Altersbedingte Makuladegeneration: Kann eine thermische Lasertherapie den Sehverlust verlangsamen?
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die bei älteren Menschen auftritt. In den Industrieländern ist die AMD die häufigste Ursache für eine Erblindung. Die Makula (auch "gelber Fleck") ist ein eng begrenzter Bereich der Netzhaut, der für das scharfe Sehen zuständig ist. Eine AMD führt zunächst zum Verlust der Sehkraft im Bereich des schärfsten und detailliertesten Sehens, des "zentralen Sehens" und kann bis zur Erblindung fortschreiten. Der zentrale Sehbereich ist zum Beispiel notwendig, um Auto fahren oder lesen zu können. Gegenstände am Rande des Sehfeldes können Menschen mit AMD in der Regel aber noch erkennen. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht genau bekannt.
Die feuchte (neovaskuläre) AMD tritt auf, wenn sich neue, krankhafte Blutgefäße unter der Netzhaut bilden. Es gibt zwei Typen der feuchten AMD: Bei der häufigsten Form wachsen krankhafte Blutgefäße unter dem Zentrum der Netzhaut. Dies wird subfoveale oder zentrale AMD genannt. Die Fovea ist das Zentrum der Makula, "subfoveal" bedeutet "unterhalb der Fovea". Wenn sich die Blutgefäße außerhalb der Fovea bilden, spricht man von extrafovealer AMD. Sie kommt seltener vor.
Die thermische Laserbehandlung (auch Laser-Photokoagulation genannt) ist eine Behandlung, bei der die Laserstrahlen gezielt gegen die abnormen Blutgefäße eingesetzt werden. Dabei werden die krankhaften Blutgefäße mit Laserstrahlen erhitzt, um sie zu zerstören und Blutungen zu verhindern. In letzter Zeit wurden einige neue Therapien entwickelt, die auch bei der subfovealen AMD angewandt werden können. Dazu gehören die photodynamische Therapie, Operationen und Medikamente, die das Wachstum der Blutgefäße auch unter dem Zentrum der Netzhaut aufhalten sollen. Sie können mehr über die Erkrankung und einige andere Behandlungsmöglichkeiten in unserem Spezial zur AMD nachlesen.
Manche der Therapien können in der Behandlung bestimmter Arten dieser Erkrankung wirkungsvoller sein als andere. Die thermische Laserbehandlung wird normalerweise nur noch bei bestimmten Menschen mit extrafovealer AMD eingesetzt.
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben nach klinischen Studien gesucht, in denen die Vor- und Nachteile der Laser-Photokoagulation bei feuchter AMD untersucht wurden. Sie fanden 15 Studien, von denen elf die übliche thermische Laserbehandlung geprüft haben. Diese zielt auf den gesamten betroffenen Bereich ab. Die anderen Studien untersuchten seltener eingesetzte Formen der Laserbehandlung, die sich nur auf Teile der krankhaften Blutgefäße richten.
Insgesamt haben mehr als 2000 Menschen mit AMD an den Studien teilgenommen. Die Wirkung der Photokoagulation wurde durch Standard-Sehtafeln gemessen. Die meisten Studien haben eine thermische Lasertherapie mit keiner Behandlungsmethode verglichen.
Der Vergleich zwischen Photokoagulation auf den gesamten betroffenen Bereich und keiner Behandlung zeigte, dass eine Laserbehandlung nach zwei Jahren den fortschreitenden Sehverlust bei einigen Menschen verlangsamen kann. Bei fast der Hälfte der Menschen, die nicht behandelt wurden, verschlechterte sich das Sehvermögen (bei 49 % oder 49 von 100 dieser Teilnehmer). Mit Lasertherapie lag diese Anzahl nur bei 34 % (34 von 100) der Teilnehmer. Das bedeutet, durch die thermische Laserbehandlung wurde eine Verschlechterung der Sehkraft bei zusätzlich 15 von 100 Personen verhindert.
Aber es gab auch einen Nachteil: Unmittelbar nach der Behandlung war das Risiko für einen Sehverlust kurzfristig erhöht. Drei Monate nach der Therapie hatten zusätzlich etwa fünf von 100 Patienten eine schlechtere Sehkraft als vorher (17 % der Patienten mit Laserbehandlung im Vergleich zu 12 % der Patienten ohne Laserbehandlung). Daher sollten Menschen, die sich für eine Laserbehandlung entscheiden, damit rechnen, dass ihre Sehkraft kurzfristig schlechter werden könnte, bevor sich später möglicherweise ein Nutzen zeigt. Die thermische Laserbehandlung schließt nämlich nicht nur erfolgreich die Blutgefäße, sondern kann dabei auch gesunde Teile des Auges verletzen.
Die Wissenschaftler zogen den Schluss, dass das Schadensrisiko durch die Behandlung bei Menschen mit dem häufigeren, zentralen Typ der AMD (subfovealer Typ) groß sein kann. Da die krankhaften Blutgefäße bei diesem Typ im zentralen Teil des Auges wachsen, könnte der Laser hier mehr Sehschäden verursachen. Aus diesem Grund wird die thermische Laserbehandlung normalerweise nur zur Behandlung bestimmter Fälle der extrafovealen AMD verwendet.
- Letzte Aktualisierung: 24. Mai 2011 15:17
- Erstellt am: 04. April 2008 11:46
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Virgili V, Bini A. Laser photocoagulation for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]
Hierzu passende Themenbereiche:
Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:
Bewertet durch
„Relevant, objektiv und unabhängig“
Häufig gestellte Fragen
Links zum Glossar
Nutzerbefragung
Bewerten Sie unsere Webseite.


