Erkältungen: Antibiotika nehmen oder lieber doch nicht?

Glas und Tabletten
Bei einer unkomplizierten Erkältung sind Antibiotika nicht sinnvoll: Ihr Nutzen ist nicht belegt, sie können aber unerwünschte Wirkungen haben.

Husten und Schnupfen werden meist durch Viren verursacht. Da Antibiotika nur Bakterien abtöten können, aber nicht gegen Viren wirksam sind, kann man normalerweise keinen Nutzen von der Therapie erwarten. Manchmal kommt es aber während einer viralen Erkältung zu einer Folgeinfektion mit Bakterien. In solchen Fällen wäre eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika dann von Nutzen, wenn sie eine solche Zweitinfektion verhindert.

Um die Bilanz von Vor- und Nachteilen der Behandlung von Erkältungen mit Antibiotika genauer abschätzen zu können, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk –  gezielt nach Studien gesucht, in denen nicht nur der Nutzen, sondern auch die unerwünschten Wirkungen von Antibiotika erfasst wurden. Sie fanden insgesamt 11 Studien, an denen in der Regel ansonsten gesunde Kinder, Jugendliche oder Erwachsene teilgenommen hatten.

Antibiotika können Erkältungen nicht verkürzen

Es zeigte sich, dass ein Nutzen von Antibiotika bei unkomplizierten Erkältungen nicht belegt ist. Bei den Teilnehmenden, die Antibiotika einnahmen, dauerte die Erkältung ähnlich lange an, wie bei denen, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Angesichts dessen bekommen die unerwünschten Wirkungen eine Bedeutung. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass im Durchschnitt von 100 Personen, die Antibiotika eingenommen hatten, etwa 8 bis 9 von einer unerwünschten Wirkung betroffen waren. Dabei handelte es sich gewöhnlich um Durchfall und andere Magen-Darm-Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit. Andere häufige unerwünschte Wirkungen von Antibiotika sind Hautausschläge und Scheidenentzündungen.

Allerdings gibt es zwei Personengruppen, die von einer Behandlung mit Antibiotika profitieren könnten. Dazu gehören Personen, deren Erkältung bereits länger als eine Woche dauert. Die zweite Gruppe sind Patientinnen und Patienten mit grünlich-gelb verfärbtem statt klarem Nasensekret. Das ist ein Zeichen für eine Zweitinfektion mit Bakterien.

Insgesamt spricht diese Bilanz nicht für einen breiten Einsatz von Antibiotika gegen Erkältungen, da der Gruppe mit einem Nutzen fast ebenso viele Personen mit einem Schaden durch die Therapie gegenüberstehen. Viele Expertinnen und Experten fordern ohnehin, dass Antibiotika nur noch dann eingesetzt werden sollen, wenn sie eindeutige Vorteile haben. Sie befürchten, dass der übermäßige Einsatz gegen harmlose Krankheiten dazu führt, dass Bakterien resistent werden, sodass die Mittel dann bei wichtigen Krankheiten nicht mehr wirken. Über den richtigen Gebrauch von Antibiotika können Sie sich hier informieren.

Mehr über Erkältungen, ihre Vorbeugung und Behandlung können Sie hier nachlesen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2012 13:03
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Arroll B, Kenealy T. Antibiotics for the common cold and acute purulent rhinitis. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2010, Issue 2. CD000247. [PubMed-Zusammenfassung]

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