Depressionen nach Herzinfarkt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzproblemen?
Die häufigste Todesursache in den Industrienationen ist der Herzinfarkt, in der Medizin als "Myokardinfarkt" bezeichnet. Viele Menschen, die einen Herzinfarkt überleben, haben anschließend eine depressive Phase. Bei manchen zeigen sich nur leichtere Anzeichen einer Depression, die meist kurze Zeit nach dem Infarkt von selbst wieder verschwinden. Andere Menschen entwickeln jedoch eine stärkere, behandlungsbedürftige Depression, die über eine längere Zeit anhält.
Trotz der Bedeutung dieser Erkrankung gab es bisher nur wenige Erkenntnisse darüber, wie häufig Depressionen nach einem Herzinfarkt sind und wie man sie erfolgreich behandeln kann. Deshalb haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für die Bewertung medizinischer Maßnahmen in den USA (AHRQ) in einer systematischen Übersicht die Ergebnisse von vorhandenen Studien aus den USA und Europa ausgewertet. Dabei war für sie unter anderem von Interesse,
- wie häufig eine Depression nach einem Herzinfarkt auftrat,
- wie viele Personen noch ein oder zwei Monate nach einem Herzinfarkt weiterhin depressive Symptome zeigten und
- ob Behandlungen helfen konnten.
Ein Ergebnis der Untersuchung: Etwa jeder fünfte Mensch, der wegen eines Herzinfarktes stationär im Krankenhaus behandelt wurde, erkrankte anschließend an einer behandlungsbedürftigen Depression. Deutlich mehr Patientinnen und Patienten zeigten allerdings nach einem Herzinfarkt leichtere depressive Symptome.
Die untersuchten Studien lassen die Folgerung zu, dass vermutlich die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten noch ein bis vier Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus depressiv bleibt. Manchmal beeinträchtigt eine behandlungsbedürftige Depression im Anschluss an einen Herzinfarkt sogar noch nach fünf Jahren das seelische und körperliche Wohlbefinden.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass es möglicherweise einen körperlich begründeten Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzproblemen gibt. Danach könnten Depressionen für Menschen, die einen Herzinfarkt überstanden haben, ein zusätzliches Risiko darstellen, deren Genesungsprozess behindern sowie ihr allgemeines Sterberisiko erhöhen.
Weiterhin kam die AHRQ-Wissenschaftlergruppe zu dem Ergebnis, dass psychosoziale Behandlungsmaßnahmen und entsprechende Medikamente Depressionen nach einem Herzinfarkt vermutlich verringern und damit die Lebensqualität verbessern können. Ob jedoch eine Behandlung das Herzinfarkt- und Sterberisiko senken kann, ist noch nicht erwiesen. Für Menschen mit Herzproblemen können zudem manche Antidepressiva nicht geeignet sein. Deshalb ist es wichtig, die Einnahme dieser Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt abzusprechen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kanada und den Niederlanden haben in den Jahren 2007 und 2008 ebenfalls Studien zum Thema Depression nach Herzinfarkt ausgewertet. Ihre Ergebnisse bestätigten die Aussagen der AHRQ-Forschergruppe. Einige Forschungsergebnisse zeigten außerdem, dass eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Menschen mit einer Depression nach einem Herzinfarkt helfen könnte. Wie eine KVT funktioniert, können Sie hier nachlesen.
Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie man Menschen mit Depressionen in der Familie oder dem Freundeskreis unterstützen kann, können Sie sich hier informieren.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:13
- Erstellt am: 17. August 2006 14:24
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Bush DE, Ziegelstein RC, Patel UV, Thombs BD, Ford DE, Fauerbach JA, McCann UD, Stewart KJ, Tsilidis KK, Patel AL, Feuerstein CJ, Bass EB. Post-myocardial infarction depression. Evidence Report/Technology Assessment No. 123. Rockville, MD: Agency for Healthcare Research and Quality. Mai 2005. [Volltext]
Thombs BD, de Jonge P, Coyne JC, Whooley MA et al. Depression screening and patient outcomes in cardiovascular care: a systematic review. JAMA 2008; 300: 2161-2171. [PubMed-Zusammenfassung]
Van der Kooy K, van Hout H, Marwijk H, Marten H et al. Depression and the risk for cardiovascular diseases: systematic review and meta analysis. Int J Geriatr Psychiatry 2007; 22: 613-626. [PubMed-Zusammenfassung]
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