Karpaltunnelsyndrom: Sind Kortison-Injektionen wirksam?

Kortison, das direkt ins Handgelenk gespritzt wird, kann durch ein Karpaltunnelsyndrom hervorgerufene Beschwerden kurzfristig lindern. Zwei Injektionen führen vermutlich zu keinem besseren Ergebnis als eine.

Ein Karpaltunnelsyndrom tritt auf, wenn ein Nerv im "Karpaltunnel" des Handgelenks, durch den die Nerven verlaufen, durch das umgebende Gewebe eingeengt wird. Dies führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in der betroffenen Hand. Häufig kann man die Hand auch schlechter bewegen. Zwar verschwindet ein Karpaltunnelsyndrom oft von alleine, in manchen Fällen kann es jedoch auch ernsthafte und lang anhaltende Beschwerden verursachen. Mehr dazu, wie man die Anzeichen eines Karpaltunnelsyndroms erkennt, lesen Sie hier. Wie die Hand aufgebaut ist und funktioniert, erfahren Sie hier.  

Eine gängige Behandlung ist es, die Hand während der Nacht in einer Schiene ruhigzustellen. Einige Betroffene nehmen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente ein. In manchen Fällen raten Ärztinnen und Ärzte zu einer Operation der Hand.

Eine andere häufig eingesetzte Behandlung zur Linderung der Beschwerden ist das Spritzen von Kortikoiden (oft als "Kortison" bezeichnet) in den Bereich des Karpaltunnels. Es handelt sich um ein synthetisches Hormon, das abschwellend wirkt und Entzündungen unterdrückt. Dies wird als "lokale" Injektion bezeichnet, da direkt in den betroffenen Bereich gespritzt wird. Diese Form der Behandlung wird üblicherweise angewandt, wenn die Beschwerden nicht zu schwerwiegend sind.

Wirkung von Kortikoid-Spritzen im Vergleich

Forscher der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – haben die Ergebnisse sogenannter randomisierter kontrollierter Studien geprüft, um festzustellen, wie wirksam lokale Kortikoid-Spritzen sind. Wie solche Studien durchgeführt werden und warum sie die aussagekräftigsten Ergebnisse liefern, erfahren Sie hier.

Die Cochrane-Forscher suchten nach Studien, die diese Injektionen entweder mit anderen nicht-chirurgischen Behandlungen oder mit Injektionen ohne Wirkstoff (Plazebo) verglichen haben. Die Forscher wollten in Erfahrung bringen, wie oft die schmerzlindernde Wirkung der Lokalinjektionen auftrat und wie lange sie anhielt. Sie untersuchten auch, wie die Spritzen im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten abschnitten.

Die Forscher werteten insgesamt 12 Studien mit mehr als 650 Teilnehmenden aus. Bei einer Untersuchung vier Wochen nach der Injektion zeigten zwei Studien, dass Kortikoid-Injektionen die Beschwerden stärker verringert hatten als Plazebo-Spritzen. Eine andere Studie kam zu dem Schluss, dass eine Injektion ebenso wirksam war wie zwei Injektionen derselben Dosis. Die Spritzen waren im Abstand von acht Wochen gegeben worden.

Eine weitere Studie zeigte Hinweise darauf, dass die lokalen Injektionen kurzfristig ähnlich wirkten wie die Einnahme von Kortikoid-Tabletten. Mittelfristig, gemeint ist ein Zeitraum von bis zu 3 Monaten, erschienen die Spritzen aber als wirksamer. Eine aktuelle Analyse legt allerdings nahe, dass der Vorteil der Spritzen langfristig nicht anhält: Nach 20 Monaten hatten die Betroffenen, die eine Injektion bekamen, nicht weniger Beschwerden als diejenigen, die Tabletten einnahmen. Eine andere Studie verglich eine lokale Injektion mit einer "systemischen" Injektion. Systemisch bedeutete in diesem Fall, dass sie in einen Muskel und nicht direkt in den Karpaltunnel gespritzt wurde. Das Ergebnis fiel zugunsten der lokalen Injektion aus. Zwei Studien zeigten keinen Unterschied zwischen lokalen Kortikoid-Injektionen und anderen Behandlungen, einschließlich entzündungshemmender Medikamente in Kombination mit Handgelenksschienen. Um sichere Ergebnisse zu der Frage zu erhalten, ob andere Behandlungen die Beschwerden besser oder länger verringern, ist jedoch weitere Forschung notwendig.

Langfristige Wirkung unklar

Einige Studien verglichen die langfristige Wirkung lokaler Injektionen mit Plazebos. Sie waren allerdings von schlechter Qualität und führten zu widersprüchlichen Ergebnissen. Die langfristige Wirkung von Behandlungsmöglichkeiten des Karpaltunnelsyndroms ist im Rahmen von Studien schwierig zu untersuchen. Ein Grund: Forscher setzen bei langfristigen Studien nur ungern Plazebos ein. Deshalb liegen keine guten Langzeitstudien vor, die eine Kortikoidbehandlung mit einer Plazebotherapie vergleichen.

Einige hochwertige Studien zeigen zwar, dass im Vergleich zu einer Plazebotherapie lokale Kortikoid-Injektionen kurzfristig Schmerzen, die durch ein Karpaltunnelsyndrom bedingt sind, lindern können. Es sind jedoch weitere Forschungen nötig, um festzustellen, ob andere Behandlungen die Beschwerden kurz- oder langfristig wirksamer lindern könnten. Auch fehlen Informationen zu möglichen unerwünschten Wirkungen von Kortikoid-Injektionen. Sie wurden in den Analysen nicht gezielt untersucht. Sobald solche Auswertungen vorliegen, werden wir die Ergebnisse an dieser Stelle ergänzen.

Mehr zum Thema Karpaltunnelsyndrom: hier

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen


  • Letzte Aktualisierung: 03. September 2010 09:21
  • Erstellt am: 30. Oktober 2007 15:32
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Huisstede BM, Hoogvliet P, Ransdorp MS, Glerum S, van Middelkoop M, Koes BW. Carpal Syndrome. Part 1: Effectiveness of nonsurgical treatments – a systematic review. Arch Phys Med Rehabil 2010; 91: 981-1004. [PubMed-Zusammenfassung]

    Marshall S, Tardif G, Ashworth N. Local corticosteroid injection for carpal tunnel syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. [PubMed-Zusammenfassung]

Hierzu passende Themenbereiche:

Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:

Bewertet durch

„Relevant, objektiv und unabhängig“

Links zum Glossar

Sollen die Glossarbegriffe verlinkt werden?

Nutzerbefragung

Bewerten Sie unsere Webseite.