Brustkrebs mit Metastasen im Skelett: Können Bisphosphonate Knochenbrüchen vorbeugen?

Foto mit Frau

Frauen mit Brustkrebs-Metastasen im Skelett können durch die Einnahme von Bisphosphonaten Knochenbrüchen vorbeugen. Ob ein bestimmtes Medikament besonders wirksam ist, ist bisher nicht bekannt.

Metastasen in den Knochen sind eine gefürchtete Folge von fortgeschrittenem Brustkrebs. Sie entstehen, weil sich Zellen des Krebses irgendwo im Skelett ansiedeln und dort zu wachsen beginnen. Durch das Wachstum kann der Knochen so geschwächt werden, dass es zu schmerzhaften Brüchen kommt.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs vor solchen Brüchen zu schützen, haben Forscherinnen und Forscher in den letzten Jahren sogenannte Bisphosphonate in einer Reihe von Studien erprobt. Von diesen Wirkstoffen ist bekannt, dass sie den Abbau von Knochen abbremsen können.

Um Nutzen und Nebenwirkungen dieser Medikamente für Frauen mit Brustkrebs-Metastasen beurteilen zu können, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach entsprechenden Studien gesucht. Sie fanden 21 Studien mit knapp 7200 Teilnehmerinnen und werteten die Behandlungsergebnisse systematisch aus.

Bisphosphonate können die Knochenschädigung abbremsen

Die wichtigste Schlussfolgerung war, dass Bisphosphonate die Knochenschädigung durch Metastasen zwar nicht ganz verhindern, aber zumindest so weit abbremsen können, dass die Zahl der Brüche verringert wird. Ob ein bestimmtes Medikament besser wirkt als andere, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Nach dem Stand des Wissens haben die Mittel aber nur bei Frauen einen Nutzen, bei denen bereits Knochen-Metastasen aufgetreten sind. Bisphosphonate können demnach die Neubildung von Metastasen nicht verhindern und scheinen auch das Leben nicht zu verlängern.

Schwer wiegende unerwünschte Wirkungen wie zum Beispiel starke Magenbeschwerden, Fieber oder Kalziummangel sind in den Studien nur selten aufgetreten. Wenn Bisphosphonate zusammen mit anderen Krebsmedikamenten eingesetzt werden, erhöht sich das Risiko, dass nach einer zahnärztlichen Behandlung Probleme mit dem Kieferknochen auftreten.

Das Risiko für bestimmte, selten auftretende Brüche ist jedoch erhöht

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) berichtete im April 2011, dass Bisphosphonate in seltenen Fällen zu Oberschenkelbrüchen führen können. Allerdings erhöhen sie nur das Risiko für sogenannte untypische Ermüdungsbrüche. Das sind Brüche, bei denen eine dauerhafte Überlastung die Ursache ist und keine plötzliche, starke äußere Einwirkung. Sie machen nur einen geringen Anteil aller Oberschenkelbrüche aus. Deshalb bleibt die EMA insgesamt bei der Einschätzung, dass der Nutzen der Bisphosphonate größer ist als die Risiken.

Ermüdungsbrüche kündigen sich häufig schon Wochen oder Monate vorher an. Typische Zeichen sind Schmerzen oder ein Schwächegefühl in der betroffenen Region. Wenn Frauen, die Bisphosphonate einnehmen, solche Beschwerden am Oberschenkel wahrnehmen, ist es wichtig, dass sie ihre Ärztin oder Arzt darüber informieren. Da die Brüche auch beidseits auftreten können, ist dann eine Untersuchung beider Beine erforderlich. In den meisten der jetzt untersuchten Fälle traten die Ermüdungsbrüche erst nach mehrjähriger Einnahme von Bisphosphonaten auf.

Mehr Informationen zum Thema Brustkrebs haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


(Die letzte Aktualisierung beinhaltet nur die neuen Hinweise der EMA von April 2011, die weiteren Daten zu Vor- und Nachteilen von Bisphosphonaten wurden nicht aktualisiert.)


  • Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2011 08:57
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    European Medicines Agency (EMA). European Medicines Agency concludes class review of bisphosphonates and atypical fractures. London: EMA, 15. April 2011. [Volltext]

    Pavlakis N, Schmidt RL, Stockler MR. Bisphosphonates for breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]

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