Karies bei Kindern und Jugendlichen: Können fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte vorbeugen?

Foto von Familie beim Zähneputzen

Fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte, vor allem Zahnpasta, bewahren Kinder wirksam vor faulen Zähnen und Zahnverlust.

Karies ist schmerzhaft und kann ein ganzes Gebiss ruinieren. Seit längerem ist bekannt, dass Zähne durch Fluorid widerstandsfähiger werden. Das ist der Grund, weshalb vielen Zahnpflegeprodukten Fluorid in kleinen Mengen beigemischt wird. Natürlicherweise kommt das Mineral zum Beispiel in Trinkwasser, Mineralwasser und schwarzem Tee vor. In einigen Ländern wird es auch dem Trinkwasser zugesetzt. Es gibt in Deutschland auch mit Fluorid angereichertes Salz sowie Fluoridtabletten.

Allerdings kann Fluorid bei Kindern auch Nachteile haben. Wenn sie zu große Mengen davon zu sich nehmen, können "von innen" wirkende Fluoride das Wachstum der zweiten Zähne stören. Das passiert vor allem dann leicht, wenn sie Produkte wie Zahnpasta oder Gele, die eigentlich zum Auftragen gedacht sind, verschlucken. Ein typisches Zeichen für diese Störung sind weiße, gelbliche oder braune Flecken oder Oberflächenschäden im Zahnschmelz der zweiten Zähne, so genannte Fluorosen.

Eine systematische Zusammenfassung der wissenschaftlichen Studien zeigt, dass der Nutzen fluoridhaltiger Produkte mittlerweile sehr gut belegt ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration fanden mehr als 130 Studien, in denen insgesamt mehr als 65.000 Kinder im Alter zwischen fünf und 16 Jahren verschiedene fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte erprobt haben. Fluoridmittel zum Einnehmen gehörten jedoch nicht dazu. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nur die Wirkungen der Fluoridprodukte auf die zweiten, bleibenden Zähne betrachtet.

Es zeigte sich, dass Kinder, die Fluorid in Form von Zahnpasta, Mundspülungen, Gels oder Zahnlacken anwendeten, insgesamt weniger Zahnprobleme wie Karies, mit einer Füllung reparierte oder gezogene Zähne hatten. Der Vorteil war bei den Kindern am größten, die zum Beispiel beim Zähneputzen beaufsichtigt worden waren. Die Studien lassen aber offen, wie oft fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte unerwünschte Wirkungen haben.

Hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.96.de.html) können Sie nachlesen, wie fluoridhaltige Zahnpasta im Vergleich zu anderen fluoridhaltigen Produkten wie Gelen, Mundspülungen und Zahnlacken abschneidet.

Fluorid-Präparate sind kein Ersatz fürs Zähneputzen. Mehr darüber, wie man seine Zähne pflegt und lange gesund erhält, können Sie in unserem Spezial (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/zahne.183.56.html) lesen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 11. Dezember 2009 14:56
  • Quellen: Marinho VCC, Higgins JPT, Logan S, Sheiham A. Topical fluoride (toothpastes, mouthrinses, gels or varnishes) for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD002782/frame.html) ]

    Salanti G, Marinho V, Higgins JP. A case study of multiple-treatments meta-analysis demonstrates that covariates should be considered. J Clin Epidemiol 2009; 62: 857-864. [PubMed-Zusammenfassung]