Karies: Welche Fluorid-Präparate schützen am besten?

Das tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta kann Kinder und Jugendliche ebenso gut vor Karies schützen wie fluoridhaltige Mundspülungen und Gele, die auf die Zähne aufgetragen werden.
Karies ist nach wie vor ein häufiges Gesundheitsproblem besonders bei Kindern. Seit längerem ist bekannt, dass Zähne durch Fluorid widerstandsfähiger werden. Das ist der Grund, weshalb Fluorid vielen Zahnpasta-Sorten in kleinen Mengen beigemischt wird. Natürlicherweise kommt das Mineral zum Beispiel in Trinkwasser, Mineralwasser und schwarzem Tee vor. In einigen Ländern wird es auch dem Trinkwasser zugesetzt. Es gibt in Deutschland auch mit Fluorid angereichertes Salz sowie Fluoridtabletten.
Allerdings kann Fluorid bei Kindern auch Nachteile haben. Wenn sie zu große Mengen davon zu sich nehmen, können "von innen" wirkende Fluoride das Wachstum der zweiten Zähne stören. Das passiert vor allem dann leicht, wenn sie Produkte wie Zahnpasta oder Gele, die eigentlich zum Auftragen gedacht sind, verschlucken. Ein typisches Zeichen für diese Störung sind weiße, gelbliche oder braune Flecken oder Oberflächenschäden im Zahnschmelz der zweiten Zähne, sogenannte Fluorosen.
Vor diesem Hintergrund diskutieren Fachleute, wie der beste Schutz der Zähne vor Karies aussehen sollte. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Zähne zu schützen. Eine davon ist die Zahnversiegelung; darüber können Sie hier mehr lesen. Eine andere häufig eingesetzte Methode ist der Einsatz fluoridhaltiger Produkte. Dazu gehören viele Sorten Zahnpasta, Mundspülungen und Gele, die man selbst anwendet. Außerdem gibt es Gele und Zahnlacke, die in der Zahnarztpraxis aufgetragen werden. Die Idee dahinter ist, dass dort besser kontrolliert werden kann, dass man die Mittel nicht versehentlich verschluckt.
Wie geeignet sind welche fluoridhaltigen Produkte zur Vorbeugung von Karies? Um diese Frage zu beantworten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration insgesamt 15 Studien ausgewertet, in denen verschiedene Fluoridpräparate miteinander verglichen wurden. Fluoridmittel zum Einnehmen gehörten nicht dazu. An fast allen Studien nahmen Kinder zwischen 12 und 14 Jahren teil. Meist verglichen die Studien Kinder, die eine normale Zahnpasta verwendeten, mit Kindern, die besondere Fluoridpräparate einsetzten. Forschungsergebnisse zu direkten Vergleichen zwischen zwei Präparaten wie etwa Fluoridlack mit Fluoridgel reichen bislang nicht aus, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nur die Wirkungen der Fluoridprodukte auf die zweiten, bleibenden Zähne betrachtet. Das wichtigste Ergebnis ist, dass fluoridhaltige Zahnpasta gegen Karies ebenso wirksam ist wie Mundspülungen und Zahngele. Für Zahnlacke, die in der Zahnarztpraxis aufgetragen werden, fehlen bislang zuverlässige Belege, dass sie besser wirken als Zahnpasta, Mundspülungen oder Gele.
Die Studien geben allerdings nicht ausreichend Auskunft über unerwünschte Wirkungen wie etwa über die Häufigkeit von Fluorosen.
In einer anderen Cochrane-Forschungsarbeit haben dieselben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden, dass eine Kombination verschiedener fluoridhaltiger Mittel keinen großen zusätzlichen Nutzen hat.
Fluorid-Präparate sind kein Ersatz fürs Zähneputzen. Mehr darüber, wie man seine Zähne pflegt und lange gesund erhält, können Sie in unserem Spezial lesen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 11. Dezember 2009 15:00
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Marinho VCC, Higgins JPT, Sheiham A, Logan S. One topical fluoride (toothpastes, or mouthrinses, or gels, or varnishes) versus another for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 1. [Cochrane-Zusammenfassung]
Marinho VCC, Higgins JPT, Sheiham A, Logan S. Combinations of topical fluoride (toothpastes, mouthrinses, gels, varnishes) versus single topical fluoride for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 1. [Cochrane-Zusammenfassung]Salanti G, Marinho V, Higgins JP. A case study of multiple-treatments meta-analysis demonstrates that covariates should be considered. J Clin Epidemiol 2009; 62: 857-864. [PubMed-Zusammenfassung]
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