Einleitung

Foto von Paar beim Essen (Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock) Eingriffe an der Gallenblase zählen zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Pro Jahr werden etwa 190.000 Frauen und Männer operiert. Der Grund ist meist, dass Gallensteine Beschwerden oder Folgeerkrankungen verursacht haben. Oft sind Gallensteine aber harmlos; viele Menschen haben Gallensteine, ohne sie zu bemerken. Treten Beschwerden auf, stehen viele vor der Frage, ob sie nur die Symptome behandeln sollen oder sich operieren lassen.

Gallensteine entstehen aus verdickter Gallenflüssigkeit. Täglich wird in der Leber bis zu ein Liter Gallenflüssigkeit gebildet. Sie ist für die Verdauung von Fetten im Darm wichtig. Der größte Teil der Gallenflüssigkeit fließt direkt über die Gallenwege in den Dünndarm. Der Rest wird zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert und eingedickt. Die Gallenblase, ein kleines birnenförmiges Hohlorgan, liegt auf der rechten Bauchseite unterhalb der Leber.

 

Grafik: Lage der Gallenblase - wie im Text beschrieben

Symptome

Viele Menschen bemerken ihre Gallensteine nicht, weil sie keine oder kaum Beschwerden haben. Studien zeigen, dass etwa 1 bis 4 von 100 Menschen mit Gallensteinen innerhalb eines Jahres spürbare Beschwerden bekommen. Etwa 70 von 100 Menschen, die schon einmal Beschwerden wie Koliken hatten, bekommen sie innerhalb von zwei Jahren erneut. Ob und welche Symptome auftreten, hängt davon ab, wo sich die Steine gebildet haben, wie groß sie sind und ob sie Komplikationen verursachen. Bei Beschwerden, die auf Gallensteine hindeuten, ist eine genaue Diagnose wichtig, um andere Ursachen auszuschließen.

Das typische Anzeichen für Gallenblasensteine sind sehr unangenehme, krampfartige Oberbauchschmerzen (Koliken). Diese entstehen, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, um Galle in den Darm zu pressen, und die Gallensteine zugleich den Ausgang blockieren. Diese Schmerzen treten in Wellen auf. Meist klingen sie nach spätestens einer Stunde ab und verschwinden einige Stunden später ganz. Sie können in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen. Gallenblasensteine können daneben auch andere Beschwerden verursachen wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Aufstoßen.

Auch Gallengangssteine können krampfartige Schmerzen im Oberbauch hervorrufen. Zusätzlich kann es zu einer Gelbsucht (Ikterus) kommen, erkennbar an einer gelblichen Verfärbung der Haut und des Augenweiß (Lederhaut der Augen). Eine Gelbsucht entsteht, wenn die Steine im Gallengang den Abfluss von Gallenflüssigkeit blockieren. Die Leber kann dann den Gallenfarbstoff nicht mehr abbauen, die Menge an gelbem Bilirubin im Blut steigt und bewirkt die Verfärbungen. Zusätzlich kann der Urin dunkel und der Stuhl hell verfärbt sein.

 

Grafik: Darstellung von Gallensteinen - wie im Text beschrieben

Ursachen

Die Gallenflüssigkeit besteht aus Wasser und verschiedenen Stoffen, die zum Teil nicht wasserlöslich sind. Wenn diese Stoffe verklumpen, entstehen Gallensteine. Man nimmt an, dass es dazu kommt, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit ins Ungleichgewicht gerät. Häufig enthält sie zum Beispiel mehr Cholesterin als normal. Was genau die Steinbildung auslöst, ist jedoch unklar. Die meisten Gallensteine entstehen aus Cholesterin. Seltener sind die sogenannten Pigmentsteine. Sie bestehen aus Kalzium und Bilirubin, einem gelblichen Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs.

Gallensteine können sich in der Gallenblase und seltener auch direkt in den Gallenwegen bilden. Die meisten Gallengangssteine sind in der Gallenblase entstanden und dann erst in den Hauptgallengang (Ductus choledochus) „gewandert“. Steine in der Gallenblase werden als Cholezystolithiasis bezeichnet, Steine in den Gallenwegen als Choledocholithiasis.

