Darmkrebs: Kann Kalzium vorbeugen?

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Bisherige Studien sprechen dafür, dass Kalziumpräparate zur Nahrungsergänzung eine vorbeugende Wirkung gegen Darmpolypen haben könnten. Ob dadurch auch Darmkrebs verhindert wird, ist noch unklar.

Darmkrebs entsteht fast immer im Dickdarm (Kolon). Das Erkrankungsrisiko ist generell niedrig, kann aber zum Beispiel deutlich erhöht sein, wenn bereits bei nahen Angehörigen Darmkrebs gefunden wurde. Darmkrebs entsteht Schritt für Schritt über Jahre hinweg. Eine erste, noch harmlose Stufe sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Diese Wucherungen werden Polypen oder Adenome genannt. Die weitaus meisten Polypen bleiben klein und harmlos. Einige können aber recht groß werden, und damit steigt das Risiko, dass sich in ihnen Darmkrebs entwickelt. Nach Schätzungen wird nur einer von 20 Darmpolypen jemals bösartig. Es dauert etwa fünf bis zehn Jahre, bis sich in einem solchen Polypen Krebs entwickelt.

Forscherinnen und Forscher vermuten seit Jahrzehnten, dass es einen Zusammenhang zwischen Darmkrebsrisiko und Ernährung gibt. Bislang ist aber unklar, ob sich bestimmte Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile zur Vorbeugung nutzen lassen. Kalzium ist einer der Kandidaten, die derzeit genauer wissenschaftlich untersucht werden. Laborexperimente und Tierversuche zeigen, dass Kalzium möglicherweise die Entwicklung von Darmkrebszellen behindert. Kalzium kommt natürlicherweise vor allem in Milch und Milchprodukten vor. Zur Vorbeugung von Darmkrebs werden allerdings relativ hohe Dosierungen erprobt, die durch normale Ernährung nur schwer zu erreichen sind.

Bewertung der Darmkrebsvorbeugung mit Kalzium

Den aktuellen Stand des Wissens beschreibt eine systematische Übersicht von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Cochrane Collaboration, einem internationalen Forschungsnetzwerk. Sie haben alle Studien zusammengesucht, in denen Kalzium gegen Darmkrebs erprobt wurde. Die Ausbeute war begrenzt: Die Wissenschaftlergruppe hat zwei Studien gefunden, an denen zusammen mehr als 1.300 Personen teilgenommen haben. Dabei handelte es sich um sogenannte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs). Das Prinzip: Freiwillige Versuchsteilnehmerinnen oder -teilnehmer lassen sich per Los zwei Gruppen zuordnen – nur die eine Gruppe erhält ein Kalziumpräparat, die andere ein kalziumfreies Placebo oder ein anderes Nahrungsergänzungsmittel. An beiden Studien haben Männer und Frauen teilgenommen, bei denen vorher bereits Wucherungen der Darmschleimhaut, sogenannte adenomatöse Polypen, gefunden und entfernt worden waren. Mehr über randomisierte kontrollierte Studien können Sie hier lesen.  

In der einen Studie betrug die tägliche Kalziummenge 1.200 Milligramm für circa vier Jahre. In der zweiten Studie, 2.000 Milligramm für circa drei Jahre. Nach dieser Zeit wurden dann alle Teilnehmenden erneut per Darmspiegelung untersucht, um vergleichen zu können, bei wie vielen von ihnen sich neue Polypen entwickelt hatten. Diese Menschen könnten ein höheres Risiko haben, später an Darmkrebs zu erkranken.

Studien deuten auf vorbeugende Wirkung hin

Das Ergebnis: Sehr wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind innerhalb der drei bis vier Jahre an Darmkrebs erkrankt – unabhängig von der Kalziumzufuhr. Die Anzahl der Krebserkrankungen war zu klein, um Schlüsse ziehen zu können, ob Kalzium das Darmkrebsrisiko vermindern kann. Deutlicher zeichnete sich eine Wirkung auf Polypen ab. Bei 23 von 100 Personen, die Kalziumpräparate eingenommen hatten, ist mindestens ein neuer Darmpolyp herangewachsen (23 %). Dagegen bildete sich bei 29 von 100 Teilnehmenden in der Placebogruppe mindestens ein neuer Polyp (29 %). Der Unterschied spricht für eine vorbeugende Wirkung, allerdings bleiben die Cochrane-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler vorsichtig. Eine Maßnahme, die das Wachstum von gutartigen Polypen abbremst, muss nicht unbedingt auch gegen Darmkrebs wirksam sein. Es lohnt sich aber, der Frage weiter nachzugehen.

Kalzium in Kombination mit Vitamin D

In einer großen amerikanischen Studie, der Women`s Health Initiative (WHI) Studie, wurde untersucht, ob ein vergleichsweise gering dosiertes Kalziumpräparat, das auch Vitamin D enthält, vor Darmkrebs schützen kann. An dieser Studie nahmen mehr als 36.200 Frauen nach den Wechseljahren teil, deren Darmkrebsrisiko nicht besonders hoch ist. Die Teilnehmerinnen nahmen das Präparat im Durchschnitt sieben Jahre lang. In dieser Zeit zeigte sich kein vorbeugender Effekt gegen Darmkrebs.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane-Übersicht schlussfolgerten, dass sich die WHI-Studie nicht optimal eignet, um zu klären, ob Kalzium vor Darmkrebs schützen kann oder nicht. Ein Grund dafür ist, dass die Teilnehmenden Kalzium nur in Kombination mit Vitamin D eingenommen haben. Man kann dadurch nicht klären, welchen Einfluss das Kalzium und welchen das Vitamin D für sich genommen haben. Mehr über Darmkrebs und Vorbeugung von Darmkrebs lesen Sie in unserem Spezial.

Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein mögliches Risiko für Herzinfarkte ermittelt, wenn Menschen Kalziumpräparate anwenden, die bereits mit ihrer Nahrung mehr als 800 mg Kalzium pro Tag zu sich nehmen. Kalziumpräparate mit Vitamin D zu kombinieren, könnte diesen Effekt reduzieren. Mit unserem Kalziumrechner können Sie ermitteln, ob Sie ausreichend oder zu viel Kalzium zu sich nehmen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:14
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Bolland MJ, Avenell A, Baron JA, Grey A, MacLennan GS et al. Effect of calcium supplements on risk of myocardial infarction and cardiovascular events: meta-analysis. BMJ 2010: 341: c3691. [PubMed-Zusammenfassung]

    Wactawski-Wende J, Kotchen JM, Anderson GL, Assaf AR et al (Women's Health Initiative Investigators). Calcium plus vitamin D supplementation and the risk of colorectal cancer. N Engl J Med 2006; 354: 684-696. [Volltext]

    Weingarten MA, Zalmanovici A, Yaphe J. Dietary calcium supplementation for preventing colorectal cancer and adenomatous polyps. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2010, Issue 9. CD003548 [PubMed-Zusammenfassung]

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