Karies: Hilft eine Zahnversiegelung bei Kindern und Jugendlichen?

Geschwister lachend

Eine vorbeugende Versiegelung der Backenzähne kann das Risiko für Karies deutlich verringern.

Backenzähne mit tiefen Grübchen oder Furchen in der Kaufläche sind besonders anfällig für Karies, weil sich in diesen so genannten Fissuren leicht Bakterien festsetzen können. Kinder und Jugendliche bekommen besonders häufig Karies, unter anderem weil der Zahnschmelz der neuen Backenzähne noch nicht vollständig ausgereift und damit anfälliger für schädigende Einflüsse ist. Essen sie zu viel Süßes und putzen sie ihre Zähne nicht ausreichend, erhöht dies das Risiko für Karies.

Zur Vorbeugung bieten Zahnärztinnen und Zahnärzte vor allem für bleibende Backenzähne eine schmerzlose „Fissurenversiegelung“ an, bei der die Furchen meist mit einem Kunststoffmaterial abgedeckt werden. Dadurch soll die Ansiedlung von Bakterien verhindert werden. Es stehen verschiedene Kunststoffmaterialien zur Verfügung. Einige setzen Fluorid frei, andere nicht. Mehr zum Behandlungsablauf können Sie unserem Merkblatt entnehmen.

Studien zur Zahnversiegelung

Um den Nutzen der Behandlung beurteilen zu können, haben Wissenschaftlerinnen der Cochrane Collaboration die zur Verfügung stehenden Studien systematisch ausgewertet. Die Forscherinnen fanden 16 Studien, in denen moderne Versiegelungsmaterialien getestet wurden. Teilgenommen haben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen etwa 5 und 16 Jahren. In einem Teil der Studien wurden versiegelte und unbehandelte Zähne miteinander verglichen. Dies erprobten die Forscherinnen und Forscher beispielsweise, indem sie bei den Kindern nur die Zähne auf einer Kieferseite versiegelten, die Zähne der anderen Seite aber unbehandelt ließen. Zehn Studien verglichen verschiedene Versiegelungsmaterialien miteinander.

Dieser Vergleich liefert Argumente für den Nutzen der Fissurenversiegelung. Nach vier bis fünf Jahren waren auf der versiegelten Seite des Mundes nur etwa halb so viele Backenzähne von Karies betroffen wie auf der unversiegelten Seite. In einer Studie wurden Kinder neun Jahre nachbeobachtet. Eine Gruppe bekam eine Versiegelung, die andere nicht. Nach neun Jahren waren nur 27 % der versiegelten Zähne von Karies betroffen – im Gegensatz zu 77 % der unversiegelten Zähne.

Vorraussetzung für den Erfolg ist aber, dass die Schutzschicht möglichst lange hält. Nach einem Jahr waren 80 bis 90 % der Versiegelungen noch intakt. Nach vier bis fünf Jahren waren es noch 50 bis 70 %. Versiegelungen auf Kunststoffbasis hielten länger als sogenannte Glas-Ionomer-Zemente. Das heißt, dass Versiegelungen mit Glas-Ionomer-Zementen häufiger ersetzt werden mussten.

Ob ein bestimmtes Material bei einer intakten Versiegelung besonders gut vor Karies schützt, bleibt offen. Über unerwünschte Wirkungen geben die Studien keine Auskunft. Die heute eingesetzten Materialien gelten als gesundheitlich unbedenklich; in seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten. Es ist sinnvoll, Zahnversiegelungen regelmäßig durch die Zahnärztin oder den Zahnarzt kontrollieren zu lassen, um Schäden an der Schutzschicht rechtzeitig zu erkennen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 26. Oktober 2011 12:45
  • Erstellt am: 17. März 2006 20:12
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.


    Ahovuo-Saloranta A, Hiiri A, Nordblad A, Mäkelä M, Worthington HV. Pit and fissure sealants for preventing dental decay in the permanent teeth of children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. [PubMed-Zusammenfassung]

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