Kreuzschmerzen: Kann man mit einem Bewegungstraining Rückfällen vorbeugen?

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Regelmäßiges Bewegungstraining im Anschluss an die Behandlung von Kreuzschmerzen kann bei einem von drei Betroffenen helfen, Rückfälle zu vermeiden.

Kreuzschmerzen betreffen den unteren Rücken in der Lenden- und Kreuzbeinregion und zählen zu den häufigsten Schmerzen. Treten sie plötzlich auf, werden sie auch als „Hexenschuss“ oder „Lumbago“ bezeichnet. In den meisten Fällen bessern sich die Kreuzschmerzen innerhalb weniger Wochen von selbst, so dass die Betroffenen ihrem Alltag wieder wie gewohnt nachgehen können. Bei einigen Menschen bleiben die Rückenschmerzen aber länger bestehen und können außerdem zu Bewegungseinschränkungen und psychischen Belastungen führen.

In den meisten Fällen lässt sich keine genaue Ursache für die Kreuzschmerzen finden. Dann werden sie als „unspezifische Rückenschmerzen“ bezeichnet. Man vermutet aber, dass sowohl körperliche Ursachen als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen können.

Seltener haben die Rückenschmerzen eine spezielle Ursache, zum Beispiel Probleme an Knochen, Muskeln oder Nerven der Wirbelsäule. So können Muskelverspannungen die Nerven reizen, wodurch es zu Schmerzen kommt, die auch in andere Körperteile wie die Beine ausstrahlen können (Ischialgie). Auch Fehlbelastungen, Entzündungen oder Schäden an der Bandscheibe können Rückenschmerzen auslösen. Mehr darüber, wie die Wirbelsäule funktioniert, erfahren Sie hier.

Rückenschmerzen sind sehr individuell. Es kann sein, dass sich bei Untersuchungen keinerlei Anzeichen für ein Problem feststellen lassen und jemand dennoch Schmerzen hat – bei anderen wiederum zeigen sich in Röntgenaufnahmen zwar Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule, die Menschen haben aber keinerlei Beschwerden.

Je nach Dauer der Beschwerden unterscheidet man drei Formen von Rückenschmerzen:

  • Akute Rückenschmerzen mit einer Dauer von weniger als 6 Wochen
  • Subakute Rückenschmerzen mit einer Dauer von 6 bis 12 Wochen
  • Chronische Rückenschmerzen mit einer Dauer von mehr als 12 Wochen


Rückenschmerzen können immer wieder auftreten; viele Betroffene haben noch längere Zeit leichte Schmerzen oder nach einer beschwerdefreien Zeit erneut starke Rückenbeschwerden. Treten diese nach mindestens sechs beschwerdefreien Monaten wieder auf, spricht man von „wiederkehrenden“ oder „rezidivierenden“ Rückenschmerzen. Bei rund der Hälfte aller Betroffenen treten die Kreuzschmerzen innerhalb eines Jahres erneut auf.

In seltenen Fällen liegen den Rückenschmerzen ernste Probleme zu Grunde. Die Schmerzen können dann von anderen Symptomen wie Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen, körperlicher Schwäche, Kribbeln oder der Unfähigkeit, Urin und Stuhl zu halten, begleitet werden. Tritt eines dieser Symptome auf, ist es wichtig, umgehend ärztliche Hilfe zu suchen.

Wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorbeugen

Eine Forschergruppe der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – hat sich mit der Frage befasst, ob körperliche Bewegung wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorbeugen kann. Sie suchte nach Studien, die geprüft haben, wie gut Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining helfen, unspezifischen Kreuzschmerzen vorzubeugen. In Studien wurden Freiwillige zufällig verschiedenen Gruppen zugeteilt, die Gruppen unterschiedlich behandelt und dann verglichen. Mehr darüber, warum Studien auf diese Art und Weise durchgeführt werden, können Sie hier lesen.

