Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Was hilft Menschen mit COPD rauchfrei zu werden?
Eine Nikotinersatztherapie kann zusammen mit einem Entwöhnungsprogramm Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung helfen, mit dem Rauchen aufzuhören – und nicht so schnell wieder anzufangen. Das Medikament Bupropion kann ebenfalls helfen, führt aber häufig zu unerwünschten Wirkungen.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine andere Bezeichnung für eine chronische Bronchitis oder ein Lungenemphysem. Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind die Bronchien dauerhaft entzündet und / oder die Lungenbläschen teilweise zerstört. Das Wort obstruktiv meint, dass die Atemwege verengt oder eingeengt sind. Bei Menschen mit Asthma können sich die Atemwege zum Beispiel ebenfalls entzünden und verengen. Bei Asthma lässt sich die Verengung durch Medikamente rückgängig machen. Bei COPD ist dies jedoch nicht möglich. Menschen können COPD und Asthma gleichzeitig haben. COPD ist jedoch häufiger als Asthma. Ausführliche Informationen zum Thema COPD finden Sie in unserem Spezial.
Eine COPD tritt nicht plötzlich auf, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Husten ist gewöhnlich der erste Hinweis auf eine COPD. Andere typische Anzeichen sind pfeifende Atemgeräusche, häufige Erkältungen und das Abhusten von zähem Schleim aus den Atemwegen. Menschen mit fortgeschrittener COPD bekommen nur noch schwer Luft. Sie können schon bei geringen körperlichen Anstrengungen wie Treppensteigen, Hausarbeit oder einem Spaziergang außer Atem kommen.
COPD kann verschiedene Ursachen haben: Beispielsweise kann das Einatmen von schädlichen Stäuben oder Gasen bei bestimmten Berufen ein Grund für COPD sein. Manchmal ist auch eine Stoffwechselerkrankung dafür verantwortlich. Meistens tritt COPD jedoch bei Menschen auf, die über viele Jahre geraucht haben. Die Atemwege können nicht repariert werden. COPD lässt sich daher nicht heilen.
Rauchentwöhnung für Menschen mit COPD
Die meisten Menschen wissen, dass Rauchen den Lungen schadet. Aber manche fragen sich, ob es schon zu spät dafür ist, damit aufzuhören, wenn sie bereits eine chronische Lungenerkrankung haben. Andere fragen sich, ob Maßnahmen, die gesunden Menschen bei der Rauchentwöhnung helfen, auch bei Menschen mit COPD funktionieren. Einerseits wäre es logisch, dass Menschen, deren Lungen bereits Schaden genommen haben, motivierter sind, mit dem Rauchen aufzuhören. Andererseits könnte es ihnen auch schwerer fallen, insbesondere, wenn sie schon lange und viel rauchen.
Es gibt verschiedene Maßnahmen und Mittel, die dabei helfen können, nicht mehr zur Zigarette zu greifen. Hier können Sie mehr darüber erfahren. Vielen Menschen gelingt es ohne Hilfe, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber den meisten gelingt es erst nach mehreren Anläufen oder mit Unterstützung. Häufig werden Nikotinersatztherapien wie zum Beispiel Nikotinpflaster oder -kaugummis zusammen mit unterstützenden Beratungen oder Entwöhnungsprogrammen eingesetzt. Nikotinkaugummis, -pflaster und -lutschtabletten sind in Deutschland apothekenpflichtig, aber ohne Rezept erhältlich. Manche Menschen nehmen andere Medikamente zur Rauchentwöhnung ein, zum Beispiel Bupropion.
Studien zur Rauchentwöhnung bei COPD
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben Studien zu der Frage ausgewertet, was Menschen mit COPD helfen kann, rauchfrei zu werden. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das es sich zu Aufgabe gemacht hat, den Nutzen und Schaden medizinischer Interventionen systematisch zu untersuchen.
Die Wissenschaftlergruppe hat nur sogenannte randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet, da diese die zuverlässigsten Ergebnisse liefern. In solchen Studien werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei (oder mehrere) Gruppen aufgeteilt. Daraufhin erhält eine Gruppe die zu untersuchende Behandlung (sie wird auch Interventionsgruppe genannt), während eine oder mehrere andere Gruppen eine andere Behandlung, ein Scheinmedikament (Placebo) oder gar keine Behandlung bekommt. Am Ende der Studie wird dann zum Beispiel verglichen, wie viele Personen aus den jeweiligen Gruppen aufgehört haben zu rauchen. Daraus lässt sich ableiten, wie wirksam die Behandlungen waren. Mehr darüber, warum solche Studien notwendig sind, können Sie hier nachlesen.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben 5 Studien mit knapp 6500 Teilnehmenden gefunden. Die meisten Teilnehmenden verteilten sich auf zwei der fünf Studien: An der sogenannten „Lung Health Study“ (Lungengesundheitsstudie) nahmen mit knapp 5900 Personen mit Abstand am meisten Menschen teil. An der zweiten größeren Studie nahmen rund 400 Menschen mit COPD teil. Bei fast allen befand sich die Erkrankung noch im Anfangsstadium: Sie fühlten sich zwar nicht krank, Messungen der Lungenfunktion zeigten jedoch, dass sie eine frühe COPD hatten. Ob die Ergebnisse auch für Menschen mit einer fortgeschritteneren COPD gelten, lässt sich anhand dieser Studien nicht beantworten.
