wird die Strahlenquelle computergesteuert von einer Art Roboter eingesetzt. Die Patienten liegen dabei allein in einem strahlendichten Raum, haben aber über Lautsprecher Kontakt mit den Ärzten und Pflegekräften. Unter Umständen wird danach noch einmal die Lage überprüft. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass das medizinische Personal nicht direkt mit der Strahlenquelle in Kontakt kommt.

Wie lange muss ich in der Klinik bleiben?

Eine Brachytherapie kann entweder ambulant erfolgen, so dass Sie am gleichen Tag wieder nach Hause gehen können, oder sie wird stationär durchgeführt und Sie bleiben wenige Tage in der Klinik.

Wie oft und für wie lange die Strahlenquelle beim Nachladeverfahren jeweils eingeführt wird, hängt unter anderem von der Art des Tumors ab. Die erforderlichen Sitzungen können sich über einen Zeitraum von einer oder mehreren Wochen erstrecken. Zwischen den Anwendungen ist es meist möglich, die Klinik zu verlassen. Meist wird die Strahlenquelle nach kurzer Zeit wieder entfernt. In seltenen Fällen kann es aber erforderlich sein, dass die Strahlenquelle beim Nachladeverfahren ununterbrochen über mehrere Stunden oder sogar Tage im Körper liegen bleibt. Dann ist es nötig, während der gesamten Behandlung in der Klinik zu bleiben.

Was spüre ich bei der Behandlung?

Erfolgt die Behandlung unter Vollnarkose, wird Ihnen zu Beginn eine Kanüle in eine Armvene gelegt, über die Medikamente für die Anästhesie zugeführt werden. Von der weiteren Behandlung bekommen Sie nichts mit und wachen erst im Aufwachraum wieder richtig aus der Narkose auf. Sie fühlen sich noch für kurze Zeit benommen und schläfrig.

Wird die Behandlung mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt, sind Sie die ganze Zeit über wach und ansprechbar. Für einige Formen der Brachytherapie ist überhaupt keine Anästhesie erforderlich.

Manchmal wird die Strahlenquelle vorübergehend von einem Applikator an Ort und Stelle gehalten. Dies kann unangenehm sein. Bitten Sie das Pflegepersonal um ein schmerzstillendes oder beruhigendes Medikament, wenn Sie es benötigen. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Ärzte über Brennen, Schwitzen und andere Beschwerden, die Sie während der Behandlung spüren, informieren.

Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

Es kann sein, dass die behandelte Stelle für einige Zeit schmerzempfindlich oder wund ist. Die meisten Menschen können schon nach wenigen Tagen ihre gewohnten Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen. Schwere unerwünschte Wirkungen treten nach einer Brachytherapie nach jetzigem Kenntnisstand nur selten auf. Es gibt aber noch keine ausreichend aussagekräftige Forschung, um genau zu sagen, wie sich dieses Verfahren langfristig auswirkt.

Falls die Therapie bei Ihnen zu Beschwerden führen sollte, können Sie sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten, welche Möglichkeiten es gibt, diese zu lindern.

Was muss ich nach dem Ende der Behandlung beachten?

Wenn Sie eine Form der Brachytherapie bekommen, bei der die Strahlenquelle nur vorübergehend eingeführt wird, geht von Ihnen in den Behandlungspausen und nach Ende der Behandlung keine Strahlung aus. Sie müssen dann keine Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit anderen Menschen einhalten. Auch wenn Ihnen eine Strahlenquelle fest eingepflanzt wurde, gibt Ihr Körper in den meisten Fällen keine nennenswerte Strahlung ab, weil die verwendeten Strahlen nur eine sehr kurze Reichweite haben.

Bei manchen Behandlungsformen kann es aber sein, dass von Ihrem Körper für einige Zeit Strahlung ausgeht. Deshalb ist manchmal ein kurzer Klinikaufenthalt auf einer Spezialstation mit Strahlenschutzvorkehrungen nötig.

Wie bei jeder anderen Form der Strahlentherapie kann es Wochen oder Monate dauern, bis die Behandlung Wirkung zeigt. Wenn diese nicht so ausfällt wie zu Beginn erhofft, können Sie zusammen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt überlegen, ob ein zusätzliches Behandlungsverfahren für Sie infrage kommt.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 07. Mai 2012 16:53
  • Erstellt am: 21. Dezember 2007 11:48
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  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    The Swedish Council on Technology Assessment in Health Care (SBU). Radiotherapy for cancer: a systematic literature review. Stockholm: SBU. May 2003. [Zusammenfassung]

    Hoskin PJ, Bownes P. Innovative technologies in radiation therapy: brachytherapy. Semin Radiat Oncol 2006; 16: 209-217.

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