Basedow-Krankheit: Fängt man besser langsam mit der Therapie an?

Wenn Medikamente zu Beginn der Behandlung der Basedow-Krankheit niedrig dosiert werden, sinkt die Rate der unerwünschten Wirkungen.
Die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) ist eine häufige Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion. Sie tritt bei etwa 2 von 1000 Männern (0,2 %) und 20 von 1000 Frauen (2 %) auf. Oft führt sie zu einer sichtbaren Vergrößerung der Schilddrüse, die Schwellung am Hals wird auch als "Kropf" bezeichnet. Schwerwiegender sind jedoch die inneren Folgen der Überfunktion. Wenn die Schilddrüse zu große Mengen bestimmter Hormone herstellt, kann das eine Überaktivität des Stoffwechsels, beschleunigten Herzschlag und Nervosität auslösen.
Ursache der Basedow-Krankheit ist eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems: Es stellt Antikörper her, die die Schilddrüse wachsen und zu viele Hormone herstellen lassen. Die übermäßige Hormonproduktion lässt sich durch Medikamente drosseln, die "Thyreostatika" genannt werden. Die Behandlung mit diesen Arzneimitteln ist allerdings ein Balanceakt. Wenn sie zu niedrig dosiert werden, könnte es häufiger zu Rückfällen kommen. Sind sie zu hoch dosiert, werden unerwünschte Wirkungen zum Problem. Relativ häufig sind allergische Hautreaktionen (Auschlag), selten kommt es zu einer Verminderung bestimmter Abwehrzellen des Immunsystems. Betroffene sind dann anfälliger für Infektionen.
Im Juni 2009 hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA im Hinblick auf ein bestimmtes Thyreostatikum Sicherheitsbedenken geäußert: Das Medikament Propylthiouracil kann schwere Leberschäden verursachen. Wenn Sie es einnehmen, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zusammen den Nutzen und möglichen Schaden abwägen und sich über Warnsignale informieren.
Die Wissenschaft sucht noch nach einem Weg, für jede Patientin und jeden Patienten die beste Dosis herauszufinden. Den Stand der Forschung beschreibt eine systematische Auswertung der derzeit vorhandenen zuverlässigen Studien, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration veröffentlicht haben. Sie analysierten 26 Studien mit fast 3400 Teilnehmenden, die mindestens sechs Monate lang behandelt und mindestens ein Jahr lang nachbeobachtet worden waren. Die Auswertung zeigte, dass bislang vor allem zwei Behandlungsvarianten der Basedow-Krankheit in Studien erprobt worden sind. Die eine Strategie ist, die Therapie direkt mit einer relativ hohen Dosis zu beginnen. Die Alternative besteht darin, zuerst mit einer niedrigen Dosis anzufangen, die dann über einige Wochen hinweg gesteigert wird.
Was die unerwünschten Wirkungen angeht, zeigen die bisherigen Studien, dass die langsame Erhöhung der Dosis weniger Nebenwirkungen mit sich bringt. Von 100 so behandelten Personen hatten 9 die Behandlung abgebrochen (9 %), bei 5 von 100 entwickelte sich ein Hautausschlag (5 %). Zum Vergleich: Von 100 Menschen, die gleich die hohe Dosis erhalten hatten, brachen 16 die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab (16 %), und 10 von 100 entwickelten einen Hautausschlag (10 %).
Allerdings reicht das Wissen noch nicht aus, um beurteilen zu können, ob es bei einer dieser beiden Behandlungsvarianten häufiger zu Rückfällen kommt.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
- Letzte Aktualisierung: 05. März 2010 16:51
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Abraham P, Avenell A, McGeoch SC, Clark LF, Bevan JS. Antithyroid drug regimen for treating Graves' hyperthyroidism. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 1. [Cochrane-Zusammenfassung]
Peixoto MB, Buescu A, Goncalves MRB, Albernaz MDS et al. Antithyroid drugs for the treatment of graves disease: A randomized clinical trial. Endocrinologist 2006; 16: 344-8. [Endocrinologist-Zusammenfassung]
US Food and Drug Administration (FDA). FDA Alert: Propylthiouracil-Induced Liver Failure. Rockville: FDA. 4. Juni 2009. [Volltext]
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