Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Können Rehabilitationsprogramme auf der Basis von körperlichem Training und Schulung etwas bewirken?

Eine pulmonale Rehabilitation kann Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern. Sie kann bei einer fortgeschrittenen COPD zu weniger Krankenhausaufenthalten führen und die Lebenserwartung erhöhen.
Bei einer COPD (chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung) ist die Lunge dauerhaft geschädigt und die Bronchien sind ständig verengt. Ursache ist entweder eine chronische Entzündung der Bronchien (Bronchitis), in den meisten Fällen als Folge des Rauchens, oder eine dauerhafte Schädigung der Lungenbläschen (Emphysem). Häufig tritt auch beides gleichzeitig auf.
Unabhängig von der Ursache äußert sich eine COPD immer ähnlich: Die wichtigsten Symptome sind anhaltender Husten, vermehrte Bildung von zähflüssigem Schleim und Atemnot vor allem bei körperlicher Belastung, da die Lunge nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann.
Die COPD ist eine fortschreitende chronische Erkrankung: Ein einmal entstandener Schaden an der Lunge bildet sich nicht mehr zurück. Dies führt bei den Betroffenen allmählich zur Einschränkung ihrer Alltagsaktivitäten, da der Körper für seine Funktionen Sauerstoff benötigt. Wie schnell eine COPD fortschreitet, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden und kaum vorhersagbar.
Bei Menschen mit COPD kann sich die Krankheit von Zeit zu Zeit plötzlich deutlich verschlimmern. Solche Episoden werden als Exazerbationen bezeichnet. Diese äußern sich meistens durch akute Atemnot, mehr Husten und gelb-grün verfärbten eitrigen Auswurf. In der Regel müssen Patientinnen und Patienten bei einem solchen Krankheitsschub ärztlich behandelt werden. Bei einigen kann auch eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus notwendig werden, damit sich ihr Zustand wieder stabilisiert. Die akute Atemnot kann beängstigend sein, sodass sich die Betroffenen vor weiteren Krankheitsschüben fürchten. Hier erfahren Sie mehr über COPD und wie andere Menschen mit dieser Krankheit leben.
Die Behandlung der COPD umfasst verschiedene Arten von Therapien und Unterstützung
Rauchen reizt und schädigt die Lunge und beschleunigt dadurch das Fortschreiten der Krankheit. Wer es schafft, rauchfrei zu werden, trägt daher entscheidend dazu bei, dass sich die COPD nicht so schnell verschlimmert. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist jedoch nicht leicht, wenn man schon viele Jahre zur Zigarette greift. Daher bietet die COPD-Therapie Unterstützung bei der Rauchentwöhnung. Daneben umfasst sie ein breites Spektrum verschiedener Behandlungen. Sie alle verfolgen das Ziel, Krankheitsschübe zu verhindern, das Atmen zu erleichtern und bestimmten Erkrankungen wie etwa einer Grippe möglichst vorzubeugen, da sie die Beschwerden verschlimmern können.
Das Leben mit COPD ist kompliziert, aber es gibt zahlreiche Maßnahmen, die den Betroffenen helfen können, mit ihrer Krankheit zu leben. Menschen mit COPD können beispielsweise im Rahmen eines sogenannten Disease-Management-Programms (DMP) eine koordinierte Versorgung in Anspruch nehmen. Dazu gehören etwa regelmäßige Arzttermine, Schulungen und eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Fachärzte und Kliniken. Disease-Management-Programme können Patientinnen und Patienten von ihrer gesetzlichen Krankenkasse angeboten werden. Ein Element dieser Programme und generell der Behandlung einer COPD ist die sogenannte pulmonale Rehabilitation. Mehr über Disease-Management-Programme können Sie hier lesen.
Pulmonale Rehabilitation: eine Kombination aus körperlichem Training, Schulung und Unterstützung
Menschen, die aufgrund ihrer COPD-Erkrankung geschwächt sind, fühlen sich häufig in einem Teufelskreis gefangen: Sie vermeiden körperliche Anstrengung, da diese ihre Kurzatmigkeit verstärkt. Aber der Mangel an körperlicher Bewegung mindert ihre Fitness noch mehr. Tatsächlich wird die Kurzatmigkeit bei einer dauerhaften körperlichen Schonung immer stärker und die Betroffenen schränken ihre alltäglichen Aktivitäten allmählich immer mehr ein – bis hin zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lebensqualität.
Eine pulmonale Rehabilitation ist ein Programm, das Menschen mit COPD hilft, das Ausmaß ihrer körperlichen Bewegung im Alltag auf sichere Weise zu steigern. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden ausführlich geschult, um besser mit ihrer Erkrankung umgehen zu können. Körperliches Training und Schulung sind also zentrale Bestandteile der pulmonalen Rehabilitation. Es gibt nicht nur Gruppenangebote, auch einzelne Personen können individuell zu Hause geschult werden. Die Übungen orientieren sich an der jeweiligen Person und am Grad ihrer Fitness: Zunächst beginnt man mit leichten Aktivitäten und steigert die Belastung dann schrittweise.
