Hepatitis B: Soll ich mich testen lassen?

Foto von jungem Paar
Das Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion ist für bestimmte Gruppen hoch. Doch insgesamt gesehen haben weniger als 1 % der Menschen in Deutschland eine Hepatitis-B-Infektion. Wenn bei Erwachsenen kein besonderes Risiko besteht, scheinen weder ein Test noch eine Impfung gesundheitliche Vorteile zu bringen.

Zurzeit macht eine europaweite Kampagne, die von einer Pharmafirma finanziert wird, auf Hepatitis B aufmerksam. Laut dieser Kampagne sollten alle Bürgerinnen und Bürger wegen des Hepatitis-B-Virus besorgt sein und sich besser darauf testen lassen. Bei einem Test wird Blut abgenommen und auf Anzeichen für das Virus untersucht. Doch wie wahrscheinlich ist es, sich in Deutschland mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) anzustecken, und wie oft führt eine Infektion zu einer Erkrankung?

Eine chronische Hepatitis-B-Infektion kann zu ernsthaften Krankheiten führen. Ob sich ein Test oder eine Impfung lohnt, hängt aber vor allem davon ab, wie groß die individuelle Wahrscheinlichkeit ist, mit einem Hepatitis-B-Virus infiziert zu sein.

Hepatitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Leber. Die Entzündung wird häufig durch eine Infektion mit bestimmten Viren, die mit Buchstaben bezeichnet werden (Hepatitis A bis E und G), verursacht. Eine Hepatitis-B-Infektion kann zu einer akuten oder chronischen Leberentzündung führen. Eine akute Hepatitis-B-Infektion heilt in den meisten Fällen von allein aus und muss nicht behandelt werden. Bei einigen Menschen bleibt die Infektion dauerhaft bestehen. Sie kann zu chronischen Leberschäden (Leberzirrhose) und Leberkrebs führen. Wie die Leber funktioniert, können Sie hier lesen.

Eine Hepatitis-Infektion kann verschiedene Symptome auslösen: Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, gelblich verfärbte Haut oder Augen und allgemeines Unwohlsein. Viele Menschen, die sich anstecken, haben jedoch keine oder keine typischen Beschwerden.

Wie sich Hepatitis B verbreitet und warum das Infektionsrisiko in Deutschland gering ist


Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem durch Blut, aber auch andere Körperflüssigkeiten übertragen. Meistens geschieht dies beim Sex, wobei sich vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, anstecken. Wer viele wechselnde Geschlechtspartner hat, hat ein erhöhtes Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion. Weitere Übertragungswege sind nicht sterile Spritzen beim Drogengebrauch und nicht sterile Nadeln beim Tätowieren. Auch wer mit einem Menschen zusammen wohnt, der das Virus trägt, kann sich eher mit Hepatitis B anstecken.

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat ihre Empfehlungen zum Hepatitis-B-Test im September 2008 überarbeitet. Sie spricht nun von einem geringen Infektionsrisiko, wenn weniger als 2 % der Bevölkerung infiziert sind. Das CDC empfiehlt daher keine routinemäßigen Tests, wenn in einem Land weniger als 2 % der Bewohnerinnen und Bewohner eine Hepatitis-B-Infektion haben. Das heißt aber andererseits auch, dass ein Test für Menschen, die aus einem Land mit hohem Infektionsrisiko zugewandert sind, sinnvoll sein kann.

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin veröffentlicht regelmäßig Daten zur Verbreitung von Infektionskrankheiten. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1998 zeigte, dass 0,6 % der Bevölkerung Spuren des Hepatitis-B-Virus im Blut hatte. 2009 hat das RKI berichtet, dass die Zahl der gemeldeten Hepatitis-B-Infektionen über die letzten Jahre stetig zurückgegangen ist. Daher ist davon auszugehen, dass die Verbreitung von Hepatitis B heute sogar unter 0,6 % liegt. Das bedeutet, dass deutlich weniger als eine von 100 Personen hierzulande mit dem Virus infiziert sind (weniger als 1 %).

Bei gesunden Menschen bekämpft der Körper das Virus meist erfolgreich

Bei über 9 von 10 Menschen, die sich mit Hepatitis B angesteckt haben, kann das Immunsystem das Virus erfolgreich allein bekämpfen (über 90 %). Wenn die Infektion von selbst ausheilt und nach sechs Monaten keine Virusspuren mehr im Blut zu finden sind, spricht man von einer akuten Hepatitis-B-Infektion. Sie hat in den allermeisten Fällen keine langfristigen gesundheitlichen Folgen. Wer eine Hepatitis-B-Infektion überstanden hat, ist gegen das Hepatitis-B-Virus immun.

Wenn bei einem Test das Hepatitis-B-Virus im Blut festgestellt wurde, wird die Untersuchung nach sechs Monaten wiederholt, um festzustellen, ob die Infektion von selbst ausgeheilt ist. Hält die Infektion länger als sechs Monate an, spricht man von einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Menschen mit einer solchen chronischen Hepatitis-B-Infektion werden von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten betreut.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-amerikanischen „Agency for Healthcare Research and Quality“ (AHRQ) haben Studien zu chronischer Hepatitis B ausgewertet. Sie wollten unter anderem wissen, ob es bestimmte Risikogruppen gibt, bei denen eine chronische Infektion wahrscheinlicher ist. Die Analyse zeigt, dass Männer ein deutlich höheres Risiko für eine chronische Hepatitis B haben und auch häufiger von Folgeerkrankungen betroffen sind als Frauen. Allerdings konnte die Wissenschaftlergruppe keine exakten Zahlen dazu berechnen, wie häufig eine chronische Hepatitis-B-Infektion zu Leberschäden und anderen Komplikationen führt.

