Ernährung und Körpergewicht: Wie wirken sich Softgetränke und andere mit Zucker gesüßte Getränke aus?
Wenn man wochenlang jeden Tag eine kleine Flasche zuckergesüßte Limonade trinkt, kann das Körpergewicht im Durchschnitt um ein Viertel Kilogramm ansteigen. Nehmen Menschen mit Übergewicht regelmäßig große Mengen mit Zucker gesüßter Getränke zu sich, könnte eine Verringerung dieser Mengen zu einer Gewichtsabnahme beitragen.
Getränke können schon von Natur aus süß sein, beispielsweise reine Fruchtsäfte oder Fruchtsaftgetränke, die süße Säfte wie Apfelsaft enthalten. Die Getränke können aber auch nachgesüßt worden sein – etwa mit Zucker (wie Sacharose), Honig oder künstlichen (synthetischen) Mitteln wie Sacharin oder Aspartam.
Süßungsmittel auf der Basis von Säften oder natürlichen Zuckern werden von Ernährungsexperten als „zuckergesüßte Erfrischungsgetränke“ bezeichnet, diese sind auch kalorienhaltig. Die synthetischen Süßungsmittel wie Aspartam oder Sacharin versehen die Getränke zwar mit einem süßen Geschmack, enthalten aber selbst keine Kalorien und haben keinen Nährwert.
Gesüßte Getränke und Getränkezubereitungen werden stark beworben. Dazu gehören alle Variationen von Limonade oder kohlensäurehaltige Softgetränke wie Cola oder Orangenlimonade – aber auch gesüßte Fruchtsäfte oder aromatisierte Milchsorten. Besonders beliebt sind diese gesüßten Getränke bei Jugendlichen und jungen und vor allem männlichen Erwachsenen.
Qualität der Forschung zum Einfluss zuckergesüßter Getränke
Es gibt viele Theorien darüber, welchen Einfluss Getränke allgemein auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung und speziell auf das Gewicht haben. Zu diesem Thema gibt es viele widersprüchliche Forschungsergebnisse – und damit auch Expertenempfehlungen. Dies hat verschiedene Gründe:
- In den Studien, die die Wirkung von Süßgetränken untersuchen, wird nicht sorgfältig genug zwischen unterschiedlichen gesüßten Getränken getrennt geforscht.
- Es wird nicht erfasst, wie es einer vergleichbaren Gruppe von Menschen ergeht, die keine gesüßten Getränke zu sich nehmen. Das heißt, man hat keine sogenannten Kontrollgruppen eingesetzt. Mehr darüber, warum dies zu unterschiedlichen oder gar irreführenden Forschungsergebnissen führen kann, können Sie hier nachlesen.
- In manchen Studien wird als Nachweis einer möglichen Gewichtsabnahme durch weniger zuckergesüßte Getränke das Körpergewicht nur nach relativ kurzer Zeit (24 Stunden) kontrolliert. Dieser Wert sagt allerdings eher etwas darüber aus, wie viel Flüssigkeit ein Mensch im Körper gespeichert hat und nicht, ob dieser tatsächlich an Gewicht verloren hat.
- Die Art, wie man die Auswirkung einer Behandlung oder Verhaltensänderung misst, kann also das Forschungsergebnis beeinflussen.
- Manche Empfehlungen stützen sich sogar auf Ergebnisse von Tierexperimenten und nicht auf Studien mit Menschen.
Suche nach Studien zur Überprüfung aller Theorien über gesüßte Getränke und Körpergewicht
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-amerikanischen Universitäten Indiana und Alabama haben nach Studien gesucht, in denen die Auswirkungen nicht-alkoholischer gesüßter Getränke auf das Körpergewicht sorgfältig geprüft wurden. Dabei waren ihnen zwei Fragen wichtig:
- Hat die Art der Getränke und die Menge davon einen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht?
- Ändert sich das Körpergewicht, wenn Menschen weniger von diesen Getränken zu sich nehmen als vorher?
Die Wissenschaftlergruppe fand jedoch erstaunlich wenige qualitativ gute Studien zum Zusammenhang von Getränken und Gewichtszunahme.
Gewichtszunahme bei vermehrtem Konsum zuckergesüßter Getränke
Die Forscher fanden insgesamt vier vergleichsweise kleine Studien, in denen die Teilnehmer aufgefordert wurden, täglich zuckergesüßte Getränke zu sich zu nehmen. Die Entwicklung des Körpergewichts der Teilnehmenden wurde mit dem Gewicht einer Kontrollgruppe verglichen. Die Teilnehmenden aus der Kontrollgruppe nahmen keine zuckergesüßten Getränke zu sich.
Da nur vier Studien vorlagen und keine Einzelstudie mehr als 133 Personen einschloss, waren deswegen aber nur vorsichtige Schlussfolgerungen möglich:
- Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass der Konsum zuckergesüßter Getränke eine Gewichtszunahme verursachte.
- Tranken die Teilnehmer täglich eine Flasche (600 ml) zuckergesüßte kohlensäurehaltige Limonade über drei bis zwölf Wochen, nahmen sie im Durchschnitt um circa 0,2 kg (200 g) an Gewicht zu.
