Kleinkinder mit hohem Allergierisiko: Könnte präbiotische Babynahrung vorbeugen?
Säuglinge haben relativ häufig Allergien, wobei ihr Risiko stark von den Genen abhängt: Es sind bis zu 7 von 10 Babys betroffen, deren beide Eltern eine Allergie haben. Zum Vergleich: Kleinkinder, die keine engen Verwandten mit Allergien haben, entwickeln nur in einem von 10 Fällen selbst eine Allergie. Mit Lebensmittel-Hypersensitivitäten hat etwa eins von 20 Kindern unter drei Jahren zu tun. Bei einer Lebensmittel-Hypersensitivität können die Beschwerden entweder durch eine allergische Reaktion hervorgerufen werden oder der Körper reagiert auf eine andere Weise überempfindlich auf ein Lebensmittel.
Eine Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Lebensmitteln verschwindet bei vielen jedoch bis zum zehnten Lebensjahr wieder. Bei anderen stellt die überempfindliche Reaktion auf einige Nahrungsmittel der Anfang von einigen Allergien dar, die sie im Laufe ihrer Kindheit entwickeln.
Allergien können entstehen, wenn ein Baby gegen bestimmte Nahrungsmittel eine Überempfindlichkeit entwickelt, an der das Immunsystem beteiligt ist. Dies nennt man auch "Sensibilisierung". Eine Sensibilisierung gegen ein Nahrungsmittel bedeutet, dass schon winzige Mengen dieser Kost bei dem Kind eine allergische Reaktion auslösen können. Man vermutet, dass eine solche Überempfindlichkeit im Magen-Darm-Trakt entstehen könnte und bestimmte Darmbakterien daran beteiligt sind. Eine Sensibilisierung kann auch durch Substanzen in der Atemluft, wie zum Beispiel Pollen, ausgelöst werden. Bei Säuglingen werden Allergien aber in der Regel durch eine Überempfindlichkeit gegen Nahrungsmittel ausgelöst.
Lebensmittel-Hypersensitivitäten und Allergien führen manchmal zu trockener, geröteter und juckender Haut ("atopisches Ekzem"), Magenbeschwerden oder Atemproblemen. Wenn ein Kind mit einer Allergie "pfeifend" atmet, auch wenn es nicht erkältet ist, könnte dies ein Hinweis auf Asthma sein. Mehr über Asthma bei Kindern können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.312.de.html) lesen. Die wirksamste bekannte Maßnahme zur Vorbeugung von Allergien ist nach wie vor das Stillen. Es ist aber nicht allen Müttern möglich, ihr Kind zu stillen. Manche probieren daher milchfreie Babynahrung aus, zum Beispiel mit Soja. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, ob diese Produkte hilfreich sind. Mehr darüber erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.38.de.html) .
Teilweise wird Säuglingsnahrung mit bestimmten Zusätzen ergänzt - in der Hoffnung, dass sie helfen, Allergien und Lebensmittel-Hypersensitivitäten vorzubeugen. Einer der Zusätze, die heute in manchen Produkten verwendet werden, sind die sogenannten Präbiotika (englisch "prebiotics"). Dabei handelt es sich nicht um Bakterien wie bei den Probiotika, sondern um bestimmte Substanzen, die vom Körper nicht verdaut werden können und daher unbeschadet in den Darm gelangen. Es wird vermutet, dass sie dort die Entwicklung von gesundheitsförderlichen Bakterien, einschließlich Milchsäurebakterien, anregen und dadurch anderen Bakterien entgegenwirken, die Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten auslösen können.
Babys, die gestillt werden, haben deutlich mehr Milchsäurebakterien im Darm als Babys, die mit Säuglingsnahrung gefüttert werden. Dies ist einer der Gründe, warum man vermutet, dass das Stillen vor Allergien und Lebensmittel-Hypersensitivitäten schützen kann. Eine Art von Präbiotika, mit der Säuglingsnahrung angereichert wird, sind die sogenannten Oligosaccharide, eine Form von Kohlenhydraten (Zucker oder Stärke).
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben die vorhandenen Studien zu präbiotischer Babynahrung ausgewertet. Sie wollten wissen, ob solche Präparate Allergien und Lebensmittel-Hypersensitivitäten vorbeugen können und ob sie unerwünschte Wirkungen haben. Die Wissenschaftler fanden zwei Studien, in denen die Wirkung von Präbiotika auf Allergien und Lebensmittel-Hypersensitivitäten untersucht wurde. Insgesamt nahmen etwas mehr als 400 Babys daran teil. Zwischen den beiden Studien gab es deutliche Unterschiede: Zum Beispiel nahmen an einer Studie nur Babys mit einem hohen Allergierisiko teil. Aus solchen Gründen ist mehr Forschung nötig, um verlässliche Aussagen über die Wirkung präbiotisch angereicherter Säuglingsnahrung machen zu können.
In einer der beiden Studien entwickelten Babys, die präbiotisch ergänzte Nahrung bekommen hatten, etwas seltener einen Hautausschlag als Babys, die normale Babynahrung bekamen. In der anderen Studie, an der Babys ohne besonderes Allergierisiko teilgenommen hatten, zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Kostformen.
Keine Studie dauerte lange genug, um die Langzeitwirkung oder mögliche unerwünschte Wirkungen von präbiotischer Säuglingsnahrung untersuchen zu können. Das bedeutet, es ist weitere Forschung erforderlich, um auszuschließen, dass solche Nahrungsergänzungsmittel nicht selbst Lebensmittel-Hypersensitivitäten auslösen. Die Wissenschaftler folgern aus ihrer Auswertung, dass sich weitere Forschung über Präbiotika zwar lohnen würde - nach wie vor sei jedoch das Stillen die beste bekannte Möglichkeit, Babys zu ernähren.
- Erstellt am: 24. April 2008 15:46
- Letzte Aktualisierung: 11. Juni 2008 16:54
- Quellen:
Fiocchi A, Assa'ad A, Bahna S for the Adverse Reactions to Foods Committee of the American College of Allergy, Asthma and Immunology. Food allergy and the introduction of solid foods to infants: a consensus document. Ann Allergy Asthma Immunol 2006; 97: 10-21. [PubMed-Zusammenfassung (URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16892776?ordinalpos=2&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_RVDocSum) ]
Kramer MS, McGill J, Matush L, Vanilovich I et al. Effect of prolonged and exclusive breast feeding on risk of allergy and asthma: cluster randomised trial. BMJ 2007; 335: 815. [Volltext (URL: http://www.bmj.com/cgi/content/full/335/7624/815 ) ]
Osborn DA, Sinn JK. Prebiotics in infants for prevention of allergic disease and food hypersensitivity. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.cochrane.org/reviews/de/ab006474.html) ]