Generalisierte Angststörung: Gibt es Alternativen zu Beruhigungsmitteln und Antidepressiva?
Menschen mit generalisierter Angststörung (GAS) leben in ständiger, unerträglicher und unkontrollierbarer Sorge um alltägliche Dinge. Ihre Ängste sind chronisch, das heißt sie dauern bereits über sechs Monate an und bestimmen jeden einzelnen Tag. Sie drehen sich nicht nur um bestimmte Dinge, die betroffenen Menschen leben vielmehr in einem permanenten Angstzustand.
Dies kann zu Beschwerden wie Müdigkeit, Reizbarkeit, schlechter Konzentration und Kopfschmerzen führen. Die Ängste der Menschen sind so stark, dass sie sich oft in einem Zustand der ständigen Wachsamkeit und Anspannung befinden. Es können Anzeichen für eine Überaktivität des Nervensystems auftreten wie Kurzatmigkeit, beschleunigter Herzschlag und Benommenheit. Die Ängste und die Symptome erschweren es, Alltagsaktivitäten und -aufgaben angemessen zu erledigen.
Etwa einer von 20 Menschen durchlebt irgendwann in seinem Leben eine Phase generalisierter Angststörung. Oft tritt sie parallel zu einem anderen Problem in Erscheinung, wie insbesondere einer Depression oder anderen Angststörungen. Die Störung kann Jahre andauern, beeinträchtigt ältere Menschen aber meist weniger als junge. Das könnte daran liegen, dass Menschen mit zunehmendem Alter im Allgemeinen besser mit Stress umgehen können.
Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, bei der die Therapeutin oder der Therapeut den Menschen hilft, ihre Ängste in einem anderen Licht zu sehen und anders mit ihnen umzugehen. Die am häufigsten verschriebenen Arzneimittel sind Antidepressiva und Benzodiazepine (Beruhigungsmittel). Benzodiazepine können jedoch Schläfrigkeit, Koordinationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit verursachen und zur Abhängigkeit führen. Bei einer Abhängigkeit treten Entzugserscheinungen auf, wenn man die Mittel absetzt. Antidepressiva können unter anderem Übelkeit, Mundtrockenheit und Benommenheit auslösen. In unserem Merkblatt erfahren Sie mehr über GAS und ihre Behandlungsmöglichkeiten.
Wenn andere Medikamente nicht geholfen haben, besteht die Möglichkeit, ein Angst lösendes Mittel aus der Gruppe der Azapirone auszuprobieren. In dieser Medikamentengruppe gibt es mehrere Präparate, bei einer GAS wird aber insbesondere das so genannte Buspiron eingesetzt. Es ist das einzige Azapiron-Präparat, das in Europa zugelassen ist. Azapirone sind Angst lösende Medikamente, bei denen man davon ausgeht, dass sie nicht abhängig machen oder zu Entzugserscheinungen führen.
Um herauszufinden, welchen Nutzen und welche unerwünschten Wirkungen Azapirone für Erwachsene mit GAS haben könnten, führten Wissenschaftler der Cochrane Collaboration eine umfangreiche Suche nach Studien durch, die diese Mittel geprüft haben. Sie fanden 36 Studien zu Azapiron bei Menschen mit GAS. Einige der Studien hatten Azapirone mit einem Scheinmedikament (Plazebo) verglichen, andere mit Benzodiazepinen, Antidepressiva oder Psychotherapie.
Die Studien zeigten, dass Azapirone zur Behandlung generalisierter Angststörung wirksamer waren als Plazebos, aber nicht so wirkungsvoll wie Benzodiazepine. In zwei kleinen Studien wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, ob sich ihre Beschwerden gebessert hatten. Im Vergleich zu den Personen aus der Plazebogruppe antworteten 23 % mehr Patienten, die Azapirone eingenommen hatten, dass sich ihre Beschwerden nach einigen Wochen der Einnahme stark oder sehr stark verbessert hatten.
Insgesamt zeigte sich bei 54 % der behandelten Teilnehmer eine deutliche Verbesserung, im Vergleich zu 31 % bei den Personen aus der Plazebogruppe. Die Daten reichen aber nicht aus, um sicher sagen zu können, wie viele Menschen von Azapironen profitieren. Wir wissen auch nicht, wie Azapiron im Vergleich zu Antidepressiva oder Psychotherapie wirkt.
In den Studien ähnelten die häufigsten Nebenwirkungen der Azapirone den Beschwerden, die auch bei der generalisierten Angststörung auftreten. Daher traten solche Beschwerden auch bei einigen Personen in der Plazebogruppe auf. Das häufigste Problem war Benommenheit: 34 % der Studienteilnehmer, die Azapiron eingenommen hatten, berichteten über Benommenheit, verglichen mit 11 % der Teilnehmer in der Plazebogruppe. Das bedeutet, dass Azapiron bei 23 % mehr Personen zu Benommenheit geführt hat (zusätzlich 23 von 100 Personen).
Etwa 23 % der Teilnehmer, die Azapiron eingenommen hatten, empfanden Übelkeit, im Vergleich zu 10 % in der Plazebogruppe. 17 % hatten mit Schläfrigkeit zu tun, verglichen mit 10 % derjenigen, die Plazebos bekommen hatten. Die Wissenschaftler fanden nur Studien, die im Durchschnitt zwischen 4 und 9 Wochen gedauert hatten (darunter eine Studie von 14 Wochen). Daher lässt sich über mögliche Behandlungsergebnisse bei einer längerfristigen Anwendung nichts sagen.
Keines der Medikamente, die bei GAS eingesetzt werden, sind für einen langfristigen oder dauerhaften Gebrauch geeignet. Die wirksamste und zugleich nebenwirkungsärmste Behandlung einer GAS ist die kognitive Verhaltenstherapie. Über dieses Verfahren können Sie hier mehr lesen.
- Erstellt am: 14. Februar 2008 11:43
- Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2008 09:33
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Chessick CA, Allen MH, Thase ME, Batista Miralha da Cunha ABC et al. Azapirones for generalized anxiety disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]
Hierzu passende Themenbereiche:
Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:
Bewertet durch
„Relevant, objektiv und unabhängig“
Häufig gestellte Fragen
Links zum Glossar
Nutzerbefragung
Um unsere Webseite laufend zu verbessern, benötigen wir Ihre Mithilfe.
Bitte nehmen Sie hierzu an unserer Befragung teil.
Bitte nehmen Sie hierzu an unserer Befragung teil.
- zur Befragung (Link öffnet sich im neuen Fenster)

