Merkblatt: Vorbeugung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Doch Depressionen bei Kindern und Jugendlichen kann man manchmal verhindern. Depressionen haben oft mehrere Ursachen. Meistens entstehen sie durch ein Zusammenwirken von biologischen Vorgängen im Körper, psychischen Faktoren sowie Erlebnissen im sozialen Umfeld. Nicht alle diese Faktoren kann man beeinflussen. Aber junge Menschen können lernen, besser mit den Herausforderungen in ihrem Leben umzugehen, und das könnte ihnen dabei helfen, in schwierigen Situationen nicht in eine Depression zu rutschen. Mehr darüber, was die Anzeichen für eine Depression sind, können Sie hier lesen.
Erkranken manche jungen Menschen eher an einer Depression als andere?
Ja. Und für diese jungen Menschen ist Vorbeugung besonders wichtig – wahrscheinlich aber auch erfolgreicher.
Bei Kindern und Jugendlichen lösen oft Probleme in der Familie, Gewalterfahrungen, Schwierigkeiten in der Schule und soziale Isolation eine Depression aus. Außerdem haben diese Gruppen ein höheres Risiko für eine Depression:
- Kinder und Jugendliche, bei denen Familienmitglieder Depressionen oder andere schwerwiegende psychische Erkrankungen haben
- Junge Leute, die in der Vergangenheit schon einmal eine Depression hatten oder mit Angststörungen zu tun haben
- Kinder und Jugendliche mit einem sehr negativen Selbst- oder Körperbild
Symptome einer Depression können aber auch durch eine körperliche Erkrankung ausgelöst werden oder als Nebenwirkungen bestimmter Medikamente entstehen. Bei Mädchen können depressive Verstimmungen im Zusammenhang mit der Regelblutung auftreten.
Was können Kinder und Jugendliche selbst tun, um Depressionen zu verhindern?
Strategien zur Bewältigung von schwierigen Situationen und negativen Gefühlen zu haben, ist für uns alle wichtig. Fachleute - unter anderem aus der Psychologie - haben Programme entwickelt, die Depressionen bei Kindern und Jugendlichen verhindern sollen und meistens in Schulen angeboten werden. In mehreren Therapiesitzungen lernen die Kinder oder Jugendlichen unter anderem, wie sie Probleme oder Konflikte lösen können, was sie tun können, wenn sie traurige Gedanken haben, oder wie sie mit Stress umgehen können. Die Erfahrungen aus diesen Programmen zeigen unter anderem, dass Kinder und Jugendliche zum Beispiel Strategien erlernen können, mit denen man negative Gedanken ändern kann.
Es wurde gezeigt, dass die psychologischen Programme die Symptome von Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Depressionen kurzfristig bessern können und dass sie verhindern können, dass ein junger Mensch eine Depression bekommt. Ob diese oder andere Programme auch Kindern und Jugendlichen helfen können, die kein bestimmtes Risiko für eine Depression haben, ist nicht bekannt. Mehr über die Forschung dazu können Sie hier lesen. Programme, die sich darauf beschränkten, Informationen über Depressionen zu vermitteln, scheinen dagegen nicht sehr erfolgreich zu sein.
Die mittlerweile entwickelten, in Schulen angebotenen psychologischen Programme beruhen auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist der Überbegriff für eine bestimmte Gruppe von Psychotherapien. Der Begriff "kognitiv" ist vom lateinischen "cognoscere" abgeleitet und bedeutet "erkennen". Die KVT hilft dabei, aktuelle Probleme zu erkennen und Lösungen dafür zu finden, und wird auch häufig gegen bestehende Depressionen eingesetzt.
Menschen mit Depressionen haben oft besonders negative Gedanken – über ihre Situation, aber auch über sich selbst und die eigene Zukunft. In einer KVT setzt man sich damit auseinander, ob sich die eigenen Gedanken und Überzeugungen negativ auf das Wohlbefinden auswirken und ob bestimmte Verhaltensweisen oder belastende Denkmuster zu Problemen beitragen. Mehr über diese Prinzipien können Sie hier nachlesen.
