Bluthochdruck: Was bringt körperliche Aktivität?

Foto mit Paar

Sich mehr zu bewegen kann helfen, den Blutdruck zu senken. Ob gesteigerte körperliche Aktivität auch das Risiko für Folgeerkrankungen des Bluthochdrucks beeinflusst, muss noch in Studien untersucht werden.

Bei Bluthochdruck (Hypertonie) stehen die Blutgefäße unter einem erhöhten Druck. Dies verursacht nicht unbedingt spürbare Beschwerden. Über Jahre hinweg kann ein erhöhter Blutdruck allerdings das Herz und die Gefäße schädigen und zu Gesundheitsproblemen führen. So bekommen Menschen mit Bluthochdruck häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. In Deutschland hat fast die Hälfte aller Erwachsenen einen hohen Blutdruck – Männer etwas häufiger als Frauen. Die meisten Menschen mit Hypertonie haben einen sogenannten primären Bluthochdruck. Das bedeutet, dass sich keine Erkrankung finden lässt, die für den Bluthochdruck verantwortlich ist.

Wird der Blutdruck gemessen, so erhält man zwei Werte: einen oberen, der als systolischer Blutdruck bezeichnet wird, und einen unteren Wert, den diastolischen Blutdruck. Man spricht von erhöhten Blutdruckwerten, wenn entweder der systolische Wert bei mindestens zwei Blutdruckmessungen an unterschiedlichen Tagen über 140 mmHg liegt, wenn der diastolische Wert jeweils höher als 90 mmHg ist, oder wenn sowohl der obere als auch der untere Wert bei mehreren Messungen an verschiedenen Tagen erhöht sind. Die Maßeinheit mmHg bedeutet "Millimeter Quecksilbersäule". Mehr über den Blutdruck und wie er gemessen wird, erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.674.ru.html) .

Möglichkeiten der Blutdrucksenkung

Zusätzlich zu Medikamenten gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Blutdruck dauerhaft zu senken. So wird beispielsweise empfohlen, auf sein Gewicht zu achten oder sparsam mit Salz umzugehen. Wie sich eine Gewichtsabnahme auf den Blutdruck auswirken kann, erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.401.ru.html) . Ob es etwas nützt, sich kochsalzarm zu ernähren, lesen Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.539.ru.html) . Hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.673.ru.html) beschrieben wir, welchen Nutzen verschiedene blutdrucksenkende Arzneimittel haben.

Ärztinnen und Ärzte empfehlen neben anderen Maßnahmen, sich regelmäßig zu bewegen, um langfristig den Blutdruck zu senken. Studien zeigen, dass Menschen, die sich viel bewegen, seltener einen Bluthochdruck entwickeln als Menschen, die sich wenig bewegen.

Bewertung des Nutzens von körperlicher Aktivität

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – der Herausgeber dieser Website – hat Studien analysiert, die den Nutzen von körperlicher Aktivität für Menschen mit Bluthochdruck untersucht haben. Unterstützt wurden sie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitätsklinik Graz (Österreich).

Dazu suchte die Forschergruppe nach sogenannten randomisierten kontrollierten Studien. In solchen Studien werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehr Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen können unterschiedliche Behandlungen oder keine Behandlung in Anspruch nehmen, bevor sie miteinander verglichen werden. Mehr dazu, warum solche Studien wichtig sind, um den Nutzen von Behandlungen zu beurteilen, lesen Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.61.ru.html) . In unserem Fall sollten alle Studien folgende Patientengruppen miteinander vergleichen: Eine Gruppe, die angehalten wurde, sich über einen längeren Zeitraum mehr zu bewegen, und eine Gruppe ohne Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Gemeint waren beispielsweise Aktivitäten wie Radfahren, Laufen, Wandern oder Schwimmen.

Für Menschen, die Maßnahmen zur Blutdrucksenkung ergreifen, ist vor allem wichtig, dass dadurch langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenerkrankungen gesenkt werden kann. Deshalb wertete die Forschergruppe die Studien daraufhin aus, ob mehr Bewegung Folgeerkrankungen und Todesfälle durch Bluthochdruck verhindern konnte und wie mehr Bewegung die Lebensqualität beeinflusst. Zusätzlich erfasste sie, wie sich die Blutdruckwerte über die Zeit veränderten und ob die Teilnehmenden weniger Blutdruckmedikamente benötigten.

