Kopf- und Halstumore: Ist eine PET-Untersuchung genauer als Standard-Untersuchungen und führt sie zu einer besseren Behandlung?

Foto mit Patientin und Arzt

Ob Krebs im Kopf- und Halsbereich durch eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder PET/Computertomografie (PET/CT) genauer diagnostiziert und Rückfälle zuverlässiger erkannt werden als mit Standard-Untersuchungen, ist bislang unklar. Auch der Einfluss auf den Behandlungserfolg kann bisher nicht eingeschätzt werden.

Das Risiko für bösartige Kopf- und Halstumore ist relativ gering: In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 29 von 100.000 Männern und ungefähr 8 von 100.000 Frauen daran. Bezogen auf die Bevölkerung sind trotzdem jedes Jahr viele Tausend Menschen von einer solchen Krebserkrankung betroffen.

Unter der Bezeichnung „Kopf- und Halstumore“ werden verschiedene Krebserkrankungen zusammengefasst, zum Beispiel Kehlkopfkrebs, Krebs des Rachenraums oder der Mundhöhle.

Manchmal wird in einem Lymphknoten des Halsbereichs ein bösartiger Tumor entdeckt, der seinen Ursprung in einem anderen Teil des Körpers hat. Die Krebszellen wurden dann über Lymphbahnen fortgeleitet und haben sich im Halsbereich angesiedelt. Der neu gewachsene Tumor wird als Metastase bezeichnet. Manchmal kann der ursprüngliche Tumor nicht gefunden werden; in diesem Fall spricht man von einem unbekannten Ersttumor, auch unbekannter Primärtumor genannt.

Untersuchungsverfahren bei Kopf- und Halstumoren

Je nachdem wo der Tumor auftritt, kann er verschiedene Beschwerden verursachen. Ein Kehlkopftumor kann sich zum Beispiel durch Heiserkeit oder Kurzatmigkeit bemerkbar machen. Die Symptome können teilweise recht allgemein sein.

Besteht der Verdacht auf einen Tumor im Kopf- und Halsbereich, werden neben der körperlichen Untersuchung und der Erfassung der Krankheitsgeschichte zunächst bildgebende Verfahren eingesetzt, um einen eventuellen Tumor zu entdecken oder seine Ausbreitung festzustellen. Bei Metastasen im Halsbereich kann das Ziel auch sein, den Ersttumor zu entdecken. Zu den bildgebenden Verfahren gehören üblicherweise eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie), eine Computertomografie (CT) und / oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), auch Kernspintomografie genannt. Außerdem wird eine Gewebeprobe entnommen, um festzustellen, ob es sich um Krebsgewebe handelt.

Die PET wird bislang nicht routinemäßig bei der Untersuchung von Kopf- und Halstumoren eingesetzt.

Das Besondere an der PET: Man kann auf Bildern sichtbar machen, wie aktiv der Stoffwechsel in den verschiedenen Geweben des Körpers ist. Zellen oder Gewebe, die viel Energie verbrauchen und eine hohe Stoffwechselrate haben, dazu zählen auch Tumorgewebe, lassen sich so erkennen. Zudem lässt sich auf einer CT- oder MRT-Aufnahme oft nicht zwischen neuem „aktivem“ Tumorgewebe und Resten von „inaktivem“ Tumorgewebe unterscheiden, das durch eine Bestrahlung bereits abgetötet wurde. Diese Unterscheidung könnte zum Beispiel helfen, die Wirkung von Therapien schneller beurteilen zu können.

Wie eine PET-Untersuchung funktioniert, können Sie hier genauer lesen.

Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, CT und PET in einem Gerät zu kombinieren, eine sogenannte PET/CT. Dabei werden die anatomischen Informationen der Computertomografie mit den Stoffwechselinformationen aus der PET verknüpft. Ärztinnen und Ärzte erhoffen sich von dieser neuen Gerätetechnik, dass sie bereits sehr kleine Tumoren finden kann.

Wie der Nutzen der PET und PET/CT untersucht wird

Für Menschen mit Kopf- oder Halstumoren stellt sich die Frage, ob sie von einer Untersuchung mit einem Positronen-Emissions-Tomografen oder einem PET/CT profitieren könnten. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – der Herausgeber dieser Website – hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Basel Studien zu dieser Frage ausgewertet.

Vorrangiges Ziel der Auswertung war es herauszufinden, ob Menschen mit einem Kopf- und Halstumor von einer PET- oder PET/CT-Untersuchung profitieren, indem sich durch das Ergebnis letztlich die Behandlung verbessert.