Das körperliche Training kann dabei sehr unterschiedlich aussehen und etwa Übungen auf dem Laufband, Fahrradergometer oder auch ein Krafttraining beinhalten. Auch die Ziele des Trainings können vielfältig sein, zum Beispiel die Muskelkraft und Ausdauer zu verbessern, damit jemand wieder längere Strecken gehen kann. Weiterhin gibt es besondere Übungen, die speziell die Lunge kräftigen, sogenannte Einatmungsübungen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der pulmonalen Rehabilitation ist es, Möglichkeiten und Wege zu finden, die für den Einzelnen wirksam sind, sodass er motiviert ist, „am Ball zu bleiben“, seine Krankheit so weit wie möglich in den Griff zu bekommen und weiterhin körperlich aktiv zu sein.
Eine pulmonale Rehabilitation kann beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt sinnvoll sein, der erforderlich geworden ist, weil sich die COPD durch eine Lungenentzündung verschlimmert hat. Mehr darüber, wann eine solche Rehabilitation infrage kommt und welche Elemente dazu gehören, erfahren Sie hier.
Wissenschaftliche Untersuchungen zur pulmonalen Rehabilitation bei Menschen mit instabiler COPD
Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration – ein internationales Forschungsnetzwerk – wollte herausfinden, welche Wirkungen die pulmonale Rehabilitation hat. Sie wollte wissen, welche Vorteile das Programm Menschen mit COPD bietet und ob es eventuell auch schaden kann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören Universitäten auf der ganzen Welt an.
Die Forscherinnen und Forscher haben nach randomisierten, kontrollierten Studien gesucht, die sich mit der pulmonalen Rehabilitation bei COPD beschäftigen. Randomisiert und kontrolliert bedeutet, dass die Studienteilnehmenden per Zufall unterschiedlichen Gruppen zugeordnet werden, sodass nicht vorhersehbar ist, wer in welche Gruppe kommt. Mehr zu randomisierten kontrollierten Studien können Sie auch hier lesen. Mit dieser speziellen Studienform kann man die Wirksamkeit einer Behandlung prüfen. Verglichen wurden die Behandlungsergebnisse von Menschen mit COPD, die eine pulmonale Rehabilitation erhalten, mit denen von Personen mit COPD, die kein solches Programm absolvieren.
Die Probanden in den Studien sollten eine COPD in einem fortgeschrittenen Stadium haben mit Beschwerden, die sich von Zeit zu Zeit verschlechtern. Wenn immer wieder Krankheitsschübe auftreten, spricht man auch von einer nicht stabilen COPD. Die Forschergruppe ging davon aus, dass jemand eine fortgeschrittene, sich von Zeit zu Zeit verschlechternde COPD hat, wenn sie oder er sich aufgrund eines Krankheitsschubs im Krankenhaus befindet oder an einem Nachsorgeprogramm teilnimmt.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden neun Studien mit knapp 430 Teilnehmenden, die kurz zuvor einen Krankheitsschub hatten. Die Studien zeigen einen Nutzen der pulmonalen Rehabilitation.
In drei dieser Studien mit insgesamt 110 Patientinnen und Patienten wurde untersucht, wie viele Personen in den folgenden beiden Jahren starben. Das Ergebnis: Die Reha-Programme konnten die Lebenserwartung erhöhen. Während 14 von 100 Teilnehmenden des Rehabilitationsprogramms starben, waren es in der Vergleichsgruppe ohne Rehabilitationsprogramm 29 von 100.
In fünf der Studien mit insgesamt 250 Teilnehmenden wurde untersucht, wie häufig Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Verschlechterung der COPD waren. Auch hier schnitten die Teilnehmenden der Rehabilitationsprogramme deutlich besser ab: 16 von 100 mussten in einem Krankenhaus aufgenommen werden, während dies bei 40 von 100 Patientinnen und Patienten mit herkömmlicher Versorgung der Fall war.
Außerdem wurden in einigen Studien Atemnot, Lebensqualität und Fitness gemessen. Das Ausmaß der Verbesserungen war von Studie zu Studie sehr unterschiedlich und die Ergebnisse teilweise widersprüchlich. Dennoch zeigte sich auch hier tendenziell, dass Menschen mit COPD von einer Rehabilitation profitieren können.
Unerwünschten Wirkungen – wie beispielsweise eine Überforderung der Teilnehmenden durch das Programm – traten in den Studien nicht auf.
Eine pulmonale Rehabilitation erfordert von den Betroffenen echte Anstrengungen – Anstrengungen, die sich jedoch lohnen können. Wenn Sie darüber nachdenken, eine pulmonale Rehabilitation in Anspruch zu nehmen, können Sie hier mehr darüber erfahren, wie sie beantragt wird.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: März 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2011 13:01
- Erstellt am: 14. März 2011 17:04
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Puhan MA, Gimeno-Santos E, Scharplatz M, Troosters T, Walters EH, Steurer J. Pulmonary rehabilitation following exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version in 2010, Issue 11. CD005305 [Volltext]
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