Einleitung

Foto von Mutter und kleinem Sohn beim Durchblättern eines Bilderbuchs
(PantherMedia / Erwin Wodicka)
Dass Kinder und auch Jugendliche gelegentlich ins Bett machen, ist nicht ungewöhnlich – es redet nur niemand gerne darüber. Ab einem Alter von fünf Jahren schlafen die meisten Kinder zwar nachts durch oder werden wach, wenn die Blase drückt. Doch diese Routine kann sich auch erst später entwickeln: Etwa jedes sechste Kind im Alter von fünf Jahren merkt manchmal zu spät, dass seine Blase voll ist. Wenn es dann wach wird, ist das Bett bereits nass.

Für ein Kind selbst, aber auch für seine Eltern und Geschwister kann es sehr belastend sein, wenn es nicht trocken durch die Nacht kommt – vor allem, wenn dies häufig passiert. Als „Bettnässen“ (Fachbegriff: Enuresis nocturna) wird es bezeichnet, wenn Kinder mit etwa fünf Jahren nachts immer wieder ins Bett machen, ohne dass eine körperliche Ursache dafür erkennbar wäre.

Normalerweise erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Bis dahin gibt es einige Möglichkeiten, das Kind zu unterstützen und sich als Eltern den Alltag zu erleichtern. Wecksysteme sind auf Dauer die wirksamste Methode gegen Bettnässen, kurzfristig können aber auch Medikamente helfen. Alle Methoden haben Vor- und Nachteile – und bei manchen ist Geduld nötig.

Ursachen

Die Hauptursache von Bettnässen bei Kindern und Jugendlichen ist, dass sie nicht aufwachen, wenn ihre Blase voll ist. Stattdessen entspannt sich ihr Blasenschließmuskel und die Blase entleert sich im Schlaf. Kinder, die bettnässen, tun dies nicht mit Absicht. Sie merken einfach nicht, dass ihre Blase voll ist. Einiges spricht dafür, dass bei Kindern, die bettnässen, die Reifungsprozesse etwas langsamer ablaufen, die zur Kontrolle über die Blase nötig sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass das Gehirn Nervensignale der Blase richtig erkennen und verarbeiten kann und dass das Kind lernt, bei welchen Signalen es aufwachen sollte. Auch die Kontrolle über den Schließmuskel der Blase muss sich erst entwickeln.

Der Zeitpunkt, zu dem Kinder trocken werden, wird offenbar auch von Erbfaktoren mitbestimmt. Vergleiche zwischen Familien zeigen, dass bei mehr als der Hälfte der bettnässenden Kinder auch andere Familienmitglieder betroffen waren. Einige Forscher vermuten, dass bestimmte Gene, die die Produktion des Hormons Vasopressin in der Nacht beeinflussen, eine Rolle spielen könnten. Vasopressin, auch Antidiuretisches Hormon (ADH) genannt, sorgt dafür, dass die Nieren nachts die Urinproduktion verringern. Möglich ist aber auch, dass die Tiefe des Schlafes oder die Grundspannung der Blasenmuskulatur von bestimmten Genen beeinflusst werden.

Bestimmte Faktoren können Bettnässen begünstigen, zum Beispiel wenn ein Kind Verdauungsprobleme hat oder kurz vor dem Schlafengehen koffeinhaltige Getränke wie Cola zu sich nimmt. Ob ein Kind bettnässt, hat normalerweise aber weniger damit zu tun, wie viel es vor dem Schlafengehen trinkt. Entscheidend für die Urinmenge ist vielmehr, ob der Körper ausreichend Vasopressin produziert und die Nieren rechtzeitig auf „Nachtbetrieb“ umschalten.

Es gibt eine Reihe weiterer möglicher Ursachen für Bettnässen. Sie sind bei Kindern eher selten, müssen aber unter Umständen ärztlich abgeklärt werden:

  • Schlafapnoe: Dabei setzt die Atmung während des Schlafes manchmal für einen Moment aus und führt zu einem kurzen Sauerstoffmangel im Gehirn. Dadurch kann auch die Blasenkontrolle kurzzeitig verlorengehen.
  • Nächtliche Polyurie: Bei dieser Erkrankung produzieren die Nieren nachts nicht weniger, sondern besonders viel Urin.
  • Diabetes mellitus: Manchmal sind eine gesteigerte Urinmenge und Bettnässen das erste Anzeichen einer Zuckerkrankheit.
  • Fehlbildungen des Harntrakts: Dann nässt das Kind meist auch tagsüber ein.

