Durchfall: Verkürzen probiotische Bakterien die Zeit auf der Toilette?

Foto von Frau vor Kühlregal
Probiotika - dazu gehören vor allem bestimmte Milchsäurebakterien - können die Dauer eines Durchfalls spürbar verkürzen.

Durchfall ist in vielen Fällen die Folge einer Infektion. In Industrieländern sind lebensgefährliche Durchfallattacken selten geworden. Bei einem milden Durchfall genügt es meist, durch viel Trinken den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und abzuwarten, bis er vorübergeht. Bei kleinen Kindern und alten Menschen kann ein Flüssigkeitsverlust aber schnell so gefährlich werden, dass spezielle Therapien nötig sind.

Bei einem milden Durchfall raten manche Fachleute, als zusätzliche Maßnahme Lebensmittel zu verzehren, die spezielle Bakterien enthalten. Sie sollen sich im Darm ansiedeln und ihn vor Durchfallerregern schützen. Diese Bakterien werden oft "Probiotika" genannt; die bekanntesten Vertreter sind bestimmte Milchsäurebakterien in Joghurt und anderen Milchprodukten.

Um die Frage zu beantworten, wie gut Probiotika gegen Durchfall helfen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration die vorhandenen Studien systematisch ausgewertet. Das Thema ist recht gut erforscht: Sie fanden 23 Studien, in denen knapp 2000 Personen vor allem Milchsäurebakterien in Joghurtgetränken, Milch und Babynahrung erprobt haben. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder, deren Durchfall weniger als zwei Wochen andauerte.

Die Probiotika erwiesen sich durchaus als eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit. In den Studien, in denen die Dauer der Durchfallerkrankung gemessen wurde, verkürzten die Probiotika die Erkrankungsdauer im Schnitt um bis zu 30 Stunden. Andere Studien haben kontrolliert, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einigen Tagen keinen Durchfall mehr hatten: Von 100 Personen waren ohne Probiotika etwa 40 nach drei Tagen den Durchfall los (40 %), mit Probiotika waren es 60 von 100 (60 %). Berichte über unerwünschte Wirkungen gab es nach dieser Auswertung kaum, allerdings wurde das Augenmerk in den einzelnen Studien häufig nicht auf Nebenwirkungen gelegt. In anderen Studien kam es bei einigen Menschen mit einer Schwäche des Immunsystems nach der Einnahme von Probiotika zu Infektionen.

Eine wichtige Frage bleibt aber offen: Als "probiotisch" bezeichnete Produkte sind in Form von Pulvern, Tabletten und flüssigen Präparaten erhältlich. Nicht alle enthalten lebende Bakterien. Bislang ist nicht klar, ob alle diese Mittel gleich wirksam sind.

Im März 2009 haben wir nach aktuellen Forschungsergebnissen zur Wirksamkeit von Probiotika bei infektiösem Durchfall gesucht, um diesen Text auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen. Wir fanden zusammenfassende Analysen von Studien, an denen nur Säuglinge und Kinder bis 12 Jahre teilnahmen. Die Ergebnisse veränderten aber nicht das bereits gewonnene Bild. Momentan aktualisieren die Cochrane-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler ihre systematische Auswertung. Sobald ihre Ergebnisse vorliegen, werden wir hier darüber berichten.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 19. Mai 2009 18:13
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  • Quellen:

    Allen SJ, Okoko B, Martinez E, Gregorio G, Dans LF. Probiotics for treating infectious diarrhoea. Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

    Szajewska H, Skorka A, Dylag M. Meta-analysis: Saccharomyces boulardii for treating acute diarrhoea in children. Aliment Pharmacol Ther 2007; 25: 257-264. [PubMed-Zusammenfassung]

    Szajewska H, Skorka A, Ruszczynski M, Gieruszczak-Bialek D. Meta-analysis: Lactobacillus GG for treating acute diarrhoea in children. Aliment Pharmacol Ther 2007; 25: 871-881. [PubMed-Zusammenfassung]

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