Rauchprävention: Können Eltern beeinflussen, ob ihre Kinder später rauchen?
Ob ein junger Mensch anfängt zu rauchen, hängt sowohl von seiner eigenen Einstellung als auch vom Einfluss anderer Menschen ab. Wenn Eltern ihre Kinder aufklären und sie dabei unterstützen, nicht mit dem Rauchen anzufangen, kann dies die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die Kinder später rauchen.
Ist man erst einmal nikotinabhängig geworden, fällt es sehr schwer, das Rauchen aufzugeben. Deshalb ist der beste Weg, um Raucherkrankheiten zu vermeiden, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Dies betrifft vor allem junge Menschen, denn die meisten Raucherinnen und Raucher haben vor dem 18. Lebensjahr angefangen zu rauchen. Dies trifft vermutlich bei mindestens 9 von 10 rauchenden Menschen zu. Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rauchen mehr als 20 % der Mädchen in Europa im Alter von 15 Jahren bereits regelmäßig.
Die Forschung hat verschiedene Einflüsse ermittelt, wann und warum junge Menschen mit dem Rauchen anfangen. So könnte etwa die Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen anzufangen erhöht sein, wenn sich ein junger Mensch große Sorgen um sein Körpergewicht und seine Figur macht und mit dem Rauchen beginnt, um dünner zu werden. Bei Jugendlichen, die Sport treiben, ist es dagegen weniger wahrscheinlich, dass sie rauchen. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor sind die Ansichten und das Rauchverhalten der Menschen im direkten Umfeld: Jugendliche, die mit dem Rauchen anfangen, haben häufiger Freunde, Geschwister oder Eltern, die selbst rauchen. Je jünger dabei die Heranwachsenden sind, desto schwerer kann es ihnen später fallen, wieder mit dem Rauchen aufzuhören.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass nicht nur Freunde und Gleichaltrige einen Einfluss darauf haben, ob junge Menschen mit dem Rauchen anfangen. Die Familie ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Einflussfaktoren: Nichtraucherinnen und Nichtraucher haben häufiger Eltern, die das Rauchen ablehnen, selbst niemals geraucht oder das Rauchen aufgegeben haben. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse widersprechen der landläufigen Meinung, dass Eltern, die das Rauchen missbilligen, ihre Kinder eher dazu verleiten könnten, zu rebellieren und mit dem Rauchen anzufangen. Auch wenn dies im Einzelfall ein Grund sein kann.
Forschung zum Einfluss der Eltern
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – haben nach Studien gesucht zu Strategien, wie Eltern unterstützt werden können, um ihre Kinder vom Rauchen abzuhalten. Sie suchten nach sogenannten randomisierten kontrollierten Studien. In solchen Untersuchungen werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeteilt. Am Ende wird verglichen, wie sich die unterschiedlichen Behandlungen ausgewirkt haben. Im Fall der Rauchprävention hieß dies beispielsweise: Eltern und Kinder einer Gruppe nahmen an einer speziellen Schulung teil, in der sie Strategien zur Rauchprävention lernten. Die andere Gruppe erhielt keine solche Schulung. Mehr dazu, wie Studien durchgeführt werden, lesen Sie hier.
Nach ausführlicher Recherche fanden die Wissenschaftler insgesamt 22 Studien, in denen untersucht wurde, ob eine familienbezogene Maßnahme zur Verringerung des Rauchens bei jungen Menschen wirksam war. Einige von ihnen wiesen solche Schwächen in ihrer Durchführung auf, dass sie keine sehr zuverlässigen Antworten geben konnten. Andere Studien geben jedoch Hinweise darauf, dass Familienangehörige sehr wohl Jugendliche vom Rauchen abhalten können.
Rauchprävention kann bei manchen Kindern und Jugendlichen erfolgreich sein
In den Studien wurden viele verschiedene Maßnahmen untersucht. In einigen Studien wurden beispielsweise Elternkurse getestet, in anderen nur Broschüren mit Ratschlägen verschickt, wie man junge Menschen vom Rauchen abhalten kann. Die wissenschaftlichen Nachweise reichten insgesamt nicht aus, um sicher sagen zu können, welche Ratschläge wirksam sind. Etwa ob es wirklich dazu beiträgt, dem Rauchen vorzubeugen, wenn zu Hause Informationsmaterial gegen das Rauchen vorhanden ist. Eine weitere Strategie bestand darin, Eltern zu ermutigen, ihren Kindern Stärke und Selbstbewusstsein zu vermitteln, damit sie auch Nein sagen können - allerdings ist auch dieser Ansatz nicht ausreichend wissenschaftlich geprüft.
Ob bestimmte Strategien sich eventuell sogar negativ auswirken, ließ sich aus den Studienergebnissen nicht ablesen. So gab es beispielsweise keine Informationen darüber, ob manche Maßnahmen zur Vorbeugung fehlschlagen und damit das Rauchen sogar noch begünstigen - oder ob andere Strategien familiäre Konflikte auslösen oder Schuldgefühle bei den Eltern hervorrufen.
Die Wissenschaftlergruppe kam zu dem Schluss, dass Jugendliche möglicherweise seltener anfangen zu rauchen, wenn die Eltern dabei unterstützt werden, ihre Kinder aktiv vom Tabakkonsum abzuhalten. Allerdings beeinflussen neben der Vorgehensweise der Eltern auch andere Faktoren die Tatsache, ob ein junger Mensch mit dem Rauchen beginnt.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:20
- Erstellt am: 23. Januar 2008 14:55
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Thomas RE, Baker P, Lorenzetti D. Family-based programmes for preventing smoking by children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2008, Issue 4. CD004493. [PubMed-Zusammenfassung]
Hierzu passende Themenbereiche:
Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:
Bewertet durch
„Relevant, objektiv und unabhängig“