An der Lung Health Study nahmen sowohl Menschen teil, die sehr viel rauchten, als auch Menschen, die weniger rauchten (beispielsweise weniger als 25 Zigaretten am Tag). Es wurde untersucht, ob ein Entwöhnungsprogramm in Verbindung mit einer Nikotinersatztherapie mit Nikotinkaugummis dabei hilft, rauchfrei zu werden. An der Studie nahmen Männer und Frauen teil, die im Durchschnitt 48 Jahre alt waren. Viele von ihnen hatten schon ein- oder mehrmals versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Lung Health Study hatte drei Vergleichsgruppen: Die Teilnehmenden einer Gruppe nahmen an einer Rauchentwöhnung teil und nahmen zusätzlich ein COPD-Medikament, das sie mittels Inhalator drei Mal am Tag anwendeten. Eine zweite Gruppe machte ebenfalls die Rauchentwöhnung, erhielt jedoch statt des COPD-Medikaments ein Placebo. Die Teilnehmenden der dritten Gruppe erhielten weder eine spezielle Rauchentwöhnung noch ein Medikament.
Das Entwöhnungsprogramm in der Lung Health Study arbeitete mit einem festen Rauchstopp-Tag: Ab diesem Tag sollten die Teilnehmenden nicht mehr zur Zigarette greifen. In der Zeit vor und nach dem Rauchstopp lernten sie in wöchentlichen Gruppentreffen verschiedene Strategien, die ihnen dabei helfen sollten, diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Dies waren zum Beispiel Möglichkeiten zur Stressbewältigung und Tipps, wie man Rückfällen vorbeugen kann. Das Programm dauerte insgesamt 10 Wochen.
In der anderen größeren Studie wurde das Medikament Bupropion zusätzlich zu unterstützenden Beratungen erprobt. Bupropion ist ein Mittel gegen Depressionen, das auch zur Rauchentwöhnung zugelassen ist. Es wird im Rahmen einer Rauchentwöhnung für ungefähr 2 Monate eingenommen. Das Mittel ist allerdings rezeptpflichtig und muss daher von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben werden. Bupropion hat mehr unerwünschte Wirkungen als eine Nikotinersatztherapie. Hier können Sie mehr darüber nachlesen.
Wer eine Nikotinersatztherapie und eine Entwöhnung machte, schaffte es eher, rauchfrei zu werden
Die Kombination aus einer Nikotinersatztherapie und einem 10-wöchigen Entwöhnungsprogramm in der Lung Health Study half einigen Menschen mit COPD im Anfangsstadium dabei, ein Jahr lang nicht mehr zu rauchen. Viele dieser Menschen blieben auch langfristig rauchfrei: Noch fünf Jahre danach schafften es über 20 % der Teilnehmenden von Entwöhnungsprogrammen, nicht wieder zur Zigarette zu greifen (20 von 100 Personen). Aus der Vergleichsgruppe, die nicht daran teilnahmen, blieben hingegen nur 5 % rauchfrei (5 von 100 Personen).
Die meisten Menschen vertragen eine Nikotinersatztherapie gut. Bei manchen Menschen rufen Nikotinpflaster jedoch Hautreizungen und -rötungen hervor. Nikotinkaugummis verursachen gelegentlich Kieferschmerzen oder Magen-Darm-Probleme. Weitere Informationen zur Nikotinersatztherapie finden Sie hier.
Bupropion half zusammen mit einer unterstützenden Beratung ebenfalls dabei, das Rauchen aufzugeben. 15 von 100 Studienteilnehmenden, die es nahmen, schafften es, für mindestens sechs Monate nicht mehr zur Zigarette zu greifen (15 %). Von 100 Personen, die ein Scheinmedikament (Placebo) nahmen, hatten nach sechs Monaten nur 9 mit dem Rauchen aufgehört (9 %). Das heißt, dass 6 % der Studienteilnehmenden von Bupropion profitierten (6 von 100 Menschen). Da die Bupropion-Studie nur 6 Monate dauerte, ist unklar, ob das Medikament auch längerfristig dabei hilft, rauchfrei zu bleiben.
Bupropion führt häufig zu unerwünschten Wirkungen wie Schlafstörungen, Mundtrockenheit oder Übelkeit. Außerdem besteht ein geringes Risiko für Krampfanfälle. Da die unerwünschten Wirkungen im Einzelfall schwerwiegend sein können, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile von Bupropion gut gegeneinander abzuwägen. Die US-Zulassungsbehörde FDA hat außerdem Sicherheitsbedenken angemeldet, da Menschen nach der Anwendung von Bupropion in einzelnen Fällen Depressionen oder Selbsttötungsgedanken hatten und sich ungewöhnlich verhielten. Mehr dazu können Sie hier lesen. Die in Europa zuständigen Behörden haben keine Sicherheitsbedenken geäußert.
Seit der Forschungsarbeit der Cochrane-Wissenschaftlergruppe wurden weitere Studien zur Rauchentwöhnung bei COPD durchgeführt. Sie deuten darauf hin, dass eine Nikotinersatztherapie mit einer Entwöhnung oder unterstützenden Beratung auch bei fortgeschrittenerer COPD hilft, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Lung Health Study ist aber nach wie vor die bedeutendste Studie zu diesem Thema.
Wie wirkt sich eine Rauchentwöhnung auf die Gesundheit aus? Leider werden die Teilnehmenden in den meisten Studien nicht lange genug nachuntersucht, um diese Frage schlüssig zu beantworten. Im Falle der Lung Health Study war es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jedoch möglich, anhand von Daten aus Sterberegistern in den USA zu prüfen, was aus 98 % der Teilnehmenden 15 Jahre nach Beginn der Studie geworden ist. Dabei zeigte sich, dass die Teilnahme an diesen Entwöhnungsprogrammen die Lebenserwartung deutlich erhöht hat.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 15. April 2010 10:05
- Erstellt am: 13. April 2010 10:08
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