Häufigkeit und Verlauf

Viele Kinder machen nur ein- oder zweimal pro Monat ins Bett, anderen passiert es mehrmals in der Woche. Bei Jungen ist Bettnässen häufiger als bei Mädchen.

Das Problem löst sich mit der Zeit fast immer von selbst. Von 100 Kindern sind

  • mit sieben Jahren noch etwa 7 betroffen,
  • mit zehn Jahren etwa 5,
  • mit zwölf bis vierzehn 2 bis 3 und
  • ab 15 Jahren nur noch 1 bis 2 Jugendliche.

Es kommt vor, dass ein Kind bereits für Monate oder Jahre trocken war und plötzlich von Neuem anfängt, ins Bett zu machen. In diesem Fall spricht man von „sekundärer Enuresis“. Sie kann ein Zeichen dafür sein, dass das Kind unter psychischem Stress steht – zum Beispiel wegen familiärer Veränderungen wie der Geburt eines Geschwisterkindes oder weil es Probleme in der Familie gibt.

Sekundäres Bettnässen kann aber auch eine körperliche Ursache haben, wie zum Beispiel eine Nieren- oder Blaseninfektion oder eine Zuckerkrankheit.

Diagnose

Wenn das Bettnässen ärztlich abgeklärt werden soll, wird die Ärztin oder der Arzt zunächst versuchen, im Gespräch mit dem Kind und seinen Eltern Hinweise auf mögliche Ursachen zu finden. Dem Untersuchungsgespräch (Anamnese) schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Sie soll klären, ob die Blase und der Darm richtig funktionieren und ob der Harntrakt des Kindes normal entwickelt ist. Manchmal wird eine Urinprobe analysiert, um beispielsweise eine Harnwegsinfektion auszuschließen.

Es kann zudem hilfreich sein, ein „Urintagebuch“ zu führen. Darin wird die Zahl der Toilettengänge pro Tag, die gewöhnliche Urinmenge sowie die maximale Zeit zwischen zwei Toilettengängen notiert – außerdem Symptome wie zum Beispiel Schwierigkeiten, mit dem Urinieren zu beginnen oder aufzuhören. Ereignisse wie Mahlzeiten, Schulpausen, Spielaktivitäten oder besondere Vorkommnisse festzuhalten, kann vielleicht helfen, Zusammenhänge zu erkennen, die im Alltag bisher nicht aufgefallen sind.

Behandlung

An Produkten und Ratschlägen gegen Bettnässen mangelt es nicht. Doch nur wenige Methoden können nachgewiesenermaßen helfen. In Studien haben sich elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen oder -matten als oft auch langfristig hilfreich erwiesen. Wecksysteme registrieren Nässe und lösen einen Alarm aus, der das Kind aufwecken soll.

Medikamente haben eine niedrigere Erfolgsrate als Wecksysteme und sind für jüngere Kinder weniger geeignet. Sie wirken recht schnell, allerdings nur so lange, wie sie eingenommen werden. Daher sind sie keine dauerhafte Lösung. Sie können aber helfen, wenn ein Kind vorübergehend trocken sein muss – beispielsweise wenn es für einige Nächte nicht zuhause schläft.

Medikamente, die bei Bettnässen nachweislich helfen können, sind der hormonähnliche Wirkstoff Desmopressin und bestimmte Medikamente, die auch gegen Depressionen eingesetzt werden, sogenannte trizyklische Antidepressiva.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Vielen Eltern und Kindern hilft es bereits, zu wissen, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und viele Familien damit zu kämpfen haben – und dass sich das Problem mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von selbst erledigen wird.

Zu den praktischen Hilfen im Alltag gehört es zum Beispiel, sich gut auf nächtliche Unfälle vorzubereiten – etwa, die Matratze des Kindes durch Gummimatten oder Überzüge zu schützen und frische Bettwäsche griffbereit zu haben. Dann können sich alle möglichst schnell wieder schlafen legen.

Um Uringeruch zu vermeiden, ist es wichtig, das Kind morgens zu duschen und auf frische Kleidung zu achten. So lässt sich verhindern, dass ein Kind im Freundeskreis oder in der Schule ablehnende Reaktionen erlebt. Um den Uringeruch im Bettzeug und in der Kleidung loszuwerden, kann man bei der Wäsche zum Beispiel Soda (Natron) oder Eukalyptusöl verwenden.

Wichtig ist es, das Kind zu unterstützen, es also nicht auszuschimpfen oder gar zu bestrafen.

Mehr Wissen

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.