Erkältungen: Antibiotika nehmen oder lieber doch nicht?

Glas und Tabletten
Bei einer unkomplizierten Erkältung sind Antibiotika nicht sinnvoll: Ihr Nutzen ist nicht belegt, sie können aber unerwünschte Wirkungen haben.

Husten und Schnupfen werden meist durch Viren verursacht. Da Antibiotika nur Bakterien abtöten können, aber nicht gegen Viren wirksam sind, kann man normalerweise keinen Nutzen von der Therapie erwarten. Manchmal kommt es aber während einer viralen Erkältung zu einer Folgeinfektion mit Bakterien. In solchen Fällen könnte eine Behandlung mit Antibiotika dann doch von Nutzen sein, wenn sie eine solche Zweitinfektion verhindert.

Um die Bilanz von Vor- und Nachteilen der Behandlung von Erkältungen mit Antibiotika genauer abschätzen zu können, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration gezielt nach Studien gesucht, in denen nicht nur der Nutzen, sondern auch die unerwünschten Wirkungen von Antibiotika erfasst wurden. Sie fanden insgesamt 13 Studien, an denen in der Regel ansonsten gesunde Erwachsene teilgenommen hatten. Bei einer erneuten Suche im Jahr 2009 fanden sich keine zusätzlichen Studien von guter Qualität zu diesem Thema.

Es zeigte sich, dass ein eindeutiger Nutzen von Antibiotika bei unkomplizierten Erkältungen nicht belegt ist. Angesichts dessen bekommen die unerwünschten Wirkungen eine Bedeutung. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass im Durchschnitt von 100 Personen, die Antibiotika eingenommen hatten, etwa 8 bis 9 von einer spezifischen Nebenwirkung betroffen waren. Dabei handelte es sich gewöhnlich um Durchfall und andere Magen-Darm-Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit. Andere häufige Nebenwirkungen von Antibiotika sind Hautausschläge und Scheidenentzündungen.

Allerdings gibt es zwei Personengruppen, die von einer Behandlung mit Antibiotika deutlicher profitieren könnten. Dazu gehören Personen, deren Erkältung bereits länger als eine Woche dauert. Die zweite Gruppe sind Patientinnen und Patienten mit verfärbten statt klarem Nasensekret. Das ist ein Zeichen für eine Zweitinfektion mit Bakterien.

Insgesamt spricht diese Bilanz nicht für einen breiten Einsatz von Antibiotika gegen Erkältungen, da der Gruppe mit einem Nutzen fast ebenso viele Personen mit einem Schaden durch die Therapie gegenüberstehen. Viele Expertinnen und Experten fordern ohnehin, dass Antibiotika nur noch dann eingesetzt werden sollen, wenn sie eindeutige Vorteile haben. Sie befürchten, dass der übermäßige Einsatz gegen harmlose Krankheiten dazu führt, dass Bakterien resistent werden, sodass die Mittel dann bei wichtigen Krankheiten nicht mehr wirken. Über den richtigen Gebrauch von Antibiotika können Sie sich hier informieren.

Mehr über Erkältungen, ihre Vorbeugung und Behandlung können Sie hier nachlesen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2009 15:33
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  • Quellen:


    Arroll B, Kenealy T. Antibiotics for the common cold and acute purulent rhinitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]

    Arroll B, Kenealy T. Are antibiotics effective for acute purulent rhinitis? Systematic review and meta-analysis of placebo controlled randomised trials. BMJ 2006; 333: 279. [PubMed-Zusammenfassung]

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