Blasenentzündung: Helfen Antibiotika?

Foto von junger Frau

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung sorgt eine Antibiotika-Therapie über drei oder mehr Tage fast immer dafür, dass die Beschwerden rasch nachlassen. Wer die Medikamente fünf Tage oder länger nimmt, kann auch letzte Reste der Bakterien-Infektion beseitigen. Allerdings werden mit der Dauer der Behandlung auch unerwünschte Wirkungen häufiger.

Unkomplizierte Blasenentzündungen sind vor allem bei jungen Frauen sehr häufig: Im Durchschnitt haben sie alle ein bis zwei Jahre eine solche Entzündung. Die Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Sie macht sich normalerweise als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Diese Beschwerden können sehr unangenehm sein, schwerwiegende Gesundheitsprobleme sind aber selten. Diese können entstehen, wenn Bakterien bis in die Nieren aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) hervorrufen. Dann treten zusätzliche Beschwerden wie Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen auf. Manche Frauen erkranken auch immer wieder an einer Blasenentzündung, so dass die Infektionen dadurch zu einem ernsten Problem werden.

Frauen gehen mit Blasenentzündungen ganz unterschiedlich um. Manche warten ein paar Tage ab, ob die Beschwerden von selbst wieder verschwinden oder beherzigen gängige Tipps, wie viel zu trinken oder nach dem Geschlechtsverkehr die Blase zu entleeren. Viele entscheiden sich unter dem Druck der unangenehmen Beschwerden dafür, Antibiotika einzunehmen.    

Antibiotika helfen bei Blasenentzündungen

Antibiotika können bei Blasenentzündungen die Beschwerden schnell lindern und die Entzündung beseitigen, indem sie die Bakterien abtöten. Das haben Studien belegt, in denen eine Teilnehmergruppe Antibiotika erhielt, eine andere Gruppe dagegen ein Scheinmedikament (Placebo). Warum dieses Vorgehen für die Aussagekraft einer Studie wichtig ist, können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.61.de.html) nachlesen. In den Studien ging es den Teilnehmenden, die Antibiotika einnahmen, deutlich schneller wieder besser. Die Schmerzen und das Brennen ließen bei ihnen rasch nach – meistens innerhalb von ein bis 3 Tagen. Am Ende der ein bis 7 Tage dauernden Behandlung hatten im Durchschnitt 62 von 100 Frauen keine Beschwerden mehr (62 %). Dagegen waren nur 26 von 100 Frauen (26 %), die ein Scheinmedikament einnahmen, zu diesem Zeitpunkt beschwerdefrei.

Bei einigen Frauen traten bei der Einnahme von Antibiotika unerwünschte Wirkungen auf. Dazu zählten Magen-Darm-Probleme (zum Beispiel Übelkeit, Durchfall), Kopfschmerzen, Hautausschlag und Juckreiz. Die Studien lieferten keine Angaben dazu, ob die Antibiotika-Einnahme auch langfristig gegen Blasenentzündungen hilft.

Verschiedene Antibiotika können die Beschwerden ähnlich gut lindern

Eine Forschergruppe der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – hat versucht herauszufinden, wie effektiv die verschiedenen Antibiotika bei einer Blasenentzündung im Vergleich zueinander sind. Sie haben alle aussagekräftigen Studien in einer sogenannten systematischen Übersicht zusammengefasst. Mehr über diese Art von Forschung lesen Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.61.de.html) .

Ihr Fazit: Alle analysierten Mittel lindern die Beschwerden ähnlich gut. Dies gilt für klassische Antibiotika aber auch für Medikamente aus der Gruppe der Chinolone. Chinolone sind Wirkstoffe, die zu den Antibiotika zählen, aber etwas anders wirken. Sie blockieren ein bestimmtes Enzym, das für die bakteriellen Erreger lebensnotwendig ist. Welches Medikament im individuellen Fall angebracht ist, hängt unter anderem von folgenden Fragen ab:

  • Spricht etwas gegen die Einnahme bestimmter Antibiotika, beispielsweise Allergien, Unverträglichkeiten oder eine Schwangerschaft?
  • Welche unerwünschten Wirkungen treten bei einzelnen Antibiotika häufiger oder seltener auf als bei anderen?
  • Wie empfindlich sind die vorhandenen Erreger gegen verschiedene Antibiotika?
  • Haben sich im näheren Umfeld resistente Erreger gebildet?


