Herzschwäche: Helfen Sportprogramme, fit zu bleiben?

Foto von Radfahrer im Park

Viele Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche vermeiden körperliche Belastungen. Für bestimmte Menschen ist allerdings eher das Gegenteil sinnvoll: Gezielte Trainingsprogramme können helfen, die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen und die Lebensqualität zu steigern.

Herzschwäche ist der Sammelname für eine Reihe von Krankheiten, die die Pumpkraft des Herzmuskels beeinträchtigen. Der medizinische Fachbegriff lautet Herzinsuffizienz. Eine häufige Ursache ist ein früherer Herzinfarkt, aber auch Entzündungen können den Muskel schwächen.

Die Folge der Herzschwäche ist, dass nicht genügend Blut in den Körper gepumpt wird, um den Sauerstoffbedarf der Organe zu decken. Davon ist besonders die Muskulatur betroffen: In schweren Fällen sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, aus dem Bett aufzustehen oder sich selbst anzuziehen. In leichten bis mittelschweren Fällen spüren Patientinnen und Patienten die verminderte Pumpleistung ihres Herzens erst, wenn sie sich anstrengen, also zum Beispiel eine Treppe hoch gehen. Dann werden sie schnell kurzatmig. Diese Erfahrung kann dazu führen, dass Menschen mit einer Herzinsuffizienz ihre körperlichen Aktivitäten einschränken, was die Leistungsfähigkeit noch weiter schwächt - ein Teufelskreis, der die Unabhängigkeit und Lebensqualität stark beeinträchtigt. Von 100 europäischen Menschen mittleren Alters sind bis zu 2 von dieser Erkrankung betroffen (0,5 bis 2 %). In der Altersgruppe der über 65-Jährigen steigt die Anzahl der Erkrankten auf 6 bis 10 von 100 (6 bis 10 %).

Bisher haben Menschen mit Herzschwäche häufig den Ratschlag erhalten, anstrengende körperliche Tätigkeiten zu vermeiden, aus Sorge, dass diese das Herz zu stark belasten könnten. Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche nehmen auch relativ selten an Rehabilitationsprogrammen für Menschen mit Herzkrankheiten teil.

Forschung zur Wirkung von Herzsportprogrammen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane-Collaboration wollten wissen, ob sich Herzsportprogramme auch für Menschen mit Herzschwäche lohnen. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das zum Ziel hat, Studien zum Nutzen von medizinischen Maßnahmen systematisch aufzubereiten. Am aussagekräftigsten sind sogenannte randomisierte kontrollierte Studien. In solchen Studien werden die freiwilligen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt, von denen eine die zu testende Behandlung und die andere(n) ein Scheinmedikament (Placebo), keine oder eine andere Therapie erhalten. Auf diese Weise ist es möglich, herauszufinden, wie sich die Behandlung auf die Gesundheit der Teilnehmenden auswirkt. Mehr darüber, warum diese Art von Forschung wichtig ist, können Sie hier nachlesen.

Schon eine frühere Analyse der Forschergruppe hat gezeigt, dass Sportprogramme körperliche Vorteile haben können: Die Teilnehmenden von Herzsportprogrammen wurden körperlich leistungsfähiger. Sie konnten sich besser bewegen, laufen und arbeiten als Patientinnen und Patienten, die nicht an solchen Programmen teilgenommen hatten.

In einer neuen Auswertung konzentrierte sich die Cochrane-Forschungsgruppe auf die Frage, welche Auswirkungen Herzsportprogramme auf die Lebenserwartung, Beschwerden, Krankenhausaufenthalte und die Lebensqualität haben. Sie fand 19 Studien, in denen Herzsportprogramme erprobt wurden. In einem Teil der Studien fand das Training ausschließlich in speziellen Zentren (zum Beispiel Krankenhäusern) statt, in anderen sowohl in Zentren als auch zu Hause. Nur in einer Studie führten die Teilnehmenden die Sportprogramme ausschließlich zu Hause durch. Insgesamt hatten mehr als 3600 Menschen an den Studien teilgenommen. Wichtig ist: Die Teilnehmenden dieser Programme hatten nur eine leichte bis mittelschwere Herzschwäche. Zudem war der Großteil der Teilnehmenden Männer. Das durchschnittliche Alter lag zwischen etwa 40 und 70 Jahren.