Die IQWiG-Forschungsgruppe fand nur Studien mit einer Dauer von 6 bis 12 Monaten. Insgesamt beteiligten sich rund 840 Menschen mit erhöhtem Blutdruck an den Studien. An den meisten dieser insgesamt 8 Studien nahmen höchstens 20 Menschen pro Studiengruppe teil. In vier Studien wurde untersucht, welchen Einfluss regelmäßige Beratungsgespräche zu verstärkter körperlicher Aktivität haben und ob die Empfehlung, sich mehr zu bewegen, etwas bewirkt. In den anderen vier Studien wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Ausdauertrainingsprogramm vorgegeben. Bestandteile waren beispielsweise schnelles Gehen, Joggen, Radfahren oder Aerobic. Ob diese körperlichen Aktivitäten zu beispielsweise weniger Herzinfarkten oder Nierenerkrankungen führen, lässt sich aber auf Grund dieser Studien nicht sagen.

Bewegung senkt den Blutdruck

Alle Studien haben untersucht, wie sich gesteigerte Bewegung auf die Höhe des Blutdrucks auswirkt. Die Ergebnisse lieferten einen Hinweis, dass gesteigerte körperliche Aktivität helfen kann, den Blutdruck zu senken. Wie stark der Blutdruck abfiel, war in den Studien unterschiedlich: In den meisten Untersuchungen sank der systolische Blutdruck um durchschnittlich 5 bis 8 mmHg – zum Beispiel von 145/80 auf 138/80 mmHg. Ob Bewegung auch den diastolischen Blutdruck senken kann, ließ sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten.

Unklar bleibt, wie intensiv und wie häufig man sich bewegen muss, um den Blutdruck um ein bestimmtes Maß zu senken. Aus den Studien wurde nicht immer deutlich, wie viel die Teilnehmenden tatsächlich ihre körperliche Aktivität gesteigert hatten. So ist es möglich, dass sich nicht alle an die Empfehlung der Untersucherinnen und Untersucher gehalten haben. Diese Unsicherheit erschwert es, vom Trainingsumfang Rückschlüsse auf die dadurch erzielte Blutdrucksenkung zu ziehen.

Aus den Studien geht nicht hervor, ob Menschen, die ihre körperliche Aktivität steigern, in der Folge weniger blutdrucksenkende Medikamente benötigen. Auch zu möglichen unerwünschten Folgen von sportlicher Betätigung wie Stürzen und Verletzungen liefern die Studien keine aussagekräftigen Daten. Ebenso wurden die Auswirkungen auf die Lebensqualität bisher nur unzureichend untersucht.

Studien zu Folgeerkrankungen fehlen

Um zu beurteilen, wie sich körperliche Aktivität auf die Entwicklung von Krankheiten und die Lebenserwartung auswirkt, sind Studien erforderlich, die mehrere Jahre dauern. Denn ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt sich meist über Jahre, daher kann man nur so den möglichen Effekt einer Behandlung beurteilen. Die Forschungsgruppe fand jedoch keine Studien, die mehrere Jahre liefen und solche Langzeitfolgen untersuchten.

Auch wenn nicht bekannt ist, ob mehr Bewegung das Risiko für Folgeerkrankungen des Bluthochdrucks beeinflusst, ist es einen Versuch wert, den Blutdruck durch mehr Bewegung zu senken. Denn Bewegung hat andere gesundheitliche Vorteile. Mehr über mögliche Trainingsarten, wie sie sich in den Alltag integrieren lassen und welchen Nutzen sie bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen haben, finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/koerperliches-training.394.56.de.html) .

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: Januar 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.643.de.html?bab[subpage_id]=0-8) .


Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de (URL: http://www.g-ba.de) .


  • Erstellt am: 19. Januar 2011 09:16
  • Letzte Aktualisierung: 18. November 2011 14:53
  • Quellen:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nutzenbewertung nichtmedikamentöser Behandlungsstrategien bei Patienten mit essenzieller Hypertonie: Steigerung der körperlichen Aktivität. Rapid Report A05-21D. Version 1.0. Köln: IQWiG. August 2010. [Volltext (URL: https://www.iqwig.de/download/A05-21D_Rapid-Report_Nichtmedikamentoese_Behandlungsstrategien_bei_Hypertonie_Steigerung_der_koerperlichen_Aktivitaet.pdf) ]