Akute Atemwegsinfektionen: Können Umckaloabo oder Kaloba die Beschwerden lindern?
Es gibt schwache Hinweise, dass ein Extrakt aus der Pelargonienwurzel bei Atemwegsinfektionen die Krankheitsdauer verkürzen und die Beschwerden lindern könnte. Das Mittel kann aber unerwünschte Wirkungen haben, zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden.
Eine Atemwegsinfektion, wie zum Beispiel eine Erkältung oder eine akute Bronchitis, entwickelt sich in der Regel über mehrere Tage. Häufig beginnt sie mit Halsschmerzen, innerhalb von Tagen melden sich weitere Beschwerden wie eine verstopfte oder laufende Nase, Husten, manchmal auch Kopfschmerzen und leichtes Fieber. Ansonsten gesunde Menschen haben eine Erkältung, Bronchitis oder Grippe meist nach etwa einer Woche überstanden. Solche Atemwegsinfektionen sind sehr häufig: Bei Kindern etwa sechsmal pro Jahr, bei Erwachsenen zwei- bis viermal. Mehr zum Thema Erkältung, Grippe und Co. und zum Schutz vor Atemwegsinfektionen erfahren Sie in unserem Spezial.
Zur Linderung der Beschwerden bei Atemwegsinfektionen werden seit einigen Jahren immer öfter pflanzliche Präparate mit Extrakt aus der Pelargonienwurzel eingesetzt. Diese Präparate werden unter den Handelsnamen Umckaloabo und Kaloba angeboten. Man kann sie rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Bei Kindern unter 6 Jahren sollten die Mittel aber nicht ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden.
Umckaloabo und Kaloba enthalten ein Extrakt aus der Wurzel der südafrikanischen Kapland-Pelargonie, einer Geranienart. Den pflanzlichen Wirkstoff (Phytotherapeutikum) gibt es in Tropfen- und Tablettenform. Ihm wird eine Stärkung der Immunabwehr zugeschrieben, außerdem eine gewisse Wirkung als Schleim- und Hustenlöser. Man vermutet, dass sich Viren und Bakterien während einer Anwendung weniger leicht an den Schleimhäuten der Atemwege festsetzen können. Ob die Mittel tatsächlich helfen, können nur wissenschaftliche Studien von guter Qualität klären.
Behandlungsmöglichkeiten bei Atemwegsinfektionen
Einfache Atemwegsinfektionen wie Erkältungen werden meist durch Viren ausgelöst, nur selten spielen zusätzlich Bakterien eine Rolle. Zur Behandlung werden häufig Antibiotika eingesetzt, obwohl diese nur gegen Bakterien wirken. Der übermäßige und unsachgemäße Antibiotika-Einsatz fördert die Bildung von Resistenzen. Mehr dazu können Sie hier lesen.
Da es kein Medikament gibt, das Atemwegsviren sehr erfolgreich bekämpft, werden Erkältungen meist nur symptomatisch behandelt – das heißt, die Beschwerden wie verstopfte Nase, Husten, Schmerzen oder Fieber mit abschwellenden, schleimlösenden, schmerzstillenden oder fiebersenkenden Maßnahmen oder Arzneimitteln gelindert.
Analyse von Studien zur Wirksamkeit von Extrakt aus der Pelargonienwurzel
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach geeigneten Studien gesucht, um herauszufinden, wie effektiv und sicher der Einsatz von Extrakt aus der Perlargonienwurzel bei Atemwegsinfektionen ist. Die Forschergruppe aus Freiburg fand acht randomisierte kontrollierte Studien, die geeignet waren, die Frage nach der Wirksamkeit der Mittel zu beantworten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Studien werden nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehr Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wendet dann das zu prüfende Medikament an und wird mit einer anderen verglichen, die ein Medikament ohne Wirkstoff (Placebo) erhält – oder auch mit Gruppen, die keine oder eine andere Behandlung bekommen. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, ob eine bei den Teilnehmenden beobachtete Wirkung auf das Medikament zurückzuführen ist oder nicht.
In den Studien, die die Freiburger Forschergruppe analysierte, wurde der Extrakt aus der Pelargonienwurzel mit Placebo verglichen. An den acht Studien nahmen insgesamt 1771 Kinder und Erwachsene teil. Drei der Studien mit insgesamt 746 erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie drei weitere mit 819 Kindern hatten die Wirkung des pflanzlichen Arzneimittels bei akuter Bronchitis untersucht. Neben den Tropfen wurden dabei auch Tabletten untersucht. Dabei zeigten sich vor allem bei der Anwendung des Wirkstoffs in Tropfenform leichte positive Effekte: Sieben Tage nach Beginn der Erkrankung hatten mehr Teilnehmende in den Gruppen, die den Pelargonienwurzelextrakt einnahmen die Infektion vollständig überstanden als in den Vergleichsgruppen, die Placebo erhalten hatten. Eine Studie mit 104 Erwachsenen ergab Hinweise, dass der Geranienextrakt auch bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) helfen könnte. Eine Studie zur Wirkung bei einfachen Erkältungen zeigte dagegen keine nennenswerten Wirkungen.
Als unerwünschte Wirkungen der pflanzlichen Mittel nannten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Sodbrennen), vereinzelt auch Hautreaktionen (Jucken, Nesselausschlag). Im Juli 2011 wies die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) darauf hin, dass ihr in den letzten Jahren zehn Fälle gemeldet wurden, bei denen die Einnahme des Mittels mit einer Leberentzündung in Zusammenhang gebracht wird. Es ist aber letztlich unklar, ob wirklich der Pelargonienwurzelextrakt zu den Leberentzündungen geführt hat. Zu beachten ist außerdem, dass die Tropfen Alkohol enthalten.
Schwache Effekte, offene Fragen
Aus ihrer Analyse zog die Forschergruppe den vorsichtigen Schluss, dass ein Extrakt aus der Pelargonienwurzel die Beschwerden von Kindern und Erwachsenen mit akuter Bronchitis oder Sinusitis etwas lindern könnte. Es bleibt aber unklar, welche praktische Bedeutung diese Effekte haben. Da die Untersuchung insgesamt nur relativ wenige Studien einschließen konnte, ist mehr Forschung nötig, um die Wirkung und Sicherheit der Mittel sicher beurteilen zu können. Derzeit lässt sich auch noch nicht sagen, wie sich die Anwendung der Präparate auf Fehlzeiten in Schule und Beruf sowie auf den Antibiotikagebrauch auswirkt. Zudem ist noch ungeklärt, welche möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und andere Risiken Umckaloabo und Kaloba haben könnten.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: August 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 30. August 2011 13:24
- Erstellt am: 09. Februar 2009 15:29
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Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Hepatitis im Zusammenhang mit Umckaloabo® (Aus der UAW-Datenbank). Deutsches Ärzteblatt 2011; 30. [Volltext]
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Erkältung. Gesundheitsinformation.de-Merkblatt. Köln: IQWiG. Oktober 2008. [Volltext]
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Timmer A, Günther J, Rücker G, Motschall E, Antes G, Kern WV. Pelargonium sidoides extract for acute respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 3. [PubMed-Zusammenfassung]
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