Randomisierte kontrollierte Studien liefern die aussagekräftigsten Ergebnisse

Für Menschen mit Kopf- und Halstumoren ist bei einer neuen Untersuchungsmethode die eigentlich wichtige Frage, ob das Ergebnis auch Einfluss auf die Behandlung und ihren Erfolg hat. Denn eine zusätzliche Untersuchung ist nur dann medizinisch sinnvoll, wenn sie auch zu einer besseren Behandlung führen kann.

Diese Frage kann man mit sogenannten randomisierten kontrollierten Studien klären. Es gibt unterschiedliche Wege, eine solche Studie durchzuführen. Eine Möglichkeit ist, die freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehrere Gruppen aufzuteilen. Bei einer Gruppe wird daraufhin beispielsweise eine Computertomografie gemacht, in der anderen Gruppe eine Positronen-Emissions-Tomografie oder eine Kombination aus beiden Verfahren. Daraufhin werden die Patientinnen und Patienten ihrem Untersuchungsergebnis entsprechend behandelt. Am Ende der Studie werden dann die Behandlungsergebnisse beider Gruppen verglichen. So lässt sich herausfinden, ob sich eine der beiden Untersuchungen besser dazu eignet, eine erfolgreiche Behandlung zu finden. In der Wissenschaft gelten solche Studien inzwischen als der beste Weg, um medizinische Diagnose- und Therapieverfahren zu prüfen. Mehr dazu, wie randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt werden, können Sie hier lesen.

Nutzen einer PET oder PET/CT für Menschen mit Kopf- und Halstumoren ist unklar

Die Auswirkungen einer PET oder PET/CT auf den Behandlungserfolg und damit der Nutzen der Untersuchungsmethode für Betroffene sind nach der Auswertung der vorhandenen Forschungsergebnisse aber nicht genau abschätzbar: Die Wissenschaftlergruppe fand keine einzige randomisierte kontrollierte Studie zur PET oder PET/CT bei Kopf- und Halstumoren.

Lediglich eine weniger aussagekräftige Vergleichsstudie hatte das Ziel, den unmittelbaren Nutzen des Verfahrens für Menschen mit Kopf- und Halstumoren zu untersuchen: Sie prüfte, ob Menschen nach einer PET-Untersuchung länger ohne Rückfälle blieben als Menschen, bei denen die PET-Untersuchung nicht durchgeführt wurde. Diese Studie war mit 102 Teilnehmerinnen und Teilnehmern jedoch relativ klein und hatte auch methodische Schwächen. Zudem traten insgesamt nur 10 Rückfälle auf, 6 bei Menschen nach einer PET und 4 bei Menschen, die keine PET hatten. Solche geringen Unterschiede können leicht durch Zufall zustande kommen und lassen keine sicheren Schlüsse zu.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prüften zusätzlich, ob eine PET- oder PET/CT-Untersuchung zuverlässigere Ergebnisse liefert als eine CT-Untersuchung. Um die Genauigkeit einer Untersuchung einzuschätzen, benötigt man sogenannte diagnostische Studien, die unterschiedliche Untersuchungsverfahren miteinander vergleichen. So kann man zum Beispiel prüfen, ob eine PET-Untersuchung die Größe und Lage eines Tumors genauer bestimmen kann als eine CT-Untersuchung und damit verlässlichere Ergebnisse liefert.

Das Ergebnis: Die Genauigkeit der PET und PET/CT im Vergleich zu anderen Untersuchungsmethoden wurde zwar in einer Reihe von diagnostischen Studien geprüft. Solche Studien eignen sich aber nicht, um den Nutzen des Untersuchungsverfahrens für Menschen mit einer Erkrankung zu untersuchen. Zudem waren viele dieser Studien mit verschiedenen methodischen Problemen behaftet. In einigen Situationen bleibt fraglich, ob der Einsatz von PET und PET/CT für Patienten einen Vorteil hat, selbst wenn Tumore gefunden werden, die mit anderen Methoden nicht entdeckt wurden. Das trifft zum Beispiel auf Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen zu, bei denen Tumorabsiedlungen im Kopf- und Halsbereich gefunden wurden, man aber den ursprünglichen Tumor mit anderen Methoden nicht aufspüren konnte. Solche unbekannten Ersttumore lassen sich dann möglicherweise mit einer PET und PET/CT finden. Inwiefern dies für Patientinnen und Patienten positive Auswirkungen auf Behandlung und Prognose hat, bleibt allerdings eine offene Frage.

Insgesamt sind also bislang keine sicheren Aussagen zu den Vor- und Nachteilen der PET- und PET/CT-Untersuchung bei Kopf- und Halstumoren möglich.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.


  • Letzte Aktualisierung: 18. August 2011 12:09
  • Erstellt am: 02. August 2011 08:07
  • Quellen:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Positronenemissionstomographie (PET) und PET/CT bei Kopf- und Halstumoren. Abschlussbericht D06-01B. Version 1.0. Köln: IQWiG. Februar 2011. [Volltext]

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