Spielen körperliche Aktivität und Sport eine Rolle?
Viele Leute vermuten, dass körperliche Aktivität und Sport einen Einfluss darauf haben könnten, ob man eine Depression entwickelt. Es gibt einen Hinweis, dass körperliche Bewegung möglicherweise Depressionen vorbeugen kann. Bewegungsprogramme, die in Studien untersucht wurden, umfassten vor allem Walking, Joggen, Aerobic oder Krafttraining.
Man weiß nicht, ob eine positive Wirkung wirklich auf der Bewegung selbst beruht oder vielmehr darauf, dass man etwas unternimmt und mit anderen zusammen Spaß hat. Nicht eindeutig klar ist außerdem, ob anstrengende Sportarten einen größeren Effekt haben, als wenn man es ruhiger angehen lässt.
Viele Kinder und Jugendliche besuchen auch Kurse in Yoga, Judo oder anderen Bewegungsarten, die körperliche, psychische und oft auch soziale Elemente verbinden. Es gibt jedoch keine aussagekräftige Forschung dazu, die es ermöglicht, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Deshalb kann man nicht sagen, ob eine bestimmte Bewegungs- oder Sportart besonders gut helfen könnte, Depressionen vorzubeugen.
Wenn ein Kind oder Jugendlicher keinen Spaß am Schulsport hat, kann es sich möglicherweise lohnen, sich anderswo nach Sportarten und Kursen umzusehen, bei denen der Leistungsdruck nicht so hoch ist und wo Bewegung wieder Freude macht.
Was tun junge Menschen noch, um mit schwierigen Gefühlen fertig zu werden?
Schon immer haben viele junge Menschen ein Tagebuch geführt, um Gedanken, Sorgen und Gefühle für sich selbst zu ordnen und mit ihnen besser umgehen zu können. Für andere Kinder und Jugendliche kann ein Haustier wichtig sein, dem sie sich anvertrauen können. Mit anderen Menschen zu reden und sich ihnen verbunden zu fühlen, ist aber für die emotionale Gesundheit ebenfalls wichtig.
Mit schwierigen Gefühlen und Lebenslagen umgehen zu lernen, ist ein wichtiger Teil des Heranwachsens und des ganzen Lebens. Mit einer Depression oder Angststörung fertig zu werden, ist nie einfach. Besonders wenn junge Menschen schon einmal damit zu tun hatten, kann die Angst vor einem Rückfall eine echte Last sein. Zu wissen, was man selbst tun kann und wo man Hilfe bekommt, wenn man sie braucht, kann in jedem Alter dabei helfen, einer Depression vorzubeugen.
Neben ihren Freundschaften und ihrer Familie können junge Menschen mit Depressionen und ihre Eltern sich bei Sorgentelefonen, Familien-, Kinder- und Jugendberatungsstellen, bei Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten, Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychotherapeuten über Depressionen informieren. In vielen Schulen kann man sich an Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen oder Vertrauenslehrerinnen und -lehrer wenden.
Immer mehr Jugendliche suchen im Internet Informationen und tauschen sich über E-Mail, in Netzwerken, Foren oder Chatrooms aus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen zurzeit, welchen Einfluss dies auf die Entstehung und den Verlauf von Depressionen hat. Es ist noch zu früh, um zu wissen, wie viel Zeit im Internet hilfreich sein kann und wann es zu viel sein könnte.
Kinder und Jugendliche, bei denen depressive Anzeichen erkennbar sind, brauchen insbesondere Menschen, denen sie vertrauen können, bei denen sie sich ohne Ängste öffnen und von sich und ihrem Leben erzählen können. Was Angehörige, Freunde oder Bekannte tun können, um ihnen zu helfen, können Sie hier nachlesen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2009 04:14
- Erstellt am: 05. Juli 2006 16:11
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