Die Forschergruppe fand 9 Studien mit insgesamt gut 1500 Teilnehmenden. In den Studien wurde das Bewegungstraining jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen: In 5 der Studien trainierten die Teilnehmenden schon während der Behandlung der akuten Schmerzen; in den anderen 4 Studien begannen sie erst nach Abklingen der Beschwerden damit. In den meisten Studien wurde das Bewegungstraining von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten begleitet. Die Einheiten dauerten zwischen 15 Minuten und einer Stunde und die Teilnehmenden trainierten mehrmals pro Woche, teils mehrere Monate lang. Menschen, die Rückenschmerzen aufgrund von bekannten Ursachen hatten, wie Knochenbrüchen, Tumoren oder Infektionen, nahmen nicht an den Studien teil.

Bewegungstraining nach Behandlung hilft

Bewegungstraining nach der Behandlung

In manchen Studien nahmen die Teilnehmenden nach der Behandlung ihrer akuten Beschwerden ein gezieltes Bewegungstraining unter physiotherapeutischer Begleitung auf. Verglichen wurden sie mit einer Gruppe, die an keinem solchen Programm teilnahm. Das Ergebnis: In den ersten zwei Jahren traten durch das Training weniger Rückfälle auf. In zwei kleineren Studien testeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Programm mit regelmäßigem Bewegungstraining nach der Behandlung der akuten Beschwerden und untersuchten, wie viele der Teilnehmenden innerhalb von zwei Jahren erneut Kreuzschmerzen hatten:

  • In der Behandlungsgruppe hatten 33 von 100 Menschen erneut Kreuzschmerzen.
  • In der Gruppe ohne Training hatten 65 von 100 Menschen wieder Kreuzschmerzen.


In anderen kleinen Studien, die ein regelmäßiges Bewegungstraining nach Behandlung der akuten Beschwerden untersuchten, wurde geprüft, wie häufig Menschen krankheitsbedingt an ihrem Arbeitsplatz fehlten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass die am Trainingsprogramm Teilnehmenden genauso häufig krankheitsbedingt fehlten wie diejenigen, die nicht trainierten. Allerdings waren sie im Durchschnitt für weniger Tage krankgeschrieben.

Bewegungstraining während der Behandlung

Die Studien prüften, ob ein frühes Bewegungstraining noch während der Behandlung akuter Schmerzen längerfristig Kreuzschmerzen vorbeugen kann. Die Ergebnisse dazu sind nicht klar: Einige Studien zeigen einen Vorteil, andere wiederum nicht. Deshalb bleibt offen, ob ein spezielles Bewegungstraining während der akuten Phase längerfristig vor Rückfällen schützen kann.

Aktiv sein ist in allen Phasen wichtig

Die Ergebnisse der Studien bedeuten nicht, dass Bewegung in der frühen Phase von Kreuzschmerzen überflüssig ist. Im Gegenteil: Es ist von Anfang an wichtig, aktiv zu werden. Die Bewegung im frühen Stadium hilft, die Beschwerden zu lindern – nur ist dies möglicherweise nicht ausreichend, um auch langfristig Rückfälle zu vermeiden. Die Cochrane-Forschergruppe
vermutet, dass solche frühen Bewegungsprogramme oft nach wenigen Wochen aufgegeben werden, wenn die Beschwerden abklingen. Deshalb bewirken sie keine dauerhafte Verhaltensänderung. Genau da setzen jedoch Bewegungsprogramme an, die erst nach Abklingen der akuten Beschwerden beginnen. Und deshalb – so eine mögliche Erklärung – waren sie in den Studien effektiver. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien nicht berichtet.

Wie das ideale Bewegungsprogramm aussieht, bleibt offen. Die Entscheidung, welche Behandlung im Einzelfall angebracht ist, hängt unter anderem von der Fitness, von Begleiterkrankungen, der Stärke der Schmerzen und persönlichen Vorlieben ab.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 01. März 2012 13:13
  • Erstellt am: 04. August 2010 09:01
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Choi BKL, Verbeek JH, Tam WWS, Jiang JY. Exercises for prevention of recurrences of low-back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 1. [Cochrane-Zusammenfassung]

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