Halsschmerzen: Verschwinden sie schneller durch Antibiotika?

Foto von Mann mit Schal

Auf Verdacht eingenommene Antibiotika können Beschwerden durch Halsentzündungen um einen halben bis einen Tag verkürzen. Dafür muss man aber das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Zudem macht der zu häufige Einsatz von Antibiotika Bakterien widerstandsfähiger.

Halsschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche – vor allem in der Erkältungszeit. Dann kann sich die Frage stellen: Nehme ich ein Antibiotikum ein oder nicht? Die meisten Menschen haben von Antibiotika jedoch keinen Vorteil: Erkältungsbedingte Halsschmerzen werden meist durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Menschen mit einer bakteriellen Halsentzündung wiederum können eher profitieren. Ob eine bakterielle Infektion vorliegt, lässt sich in der Praxis jedoch meist nicht sicher unterscheiden. Und Antibiotika „auf Verdacht“ einzunehmen, kann Nachteile haben.

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Die Forschung zeigt: Halsschmerzen heilen meist auch ohne eine besondere Behandlung aus. Schon drei Tage nach Beginn der Halsentzündung geht es 34 von 100 Personen wieder deutlich besser. Nach einer Woche sind etwa 82 von 100 Personen auch ohne Medikamente beschwerdefrei. Wenn Fieber auftritt, ist auch das meist ohne weitere Behandlung innerhalb von drei Tagen wieder abgeklungen.


Nutzen der Antibiotikatherapie

Angesichts dieser Selbstheilungsrate stellt sich die Frage, wie groß der Nutzen von Medikamenten wie Antibiotika gegen Halsentzündungen ausfallen kann. Ärztinnen und Ärzte verhalten sich hier sehr unterschiedlich: Einige sind bereit, auch auf Verdacht ein Antibiotika-Rezept auszustellen. Andere verschreiben Antibiotika nur wenn es ganz konkrete Hinweise auf eine bakterielle Entzündung gibt. Um die Antwort zu geben, welchen Nutzen es hat, Antibiotika auf Verdacht einzunehmen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration insgesamt 27 solcher Studien ausgewertet, an denen mehr als 12.800 Personen teilgenommen haben. In den Studien erhielt eine Teilnehmergruppe Antibiotika, eine andere Gruppe dagegen ein Scheinmedikament (Placebo). Warum dieses Vorgehen für die Aussagekraft einer Studie wichtig ist, können Sie hier nachlesen.

Die Studien zeigen, dass die Einnahme von Antibiotika die Heilung etwas beschleunigen kann:

  • 51 von 100 Personen, die Antibiotika eingenommen hatten, waren am dritten Tag der Erkrankung frei von Beschwerden.
  • Zum Vergleich: Ohne Antibiotika hatten 34 von 100 Personen die Entzündung nach drei Tagen überstanden.


Im Durchschnitt können die Halsschmerzen um etwa 16 Stunden, also weniger als einen Tag verkürzt werden.

Nach einer Woche war der Unterschied zusammengeschmolzen: 87 von 100 Personen mit Antibiotika waren frei von Beschwerden, ohne Antibiotika waren es 82 von 100 Personen.

Eine weitere Wirkung der Antibiotika war, dass sie das Risiko von Komplikationen wie zum Beispiel Mittelohrentzündungen verringerten, die bei ansonsten gesunden Personen aber auch ohne Behandlung selten sind.

Dem begrenzten Nutzen der Antibiotika-Behandlung müssen die unerwünschten Wirkungen gegenübergestellt werden. Aus weiteren Studien lässt sich schließen, dass bei etwa 10 von 100 Erwachsenen aufgrund der Einnahme von Antibiotika Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Durchfälle und Hautausschläge. Hinzu kommt, dass durch einen übermäßigen Einsatz von Antibiotika auch bei leichten Erkrankungen Erreger unempfindlich gegen die Mittel werden können. Dadurch können viele ernste Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor. Mehr über den richtigen Einsatz von Antibiotika können Sie hier erfahren.

Mehr über Erkältungen, ihre Vorbeugung und Behandlung können Sie hier nachlesen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: Februar 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.


  • Letzte Aktualisierung: 02. Februar 2012 09:19
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.

    Spinks A, Glasziou PP, Del Mar C. Antibiotics for sore throat. Cochrane Database of Syst Rev 2011; (9). CD000023. [Zusammenfassung]

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