Chronische Wunden: Bessere Heilung durch Vakuumtherapie?

Foto: Frau im Garten

Es gibt Hinweise, dass chronische und großflächige Wunden durch eine Vakuumversiegelungstherapie besser heilen könnten. Ob die Therapie mit Unterdruck generell besser ist als eine herkömmliche Wundbehandlung, müssen weitere Studien klären.

Die meisten Wunden heilen innerhalb von einigen Tagen oder Wochen von selbst oder mithilfe einer Naht, eines Pflasters oder eines Verbands. Insbesondere bei jungen Menschen ist die Wundheilung meist unproblematisch. Es gibt jedoch Wunden, zum Beispiel offene Wunden am Bein oder Druckgeschwüre, die sich manchmal erst nach Monaten wieder schließen. Bei großflächigen Wunden, beispielsweise nach Verbrennungen, ist es oft nötig, Haut von anderen Körperteilen auf die Wunden zu verpflanzen, damit sie sich schließen können.

Als chronische Wunde bezeichnen Mediziner eine Wunde, wenn sie nicht richtig ausheilt oder immer wieder aufbricht. Eine der Ursachen chronischer Wunden ist eine schlechte Durchblutung des verletzten Körperteils, zum Beispiel als Folge einer Diabeteserkrankung oder durch ständigen Druck auf eine Körperstelle durch langes Liegen. In unserem Merkblatt können Sie mehr über chronische Wunden lesen.

Das Prinzip der Vakuumversiegelung

Eine Möglichkeit der Behandlung schlecht heilender Wunden ist die Vakuumversiegelungstherapie, die es seit 1995 gibt. In Deutschland wird ein Vakuumversiegelungssystem mit dem Handelsnamen "V.A.C. Therapy" angewendet. Die Abkürzung "V.A.C." steht für das englische "vacuum-assisted closure" und bedeutet übersetzt so viel wie "von Unterdruck begleiteter Verschluss".

Bei der Vakuumversiegelung wird die Wunde einem Unterdruck ausgesetzt. Dadurch soll sie sich besser schließen. Das Vakuumversiegelungssystem zur Wundversorgung wird in einigen Krankenhäusern zur Therapie chronischer oder großflächiger Wunden zum Beispiel nach Hauttransplantationen eingesetzt. Menschen mit schlecht heilenden Wunden können dieses System aber auch selbst zu Hause anwenden. Die Wunden können entweder rund um die Uhr oder in zeitlichen Abständen unter Unterdruck gesetzt werden. Einige der Vakuumsysteme sind tragbar und können mit aufladbaren Akkus betrieben werden.

Wie bei jeder chronischen Wunde säubern Ärzte oder Pfleger zur Vorbereitung der Behandlung zunächst die Oberfläche und die Ränder der Wunde und entfernen abgestorbenes Gewebe und Wundsekret. Danach bedecken sie die Wunde mit einem sterilen Schwamm und fixieren ihn mit einer Folie luftdicht auf der umliegenden Haut. Auch bei tiefen Wunden wird die gesamte Wundoberfläche mit einem Schwamm bedeckt. Dieser wird in der Regel jeden zweiten Tag, bei entzündeten Wunden auch öfter gewechselt. Aus dem Schwamm führt ein kleiner Schlauch nach außen, der an eine Pumpe mit einem Behälter angeschlossen ist. Die Pumpe saugt ständig Wundsekret aus der Wunde ab, wodurch im Wundbereich ein gleichmäßiger Unterdruck entsteht. Dieser soll die Durchblutung der Wunde erhöhen. Die Versiegelungstherapie hält die Wunde ständig gleichmäßig feucht, was ebenfalls den Heilungsprozess fördern soll.

Die Pumpe schränkt die Beweglichkeit des Patienten ein und verursacht Geräusche. Manche Patienten empfinden die Behandlung daher als störend. Das Wechseln von Schwamm und Schlauch kann schmerzhaft sein und geringe Blutungen auslösen. Wenn der Unterdruck in der Wunde zu groß ist, kann auch dies Schmerzen verursachen. Um den Druck in der Wunde im gewünschten Bereich zu halten, sind die Geräte mit einem Warnsystem ausgestattet, das sich bei zu niedrigem oder zu hohem Druck bemerkbar macht.

Welchen Nutzen hat die Vakuumversiegelungstherapie?

Um herauszufinden, welche Vor- und Nachteile die Vakuumversiegelungstherapie hat, werteten Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zusammen mit Forschern des Kölner Instituts für Forschung in der Operativen Medizin (FOM) die wichtigsten verfügbaren Studien zu diesem Thema aus. Die Wissenschaftler fanden 28 Studien, an denen insgesamt knapp 1100 Patienten teilnahmen.

Die geringe Qualität der Studien lässt jedoch derzeit keinen Schluss darüber zu, ob eine Vakuumversiegelungstherapie für manche Patienten oder bestimmte Wunden besser ist als eine herkömmliche Wundbehandlung. Die Studien verglichen die Versiegelung mit ganz unterschiedlichen Wundbehandlungen an verschiedenen Wunden. Bei den Verbandswechseln wurden verschiedene Wundauflagen angewendet und es wurde teilweise zusätzlich mit Verfahren wie der "Wundtoilette" (engl.: Debridement) behandelt. Studienteilnehmer waren vor allem Patienten im Krankenhaus, weshalb auch keine Aussagen über den häuslichen Einsatz der Therapie möglich sind.

Einige der geprüften Studien weisen darauf hin, dass sich die Wundfläche durch eine Vakuumversiegelungstherapie schneller verkleinert. Dies könnte einen kleinen Vorteil der Vakuumversiegelung gegenüber einer herkömmlichen Wundbehandlung bedeuten. Die Studien konnten jedoch nicht ausreichend beantworten, ob durch die Vakuumversiegelung die Wunden tatsächlich schneller heilten, ob weniger Komplikationen auftraten oder ob die Menschen weniger Schmerzen hatten. Die verfügbaren Daten liefern auch nicht genügend Informationen darüber, ob und welche unerwünschten Wirkungen bei der Versiegelungstherapie auftreten. Die Studien trafen zudem keine Aussagen zur Lebensqualität der Menschen während und nach der Therapie, darüber, welche Behandlung sie bevorzugten und wie das kosmetische Ergebnis nach der Vakuumversiegelung aussah.

Die IQWiG Wissenschaftler schließen aus den vorhandenen Studien, dass die Vakuumversiegelungstherapie für den Heilungsprozess mancher Wunden möglicherweise von Vorteil sein kann. Die Forschungsergebnisse reichen aber nicht aus, um zu beurteilen, ob die Vakuumversiegelung zur Behandlung chronischer Wunden generell besser geeignet ist als eine andere Methode der Wundversorgung. Weitere aussagekräftige Untersuchungen sind daher nötig, in denen die Vor- und Nachteile der Vakuumversiegelung geprüft werden.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.


  • Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2011 14:28
  • Erstellt am: 14. Dezember 2007 12:16
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  • Quellen:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Vakuumversiegelungstherapie von Wunden. Abschlussbericht N04-03. Version 1.0. Köln: IQWiG. März 2006. [Volltext]

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Vakuumversiegelungstherapie von Wunden - Rapid Report. Abschlussbericht N06-02. Version 1.0. Köln: IQWiG. Januar 2007. [Volltext]

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