Resistente Erreger sind unempfindlich gegen bestimmte Antibiotika. Diese können sich unter anderem bilden, wenn Antibiotika zu häufig eingesetzt werden. Mehr zum Problem der Resistenzen und darüber wie Sie Antibiotika sicher anwenden, lesen Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.472.de.html) .   

Antibiotika drei oder fünf Tage einnehmen

Zur Linderung der Beschwerden reicht sogar eine einzige Antibiotika-Dosis, wie sie bis vor einigen Jahren verschrieben wurde. Die Einmaltherapie lässt zwar die Beschwerden schnell abklingen, allerdings sorgen überlebende Bakterien oft für einen Rückfall. Heute werden Harnwegsentzündungen deshalb entweder durch eine dreitägige Kurztherapie oder durch eine längere Antibiotika-Einnahme über fünf oder mehr Tage behandelt.

Um die Frage zu beantworten, ob die Kurzzeit-Therapie oder aber die längere Einnahme von Antibiotika besser ist, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration für eine systematische Übersicht insgesamt 32 Studien mit über 9600 Frauen ausgewertet. Aus der Analyse haben die Wissenschaftler mehrere Schlussfolgerungen gezogen, die bei der Therapie-Entscheidung helfen können.

Das erste Ergebnis ist, dass eine dreitägige Behandlung den meisten Frauen mit einer unkomplizierten Blasenentzündung genügt, um die Beschwerden zu lindern. Eine längere Antibiotika-Einnahme war in dieser Hinsicht nicht besser, führte jedoch häufiger zu unerwünschten Wirkungen wie Magen-Darm-Problemen oder Hautausschlag.

Ein weiterer Unterschied zeigte sich bei der Untersuchung von Harnproben der Patientinnen. Während einer Blasenentzündung lassen sich Bakterien im Urin nachweisen. Nach einer dreitägigen Antibiotika-Therapie waren bei einigen Frauen immer noch Bakterien zu finden. Nach einer fünftägigen Therapie war der Urin fast aller Frauen bakterienfrei.

Ob solche Restinfektionen wirklich eine gesundheitliche Bedeutung haben, ist offen. Aus den Studien lassen sich keine klaren Schlüsse ziehen, ob es nach einer Kurzzeit-Therapie häufiger zu Rückfällen kommt. Dennoch geht es bei der Länge der Therapie um die Frage, ob für Sie ein möglicherweise erhöhtes Risiko für einen Rückfall oder unerwünschte Wirkungen mehr ins Gewicht fallen. Frauen, die möglichst sicher gehen wollen, dass die Harninfektion abgeklungen ist, bevorzugen vielleicht Antibiotika über fünf oder mehr Tage. Wenn es Ihnen hingegen wichtig ist, Antibiotika nur kurz einzunehmen, um unerwünschte Wirkungen möglichst zu vermeiden, ist eine dreitägige Therapie eine Möglichkeit.

Im Moment erarbeiten wir weitere Informationen zur Vorbeugung und Behandlung einer Blasenentzündung. Sobald sie auf unserer Website verfügbar sind, werden wir hier darauf hinweisen. Sie können unseren Newsletter (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/newsletter.69.html) abonnieren, wenn Sie immer auf dem Laufenden sein möchten, was unsere aktuellen Veröffentlichungen betrifft.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:19
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.61.de.html) . Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.


    Falagas ME, Kotsantis IK, Vouloumanou EK, Rafailidis PI. Antibiotics versus placebo in the treatment of women with uncomplicated cystitis: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Infect 2009; 58: 91-102. [PubMed-Zusammenfassung (URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19195714) ]

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