- In den einzelnen Studien war der Kaloriengehalt der Getränke sehr unterschiedlich. Betrug die zusätzlich aufgenommene Kalorienmenge 500 kcal pro Tag, konnte die Gewichtszunahme sogar bis zu 0,8 kg (800 g) betragen.
- Was dieser Effekt auf lange Sicht bedeutet, kann aber aufgrund der relativ kurzen Studiendauer nicht erfasst werden.
- Auch wurden in den Studien andere – möglicherweise schädliche – Wirkungen der zuckergesüßten Getränke nicht speziell untersucht.
Art der Zuckeraufnahme spielt eine Rolle: fest oder flüssig
In einer sehr kleinen Studie wurde untersucht, ob die Beschaffenheit des Zuckers einen Einfluss auf die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht hat. Konkret nahmen die Teilnehmenden entweder ein gesüßtes Getränk oder eine entsprechende Menge zuckerhaltiger Gelee-Bohnen zu sich. Das Ergebnis: Wird Zucker in flüssiger Form wie bei Softdrinks oder zuckergesüßten Getränken konsumiert, ist das Risiko an Gewicht zuzunehmen größer. In der Studie führte schon alleine die Flüssigkeitsmenge des gesüßten Getränks zu mehr Kilogramm Körpergewicht.
Die Teilnehmenden, die dagegen den Zucker in Form von Gelee-Bohnen konsumierten, passten ihre Ernährung anscheinend besser an die zusätzliche Kalorienaufnahme an, als wenn sie ein Getränk mit der gleichen Menge von Kalorien zu sich genommen hätten. Diese Ergebnisse sind interessant, allerdings nicht zuverlässig genug, da zu wenige Personen an dieser Studie teilnahmen.
Gewichtsverlust bei geringerem Konsum zuckergesüßter Getränke nicht sicher
Die Forscher fanden sechs Studien mit mehr als 2.700 Personen, in denen eine mögliche Gewichtsabnahme durch weniger gesüßte Getränke untersucht wurde. Es handelte sich um Programme, die Menschen dazu bewegen sollen, weniger gesüßte Getränke zu sich zu nehmen. Das Ergebnis: Eine gewisse Gewichtsabnahme konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerade bei den Teilnehmern mit Übergewicht durchaus beobachten, bei normalgewichtigen Menschen sahen sie keinen Effekt. Allerdings wurde nicht erfasst, wie viel zusätzliche Flüssigkeit die Personen in den verschiedenen Gruppen getrunken hatten. Dies hat aber einen Einfluss auf das Körpergewicht. Da die Ergebnisse im Rahmen eines allgemeinen Programms zur Verhaltensänderung erfasst wurden und es sich nicht um eine Studie handelt, die speziell diese Frage erforschen sollte, kann man diese Frage nicht sicher beantworten.
Diät-Getränke und Körpergewicht
Viele Menschen nehmen automatisch an, dass die Diät-Version von Limonade nicht zu einer Gewichtszunahme führen kann, da sie keine Kalorien enthält. Diese Annahme ist aber nie wissenschaftlich völlig bewiesen worden. Obwohl diese Getränke keine Kalorien enthalten, könnten sie theoretisch aus anderen Gründen zu einer Gewichtszunahme führen. Beispielsweise, wenn die Diät-Getränke den Appetit steigern oder dazu führen, dass man mehr Süßigkeiten oder Snacks zu sich nimmt. Auch scheinen einige Menschen eher und mehr alkoholhaltige Mixgetränke zu trinken, wenn diese mit kalorienfreien Süßstoffen versetzt sind.
Der Einfluss von Süßstoffen und zuckergesüßten Getränken auf die Gesundheit
Die Aufnahme zuckergesüßter Softgetränke, aromatisierter Milchgetränke und weiterer zuckerhaltiger Getränke wirkt sich nicht nur auf das Körpergewicht aus. Was wir trinken, hat auch auf andere Aspekte der Gesundheit und Lebensqualität einen großen Einfluss, beispielsweise auf den Zustand unserer Zähne und auf unseren Energiehaushalt. Auch ist klar, dass Zuckeraustauschstoffe eine Wirkung auf den Körper haben.
Wenn es zu diesem Thema neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt – vor allem zum Zusammenhang von gesüßten Getränken, Körpergewicht und Gesundheit und zur Wirkung von künstlichen Süßstoffen – werden wir unsere Informationen dazu aktualisieren und Sie darüber in unserem Newsletter informieren.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Februar 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 19. März 2012 14:43
- Erstellt am: 01. Februar 2011 13:55
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- Quellen:
Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Mattes RD, Shikany JM, Kaiser KA, Allison DB. Nutritively sweetened beverage consumption and body weight: a systematic review and meta-analysis of randomized experiments. Obesity Reviews 2010; May 26. [PubMed-Zusammenfassung]
Mattes RD, Popkin BM. Nonnutritive sweetener consumption in humans: effects on appetite and food intake and their putative mechanisms. Am J Clin Nutr 2009; 89: 1-14. [Volltext]
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