Nach dem Schlaganfall: Gibt es eine Form der Krankengymnastik, die zu mehr Selbstständigkeit verhilft?

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Bisher weiß man nicht, ob eine bestimmte Form der Krankengymnastik (Physiotherapie) anderen überlegen ist. Eine Kombination physiotherapeutischer Behandlungen mit dem Ziel, bestimmte Tätigkeiten wie zum Beispiel das Gehen wiederzuerlernen, kann aber helfen, wieder selbstständiger zu werden.

Bei einem Schlaganfall (auch als "Hirnschlag" bezeichnet) wird ein Teil des Gehirns dadurch geschädigt, dass seine Durchblutung unterbrochen wird. Ein Schlaganfall kann durch ein Blutgerinnsel entstehen, das sich in einem anderen Teil des Körpers gebildet hat. Dies kann durch den Blutkreislauf ins Gehirn wandern und dort ein Gefäß blockieren. Auch Veränderungen in der Wand einer Arterie können zu einem Gefäßverschluss führen. Seltener wird ein Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst (Hirnblutung). Die Ursache kann sein, dass Blut ins Gewebe austritt, zum Beispiel, wenn ein Blutgefäß reißt.

Ein Schlaganfall kann zu Lähmungen in Teilen des Körpers führen oder auch zu Störungen verschiedener Körperfunktionen, zum Beispiel zu Sprachstörungen. Ungefähr einer von 1000 Menschen bekommt in seinem Leben einen Schlaganfall, meistens in höherem Alter. Bei Menschen über 85 Jahre liegt das Risiko für einen Schlaganfall bei 2 % (zwei von hundert).

Krankengymnastik ist für Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, ein wichtiger Teil der Rehabilitation und langfristigen Bewältigung der Krankheitsfolgen. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zielen mit ihren Behandlungen darauf ab, die Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu verbessern. Dabei gibt es für spezielle Probleme eine eigene Behandlung: Beispielsweise die unterstützende Laufbandtherapie, mit der Menschen das Laufen wiedererlernen sollen, oder spezielle Übungen oder Maschinen, die helfen sollen, das Gleichgewicht zu verbessern. Eine weitere physiotherapeutische Behandlung stellt die "einschränkungsinduzierte Bewegungstherapie" dar. Dabei wird der vom Schlaganfall nicht betroffene Arm stillgelegt, damit die Patientin oder der Patient die schwächere Körperseite nutzt beziehungsweise trainiert.

Neben den speziellen Behandlungen, die Menschen helfen sollen, ihre Einschränkungen so weit wie möglich rückgängig zu machen, gibt es in der Schlaganfallrehabilitation weitere physiotherapeutische Herangehensweisen. Dazu gehört der "neurophysiologische Ansatz". Dabei behandelt die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut den Menschen, indem er dessen Gliedmaßen auf bestimmte Art und Weise bewegt. Ein zweiter bedeutender Ansatz ist das motorische Lernen, bei dem der oder die Betroffene Handlungen übt, die ihm oder ihr schwer fallen. Der dritte große Ansatz ist die orthopädische Krankengymnastik, bei der man lernt, die gelähmte Seite mit Hilfe der unbeeinträchtigten Seite auszugleichen. Welche Behandlung im Einzelfall angewandt oder empfohlen wird, kann sich stark unterscheiden, je nachdem wer die Behandlung gestaltet.

Der Behandlungsplan kann einen einzelnen oder eine Kombination dieser Ansätze vorsehen. Manche beinhalten eine Vielfalt an Behandlungen. So wie sich die Behandlung von Physiotherapeut zu Physiotherapeut unterscheidet, unterscheidet sie sich auch von Land zu Land. Beispielsweise zeigt eine Studie, dass die Schlaganfallprogramme in Großbritannien und Belgien mehr Bewegungsübungen vorsehen können als deutsche und schweizerische.

Um festzustellen, ob ein bestimmter physiotherapeutischer Ansatz wirksamer ist als andere, analysierten Forscherinnen und Forscher der Cochrane Collaboration 21 klinische Studien, in denen diese Behandlungsformen bei Schlaganfallpatienten einzeln oder in Kombination angewendet wurden. Da die einzelnen Studien klein waren, gibt es nicht für jede einzelne Therapieform ausreichend wissenschaftliche Nachweise. Bei der Analyse der Studien konzentrierten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf, wie gut die Behandlungen das Gleichgewicht, die Kraft, das Gehvermögen und den Grad der Selbstständigkeit verbesserten.

Die Studien lieferten keine Informationen dazu, was die Patientinnen und Patienten sowie ihre Betreuer von der Behandlung halten, sodass unklar bleibt, welche Form der Physiotherapie sie bevorzugen. Es gibt auch keine genauen Informationen darüber, ob bestimmte Personengruppen von manchen Behandlungen mehr profitieren als von anderen. So wäre denkbar, dass sie bei jüngeren und älteren Menschen unterschiedlich wirken.

Die Behandlungen und die Studienteilnehmenden waren zu unterschiedlich, um Aussagen darüber zu machen, welche Therapie am besten wirkt und ob bestimmte Therapien auch schädlich sein können. Allerdings gibt es aus einigen Studien Hinweise, dass Physiotherapie, die auf einer Kombination unterschiedlicher Behandlungsansätze basiert, zu mehr Selbstständigkeit verhelfen könnte.

Eine andere Behandlungsform in der Schlaganfallrehabilitation ist die Ergotherapie. Sie soll Menschen dabei helfen, Alltagstätigkeiten wieder zu erlernen. Sie können hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.316.de.html) mehr über Ergotherapie lesen.

  • Erstellt am: 17. Januar 2008 12:35
  • Letzte Aktualisierung: 09. Juli 2008 12:02
  • Quellen:
    De Wit L, Putman K, Lincoln N, Baert I et al. Stroke rehabilitation in Europe: what do physiotherapists and occupational therapists actually do? Stroke 2006; 37: 1483-1489. [Volltext (URL: http://stroke.ahajournals.org/cgi/content/full/37/6/1483) ]

    Pollock A, Baer G, Pomeroy V, Langhorne P. Physiotherapy treatment approaches for the recovery of postural control and lower limb function following stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.cochrane.org/reviews/en/ab001920.html) ]