Was ist besser nach unkompliziertem Herzinfarkt: Lange Bettruhe oder nach einigen Tagen wieder mit Bewegung beginnen?
Wochenlange Bettruhe nach einem Herzinfarkt könnte das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie etwa Blutgerinnselbildung erhöhen. Menschen, die einen unkomplizierten Herzinfarkt hatten, könnten von einer kürzeren Bettruhe profitieren.
Die meisten Menschen erholen sich von einem Herzinfarkt relativ gut. Manchmal kann ein Herzinfarkt aber doch verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung einer Herzschwäche mit Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem) und in den Unterschenkeln, Herzrhythmusstörungen, eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) und eine Blutgerinnselbildung (Thrombose). Die meisten Komplikationen nach einem Herzinfarkt ereignen sich innerhalb der ersten beiden Tage. Während dieser Zeit sollten die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus überwacht werden.
Normalerweise wird allen Patientinnen und Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, Bettruhe empfohlen. Zu der Länge der einzuhaltenden Bettruhe geben die Experten aber unterschiedliche Ratschläge. Vor Jahren erwartete man von Menschen, nach einem Herzinfarkt mehrere Wochen streng das Bett zu hüten. Im Anschluss kam es durch die lange Bettruhe zu Muskelabbau und -schwäche der Beinmuskulatur, was eine "Rehabilitation" notwendig machte. Heutzutage wird nach einem unkomplizierten Herzinfarkt bei Personen mit einem niedrigen Risiko für Komplikationen gewöhnlich eine Bettruhe von 24 bis 48 Stunden angeraten.
Manche Patientinnen und Patienten sind womöglich besorgt, ob ihr Herz innerhalb von zwei Tagen schon wieder stärker belastbar ist. Doch eine zu lange Bettruhe kann die Genesung verlangsamen und beispielsweise das Risiko für ernsthafte Komplikationen wie Blutgerinnselbildung (Thrombose) erhöhen. Wer zu lange im Bett bleibt, riskiert, dass sich ein Blutgerinnsel in seiner Beinvene bildet. Ein Blutgerinnsel kann durch den Körper wandern und ein Blutgefäß in der Lunge blockieren (Lungenembolie).
Um herauszufinden, wie lange Menschen nach einem Herzinfarkt Bettruhe halten sollten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration entsprechende klinische Studien ausgewertet. Sie fanden 15 Studien mit insgesamt etwa 3.000 Patienten, die kurze Zeit vorher einen unkomplizierten Herzinfarkt erlitten hatten. Die Studien verglichen eine kürzere Bettruhe (ein bis zwölf Tage) mit einer längeren (13 oder mehr Tage).
Die Wissenschaftlergruppe fand keine Belege dafür, dass eine Bettruhe von 13 oder mehr Tagen nützt. Eine kürzere Ruhephase - zwischen zwei und 12 Tagen - führte nicht zu einer Erhöhung des Risikos, während der Genesung erneut einen Herzinfarkt zu erleiden. Eine kürzere Bettruhe scheint im Gegenteil das Risiko zu verringern, in der Genesungsphase zu sterben. Früher das Bett zu verlassen, schien auch das Risiko für Komplikationen wie Blutgerinnsel und unregelmäßige Herztätigkeit (Arrhythmie) zu senken. Um die möglichen Vorteile des früheren Aufstehens zu bestätigen, sind allerdings noch weitere Studien erforderlich.
Zudem wurden die oben genannten Studien schon vor einigen Jahren durchgeführt. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer haben damals nicht die gleichen Medikamente bekommen, wie die Menschen heutzutage. Die heutige Therapie sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten noch schneller genesen können.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass für Menschen nach einem unkomplizierten Herzinfarkt eine Bettruhe von zwei bis 12 Tagen vorteilhafter zu sein scheint, als wochenlang im Bett zu bleiben. Unklar bleiben allerdings die Auswirkungen einer Bettruhe von weniger als zwei Tagen. Zu dieser Frage gibt es noch keine aussagekräftigen Studien. Von daher ist es nicht möglich, mit Sicherheit zu sagen, was passiert, wenn Menschen bereits nach 12 oder 24 Stunden das Bett verlassen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2010 14:14
- Erstellt am: 04. Dezember 2007 15:48
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Herkner H, Arrich J, Havel C, Müllner M. Bed rest for acute uncomplicated myocardial infarction. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 1. [Cochrane Zusammenfassung]
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