Risikofaktoren

Bekannt ist, dass folgende Faktoren das Risiko für Gallensteine erhöhen:

  • Alter: Vor allem ab 40 Jahren steigt das Risiko für Gallensteine an
  • Veranlagung: Wenn in der Familie Gallensteine aufgetreten sind
  • Geschlecht: Frauen bekommen häufiger Gallensteine als Männer. Man vermutet, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen das Risiko für Gallensteine erhöht
  • Schwangerschaft
  • Einnahme der Verhütungspille oder von Östrogentabletten in den Wechseljahren (Hormontherapie)
  • Funktionsstörung der Gallenblase: Das Organ kann sich nicht richtig zusammenziehen
  • Kurzdarm-Syndrom: Eine Folgeerkrankung, die nach chirurgischer Entfernung eines großen Teils des Dünndarms auftreten kann
  • Diabetes mellitus
  • Leberzirrhose: Eine schwere Erkrankung der Leber, die durch Stoffwechselkrankheiten oder hohen Alkoholkonsum verursacht wird
  • Starkes Übergewicht
  • Starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit: Häufig zum Beispiel bei stark Übergewichtigen, deren Magen operativ verkleinert wurde
  • Fettreiche Ernährung

Häufigkeit

Es wird geschätzt, dass ab dem Alter von 40 Jahren mehr als 20 von 100 Frauen und 10 von 100 Männern Gallensteine haben. Die meisten merken allerdings nichts davon: Etwa 80 von 100 Menschen mit Gallensteinen haben über einen Zeitraum von 15 Jahren keine Beschwerden. Eine Behandlung von Gallenblasensteinen ist auch nur sinnvoll, wenn die Steine Beschwerden verursachen.

Folgen

Wenn typische Beschwerden auftreten, ist das Risiko für Komplikationen durch Gallensteine wie ein Darmverschluss, eine Entzündung der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse erhöht: Pro Jahr kommt es bei etwa 10 bis 30 von 1000 Menschen, die schon einmal Gallenkoliken hatten, zu Komplikationen. Bei beschwerdefreien Menschen mit Gallensteinen trifft es etwa 1 bis 3 von 1000 jährlich.

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Diagnose

Gallensteine werden manchmal zufällig entdeckt, zum Beispiel während einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums aus anderen Gründen. Oft wird aber gezielt untersucht, weil Beschwerden aufgetreten sind, die auf Gallensteine hindeuten. Vor jeder Untersuchung ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt alle Beschwerden genau zu beschreiben.

Gallenblasensteine festzustellen, ist in der Regel nicht sehr aufwändig. An das Untersuchungsgespräch schließen sich eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall des Bauchraums an. Dies reicht für eine Diagnose meist aus. Weitere Untersuchungen können nötig sein um auszuschließen, dass die Beschwerden durch andere Erkrankungen verursacht werden.

Die Diagnose von Steinen im Gallengang kann komplizierter sein. Bei Verdacht auf Gallengangssteine wird ebenfalls ein Ultraschall gemacht. Da sie auf dem Ultraschallbild aber schwieriger zu erkennen sind, wird manchmal eine spezielle Röntgenuntersuchung durchgeführt, die sogenannte endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC). Dabei wird ein Endoskop über die Speiseröhre, den Magen und den Anfang des Zwölffingerdarms bis zur Mündung des Gallengangs vorgeschoben. Hier wird dann ein Kontrastmittel in den Gang gespritzt, um vorhandene Steine auf dem Röntgenbild sichtbar zu machen. Im Rahmen der Untersuchung können die Steine auch mithilfe des Endoskops gleich entfernt werden. Eine ERC führt in etwa 7 von 100 Fällen zu Komplikationen wie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Verletzungen des Gallengangs und Magen-Darm-Trakts.

Alternativen sind die Magnetresonanz-Cholangiografie (MRC) und die endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonografie). Bei der MRC werden Schichtbilder des Gallengangsystems erstellt. MRC und Endosonografie sind nicht mit Strahlenbelastung verbunden. Bei der MRC ist keine Endoskopie nötig. Daher ist es im Gegensatz zur ERC nicht möglich, entdeckte Steine gleich während der Untersuchung zu entfernen. Dies erfordert einen eigenen Eingriff.

Behandlung

Wenn Gallensteine keine Beschwerden verursachen, gibt es in der Regel auch keinen Anlass, sie zu behandeln. Viele Menschen mit Gallensteinen bekommen auch über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden. Zudem kann jede Behandlung Nebenwirkungen haben, und Operationen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden.

Menschen mit sehr großen Gallensteinen oder mit einer Porzellangallenblase wird eine Entfernung der Gallenblase empfohlen, weil sie ein deutlich erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs haben.

Zur Linderung von schmerzhaften Koliken stehen verschiedene Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Verfügung. Auch Symptome wie Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich medikamentös behandeln. Eine Behandlung mit Medikamenten, die Gallensteine auflösen können, wird nur selten durchgeführt.

Eine Entfernung der Gallenblase ist die einzige Möglichkeit, schmerzhaften Koliken dauerhaft vorzubeugen. Ob und wann man sich zu diesem Schritt entschließt, ist eine Frage der Abwägung.

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