Lokal begrenzter Prostatakrebs: Hat die Brachytherapie Vorteile?
Die Brachytherapie (interne Strahlentherapie) ist eine Möglichkeit zur Behandlung von Prostatakrebs im Frühstadium (lokal begrenztes Prostatakarzinom). Dabei werden radioaktive Strahler in die Prostata eingebracht, um die Krebszellen gezielt zu bestrahlen. Dieses Verfahren wird als "LDR"- (englisch: Low Dose Rate = niedrige Dosisleistung) Brachytherapie bezeichnet. Mehr zur Brachytherapie können Sie in unserem Merkblatt lesen.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine Drüse von der Größe einer Walnuss. Sie gehört zu den männlichen Fortpflanzungsorganen, liegt vor dem Enddarm und umschließt die männliche Harnröhre. Prostatakrebs ist eine Erkrankung, bei der sich Zellen des Drüsengewebes bösartig verändern. Auch wenn Krebszellen nachgewiesen werden, muss dies jedoch nicht heißen, dass die Erkrankung Beschwerden verursacht oder gar zum Tod führt. Häufig wachsen Prostatatumore nur langsam oder gar nicht und bilden keine Metastasen.
Heute wird zur Früherkennung von Prostatakrebs bei vielen Männern ein Bluttest auf das so genannte Prostata-spezifische Antigen (PSA) eingesetzt. Mit dem Test lässt sich nachweisen, ob Zellen mit bestimmten Eigenschaften in größerer Zahl vorhanden sind. Mit der Zahl der PSA-Tests steigt auch die Zahl der Männer mit der Diagnose Prostatakrebs. Es wird aber nur eine Minderheit von ihnen durch den Tumor gefährdet sein. Schätzungen besagen, dass ein lokal begrenzter Tumor bei 8 von 10 Männern mit der Diagnose Prostatakrebs weder wächst, noch sich ausbreitet und lebensbedrohlich wird. Es ist allerdings nicht möglich vorherzusagen, bei welchen Patienten der Tumor fortschreitet und bei welchen nicht.
Behandlungsmethoden bei lokal begrenztem Prostatakrebs
Für das auf die Prostata begrenzte Karzinom bestehen folgende Behandlungsmöglichkeiten:
- Aufmerksames Beobachten (auch "kontrolliertes Zuwarten" genannt): Diese Strategie berücksichtigt die Tatsache, dass das Prostatakarzinom meist nur langsam wächst oder stillsteht. Oft zeigt sich auch Jahre nach einer Diagnose noch kein Fortschreiten der Erkrankung. Bei einer Entscheidung für das aufmerksame Beobachten, die das individuelle Risiko berücksichtigt, sollte in regelmäßigen Abständen eine ärztliche Kontrolle erfolgen.
- Bestrahlung: herkömmliche Strahlentherapie, Bestrahlung von außen.
- Brachytherapie: Bei diesem Eingriff werden schwach radioaktive, reiskorngroße Kapseln (Seeds) über Hohlnadeln dauerhaft in die Prostata eingebracht. Auf diese Weise soll der Tumor gezielt bestrahlt und die umgebenden Organe (Harnblase und Enddarm) geschont werden. Der Eingriff erfolgt meistens in Vollnarkose oder örtlicher Betäubung.
- Prostatektomie: Die operative Entfernung des gesamten Organs inklusive Samenbläschen.
Brachytherapie im Vergleich
Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben den Nutzen der Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom im Vergleich zu den drei anderen Behandlungsmöglichkeiten untersucht. Um das Therapieverfahren beurteilen zu können, haben die Wissenschaftler nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und anderen guten Studien gesucht, die einen direkten und möglichst fairen Vergleich über einen längeren Zeitraum ermöglichen.
Die Wissenschaftler fanden elf Studien mit insgesamt 11.000 Teilnehmern, darunter kein RCT. Nur vier dieser Studien waren jedoch so angelegt, dass sich Veränderungen zuvor festgelegter Merkmale verfolgen ließen (prospektive Studie). Da viele der gefundenen Studien Mängel in der Durchführung aufwiesen, war es unmöglich, aus den Daten verlässliche Schlüsse zu ziehen. So kamen zum Beispiel verschiedene Brachytherapietechniken zum Einsatz, was einen direkten Datenvergleich unmöglich machte. Weder zu den langfristigen Überlebenschancen nach der Behandlung noch zu möglichen unerwünschten Wirkungen ließen sich Aussagen treffen.
Ein Vergleich der Brachytherapie mit der Methode des aufmerksamen Beobachtens war nicht möglich, da es hierzu keine Studien gab. Vergleicht man die Brachytherapie mit der konventionellen Strahlentherapie, ergeben sich Anzeichen dafür, dass die konventionelle Strahlentherapie die Enddarmfunktion stärker beeinträchtigt als die Brachytherapie. Im Vergleich zur Prostatektomie weisen die vorhandenen Studien darauf hin, dass die Brachytherapie die Sexualität der Patienten möglicherweise weniger beeinträchtigt und seltener zu Harninkontinenz führt als die operative Entfernung der Prostata.
Eine klare Aussage zu den Vor- und Nachteilen der Brachytherapie ist derzeit jedoch nicht möglich. Dies gilt auch für die Auswirkungen auf die nahe liegenden Organe sowie auf die Überlebenszeit der Patienten. Die Forscher des IQWiG empfehlen deshalb dringend, mehr und qualitativ hochwertige klinische Studien durchzuführen, um verlässlichere Aussagen insbesondere zur Überlebensdauer treffen zu können.
Hinweis
Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.
- Erstellt am: 21. Dezember 2007 11:40
- Letzte Aktualisierung: 12. November 2009 16:06
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- Quellen:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Interstitielle Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom. Abschlussbericht N04-02 Version 1.0. Köln: IQWiG. Januar 2007. [Volltext]
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