Grindflechte: Wie wird man sie schneller wieder los?

Foto von Kind
Bei kleineren Infektionen spricht der Stand des Wissens derzeit für eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika-haltigen Salben.

Die Grindflechte (Impetigo contagiosa) ist eine teils juckende, manchmal auch schmerzende Hautinfektion, die vor allem bei kleinen Kindern häufig vorkommt. In Europa wird etwa eines von 50 Kindern (2 %) wegen einer Grindflechte behandelt. Typisch für die Krankheit ist ein gelblicher Schorf, der sich meist im Gesicht, auf Armen oder Beinen entwickelt. Der Schorf fällt nach einiger Zeit ab, ohne Narben zu hinterlassen.

Ursache der Grindflechte ist eine Bakterieninfektion. Die Erreger werden leicht auf andere Menschen übertragen. Es kann einige Wochen dauern, bis die Grindflechte von selbst abklingt. Eine Behandlung ist dann sinnvoll, wenn die infizierte Haut eine kosmetische Beeinträchtigung darstellt, die Infektion stark juckt oder wenn Ansteckungen verhindert werden sollen.

Die Forschungsergebnisse

Um die Wirksamkeit verschiedener Behandlungsmöglichkeiten vergleichen zu können, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration alle vorhandenen aussagekräftigen Studien gesammelt und systematisch ausgewertet. Bei der Suche zeigte sich, dass es weltweit mindestens 36 unterschiedliche Therapievorschläge gibt, was man gegen die Grindflechte tun kann.

Obwohl die Forscherinnen und Forscher 57 Studien fanden, an denen mehr als 3500 Menschen mit Impetigo teilgenommen haben, war keiner der zahlreichen Behandlungsvorschläge wirklich gut erprobt. Die Studien untersuchten sehr viele unterschiedliche Mittel, aber für keins waren die Ergebnisse eindeutig genug, um zu zeigen, dass es deutlich besser hilft als die anderen.

Bei begrenzten Infektionen spricht der aktuelle Stand des Wissens für eine gute Wirkung der Antibiotika-Salben mit den Wirkstoffen Fusidinsäure oder Mupirocin. Auch einige Antibiotika zur Einnahme scheinen nach aktuellen Studien die Heilung der Grindflechte zu beschleunigen. Sie haben aber vermutlich mehr unerwünschte Wirkungen als Salben. Antibiotika zum Einnehmen werden gewöhnlich nur bei Kindern mit sehr großflächiger Infektion eingesetzt, bei denen die mehrtägige Anwendung großer Salbenmengen unpraktisch ist. All diese Antibiotika-haltigen Mittel sind verschreibungspflichtig – man benötigt ein Rezept der Ärztin oder des Arztes dafür.

Als erste Stufe der Behandlung werden oft auch Antibiotika-freie desinfizierende Lösungen oder Salben empfohlen. Allerdings ist deren Nutzen nach dem Stand des Wissens fraglich.

Im März 2009 haben wir nach aktuellen Forschungsergebnissen zur Grindflechte-Behandlung gesucht, um diesen Text auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen. Wir fanden drei neue veröffentlichte Studien mit insgesamt mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Ergebnisse veränderten aber nicht das bereits gewonnene Bild. Eine Studie untersuchte eine neue Antibiotika-Salbe mit dem Wirkstoff Retapamulin, der seit 2007 in Deutschland auf dem Markt ist. Die Studie zeigte, dass das Mittel im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) möglicherweise hilft, aber auch mehr unerwünschte Wirkungen hat, wie Juckreiz, Kribbeln oder Taubheitsgefühle.

Es ist aber immer noch zu früh, um Aussagen darüber treffen zu können, ob das neue Mittel Retapamulin besser wirken kann als die schon länger eingesetzten Antibiotika. Man benötigt mehr Studien von guter Qualität, um diese Frage beantworten zu können. Sicher ist: Es stehen mehrere Antibiotika-haltige Salben zur Verfügung, die gut gegen eine Grindflechte helfen können.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 11. Dezember 2009 14:38
  • Quellen: European Medicines Agency (EMEA). Altargo. European Public Assessment Report. Scientific discussion. EMEA, 2007. Zugang 24.03.2009: http://www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/altargo/H-757-en6.pdf (URL: http://www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/altargo/H-757-en6.pdf)

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