Der Trainingsumfang war von Studie zu Studie sehr unterschiedlich. Die Einheiten dauerten zwischen 15 und 120 Minuten, wurden zwei bis sieben Mal die Woche durchgeführt und über Zeiträume von 5 bis 12 Monaten. Die häufigsten Trainingsmethoden waren Laufen und Radfahren auf einem Ergometer ("Heimtrainer") oder im Freien.

Sportprogramme verbessern Lebensqualität

In der Gesamtschau der Studien konnte kein Einfluss von Sportprogrammen auf die Lebenserwartung festgestellt werden. Sie wurde durch ein Teilnahme an einem Sportprogramm weder erhöht, noch vermindert. Um sicher sagen zu können, ob Sportprogramme einen Einfluss auf die Lebenserwartung haben, bedarf es möglicherweise noch größerer und länger anhaltender Studien. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Menschen, die an Sportprogrammen teilgenommen haben, danach seltener aufgrund von Herzproblemen in ein Krankenhaus mussten.  

Ein Teil der Menschen wurde auch befragt, wie sich das Training auf ihre Lebensqualität ausgewirkt hat. Die meisten Teilnehmenden der Trainingsprogramme bewerteten ihre Lebensqualität höher als Nichtteilnehmende. Es gab keine Hinweise, dass das kontrollierte Training gefährlich gewesen wäre. Probleme wie zum Beispiel Herzanfälle waren nach den Studienberichten selten.

Die Cochrane-Autorinnen und -Autoren betonen jedoch, dass sich aus den Studien bislang kein vollständiges Bild für alle Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche ableiten lässt, weil sich die Forschung auf Männer mit leichter und mittlerer Herzschwäche konzentriert hat. Weitere Studien sind nötig, um herauszufinden, ob Herzsport auch für Frauen, ältere Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit instabiler oder schwerer Herzinsuffizienz positive Wirkungen hat.

Neuere Forschungsergebnisse bestätigen, dass Übungen vielen Menschen mit chronischer Herzschwäche helfen können

Nachdem die Cochrane-Forschergruppe diese Studien ausgewertet hatte, wurde in den USA eine neue große Studie veröffentlicht. Diese Studie, an der mehr als 2300 Menschen teilnahmen, bestätigt die Ergebnisse der Cochrane-Gruppe: Übungen können die Lebensqualität und Fitness von vielen Menschen mit chronischer Herzschwäche verbessern. Personen, die an Herzsportprogrammen teilnahmen, hatten nicht häufiger einen Herzinfarkt, anfallartig auftretende Brustschmerzen (Angina Pectoris) oder andere Herzprobleme als Personen, die nicht an einem solchen Programm teilnahmen. In einem Punkt unterschieden sich die Ergebnisse allerdings: Körperliche Übungen machten eine Krankenhausaufnahme etwas wahrscheinlicher. Etwa 2 % der Menschen (2 von 100), die nicht an einer Herzsportgruppe teilnahmen, aber individuell trainierten, wurden nach dem Training in einem Krankenhaus aufgenommen. Bei Personen, die an einem Herzsportprogramm teilnahmen, war dies bei 3 von 100 Menschen der Fall (3 %).

Damit Menschen mit Herzschwäche ihre Übungen regelmäßig machen, könnte es wichtig sein, dass sie dabei kontinuierlich unterstützt werden. Wenn Sie eine Herzschwäche haben, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie beraten, welche Übungen und Rehabilitationsmaßnahmen für Sie sinnvoll sind.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:10
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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