Da Hepatitis B in Deutschland nicht sehr weit verbreitet ist und der Körper das Virus im Falle einer Infektion meist erfolgreich bekämpft, gibt es für die meisten Bürgerinnen und Bürger keinen Anlass zur Sorge. Sofern Sie keiner Risikogruppe angehören und keinen Verdacht auf eine Infektion haben, gibt es keinen Anlass für einen Test.

Wenn Sie keiner Risikogruppe angehören und keine Anzeichen für eine Infektion bestehen, Sie sich aber dennoch dafür entscheiden, einen Test machen zu lassen, müssen Sie die Kosten möglicherweise selbst tragen. Sofern Sie einer Risikogruppe angehören oder Anzeichen für eine mögliche Leberinfektion haben (etwa erhöhte Leberwerte), dürften die Kosten übernommen werden. Es ist sinnvoll, dies vorab mit Ihrer Krankenkasse zu klären.

In der Schwangerschaft und vor manchen Operationen wird das Blut routinemäßig auf Hepatitis B getestet.

Für junge Menschen und bestimmte Risikogruppen wird eine Impfung empfohlen

Man kann sich gegen Hepatitis B impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut ist in Deutschland für Impfempfehlungen zuständig. Sie empfiehlt eine Impfung gegen Hepatitis B vor allem bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Ziel dieser Empfehlung ist, in der Zeit, in der die geimpften Säuglinge und Kinder älter werden, die Verbreitung von Hepatitis B weiter zu verringern und das Hepatitis-B-Virus schließlich dauerhaft auszurotten. Im Jahr 2007 waren über 90 % der Kinder bei der Einschulung bereits gegen Hepatitis B geimpft. Aus einem aktuellen Bericht des RKI geht hervor, dass die meisten offiziell gemeldeten Fälle einer Hepatitis-B-Infektion bei Menschen auftraten, die nie geimpft wurden.

Die STIKO empfiehlt auch bei bestimmten Risikogruppen eine Impfung, wie zum Beispiel:

  • Menschen, die in ihrem Beruf in Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus kommen können (etwa medizinisches oder Krankenhauspersonal)
  • Personen, die in engem Kontakt mit Menschen stehen, die eine chronische Hepatitis-B-Infektion haben (zum Beispiel Familienangehörige)
  • Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, bei denen eine Hepatitis-B-Infektion ein Risiko darstellt (etwa Menschen mit HIV oder chronischen Lebererkrankungen)
  • Menschen, die häufig Blutspenden erhalten
  • Personen, die sich Drogen spritzen
  • Menschen, die sich länger in einem Land mit einer hohen Verbreitung von Hepatitis B aufhalten und engeren Kontakt mit Einheimischen haben

Eine vollständige Übersicht über die Impfempfehlungen der STIKO finden Sie im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts.

Um einen dauerhaften Schutz zu gewährleisten, ist nach 10 Jahren gegebenenfalls eine Auffrischimpfung nötig.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Impfung bei allen unter 18-Jährigen. Für Risikogruppen oder im Falle einer Reiseimpfung ist die Kostenübernahme nicht einheitlich geregelt. Auch hier ist es sinnvoll, vorher bei seiner Krankenkasse nachzufragen.

In einigen anderen Ländern, in denen das Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion höher ist, wird auch bei Schwangeren eine Impfung empfohlen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Cochrane Collaboration hat untersucht, ob sich eine Hepatitis-B-Impfung für Erwachsene lohnt, bei denen nicht bekannt ist, ob sie bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das zum Ziel hat, den Nutzen und Schaden von medizinischen Maßnahmen zu untersuchen. Die Cochrane-Forschungsgruppe konnte 12 Studien finden, in denen Menschen mit einem geringen Infektionsrisiko geimpft wurden. Diese Studien zeigten bei dieser Gruppe von Erwachsenen keinen Nutzen einer Impfung. Die Wissenschaftlergruppe folgerte aus den Studien, dass ein gewisser Nutzen zwar nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen ist, zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber unwahrscheinlich erscheint. In Bezug auf unerwünschte Wirkungen kam sie zu dem Ergebnis, dass die HBV-Impfung nicht mehr unerwünschte Wirkungen hat als andere übliche Impfungen.

Alles in allem zeigen die Forschungsergebnisse, dass die meisten Menschen in Deutschland sich keine Sorgen machen müssen. Weder die Forschung noch die Empfehlungen der verantwortlichen Behörden geben ihnen Anlass, sich testen zu lassen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 17. September 2009 09:57
  • Letzte Aktualisierung: 17. September 2009 10:56
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Almasio P, Camma C, Di Marco V, Craxi A. Hepatitis B. In: McDonald JWD, Burroughs AK, Feagan BG. Evidence-Based Gastroenterology and Hepatology. London: BMJ Books. 2nd Edition 2004: 367 – 381.

    Mathew JL, El Dib R, Mathew PJ, Boxall EH, Brok J. Hepatitis B immunisation in persons not previously exposed to hepatitis B or with unknown exposure status. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]

    Robert Koch-Institut (RKI). Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Virushepatitis B, C und D im Jahr 2008. Epidemiologisches Bulletin 2009; 20: 189-202. [Volltext]

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