Auf einen Blick: Zwischen Behandlungsalternativen wählen

Foto von Mann mit Ärztin

Wenn Sie krank sind oder ein gesundheitliches Problem haben, gibt es oft Situationen, in denen Sie sich zwischen zwei Behandlungsmöglichkeiten entscheiden müssen. Häufig fällt es leicht, sich zu entscheiden: Entweder es gibt eine für Sie geeignete Behandlung – oder keine der Behandlungsalternativen ist den Aufwand wert oder rechtfertigt die möglichen unerwünschten Wirkungen.

Manchmal wollen oder müssen Sie jedoch verschiedene Behandlungen vergleichen und deren möglichen Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen. In diesem Fall haben Sie vermutlich einige konkrete Fragen zu den einzelnen Behandlungen. Wir haben eine Liste allgemeiner Fragen entwickelt, die Ihnen dabei helfen könnte, die notwendigen Informationen zu erhalten, und so die für Sie am besten geeignete Behandlung zu finden.

Mit welcher Krankheit oder welchem Gesundheitsproblem habe ich es genau zu tun?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, mit welcher Erkrankung oder welchen Behandlungen Sie es zu tun haben, fragen Sie bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt genauer nach. Der medizinische Fachbegriff für Bluthochdruck ist zum Beispiel Hypertonie – nicht zu verwechseln mit Hypotonie, dem niedrigen Blutdruck. Solche medizinischen Fachbegriffe zu kennen, kann Ihnen dabei helfen, an mehr Informationen zu gelangen.

Ärztin und Arzt haben eine Aufklärungspflicht, das heißt, sie müssen Sie umfassend über Ihre Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Dazu gehören auch Informationen über mögliche – erwünschte oder unerwünschte – Wirkungen der Therapie.

Was wird passieren, wenn ich erst einmal abwarte?

Der medizinische Begriff dafür, wie eine Erkrankung wahrscheinlich verlaufen wird, heißt Prognose. Die Antwort auf diese Frage ist sehr wichtig: Wenn eine Krankheit innerhalb von drei Tagen von selbst ausheilt, die Behandlung aber erst am dritten Tag hilft, ist es unwahrscheinlich, dass sie sich lohnt. Menschen mit einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung sind zum Beispiel meistens innerhalb von zwei Wochen wieder gesund – unabhängig davon, ob sie Medikamente einnehmen oder nicht.

Eine Prognose kann Ihnen nicht genau sagen, was in Ihrem Fall passieren wird: Jeder Mensch ist individuell und reagiert auf Krankheiten und Behandlungen unterschiedlich. Eine zuverlässige Prognose verrät Ihnen aber zumindest, wie eine Krankheit in der Regel verläuft. Im Idealfall gibt es Informationen darüber, wie die Krankheit bei Menschen verläuft, die

  • ungefähr in Ihrem Alter sind,
  • Ihr Geschlecht haben (Frau oder Mann),
  • im ähnlichen Krankheitsstadium sind (leicht oder schwer erkrankt),
  • einen ähnlichen Gesundheitszustand haben (zum Beispiel, wenn Sie noch andere Erkrankungen haben).


Leider gibt es nicht immer Informationen zu all diesen Aspekten.

Welche Behandlungsoptionen habe ich?

Folgende Fragen könnten Sie interessieren:

  • Was kann ich selbst tun?
  • Welche Medikamente es gibt (rezeptpflichtige und frei verkäufliche)?
  • Gibt es eine operative Behandlung oder andere Verfahren?
  • Welche alternativ- oder komplementärmedizinischen Behandlungen gibt es?


Bei allen Optionen, für die Sie sich interessieren, ist es wichtig, die richtige Bezeichnung dafür zu kennen – für den Fall, dass Sie Fragen dazu an andere haben oder nach weiteren Informationen suchen. 

Praktische Informationen können auch hilfreich sein: Wo kann ich die Behandlung erhalten? Wie viel Zeit wird sie beanspruchen? Was könnte sie kosten? Wie sehr schränkt sie mein alltägliches Leben ein?

Was sind die möglichen Vor- und Nachteile der Behandlungen, die ich in Erwägung ziehe?

Alle Behandlungen können unerwünschte Wirkungen haben, auch wenn sie oft zu vernachlässigen sind. Um Nutzen und Schaden abwägen zu können, könnten folgende Fragen hilfreich sein:

  • Wie wahrscheinlich ist es, das mir die Behandlung nützt?

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass die Behandlung unerwünschte Wirkungen hat?

  • Wie groß ist der Nutzen oder der Schaden der Behandlung? (Werde ich zum Beispiel eine leichte Besserung verspüren oder wieder vollständig gesund sein?)

  • Wann wird die Wirkung eintreten, und wie lange hält sie an? (Wird die Behandlung unmittelbar wirken? Zu welcher Tageszeit muss ich mit unerwünschten Wirkungen oder Nebenwirkungen rechnen?)

  • Was ist die niedrigste Dosis, mit der das Medikament noch einen Nutzen für mich hat? (Dies ist wichtig, um unerwünschte Wirkungen möglichst zu vermeiden.)

  • Können andere Therapien, die ich einsetze, die Behandlung beeinflussen? Dazu gehören auch komplementäre Therapien (auch als Alternativmedizin bezeichnet) und Nahrungsergänzungsmittel.

  • Wird die Behandlung meinen Alltag beeinträchtigen, zum Beispiel die Fähigkeit zu arbeiten, Auto zu fahren, für meine Familie da zu sein oder unter Leute zu gehen?

  • Wo kann ich die Behandlung erhalten?


Wie gut sind die Behandlungen untersucht?

Behandlungen können schon lange etabliert und daher in ihren Wirkungen gut untersucht sein und als Standard gelten – oder sie sind relativ neu oder noch in der Überprüfung nach der Zulassung. Wenn ein Arzneimittel seit weniger als fünf Jahren auf dem Markt ist, gilt es als relativ neue Behandlung. Das bedeutet, dass man auch noch nicht so viel über seine unerwünschten Wirkungen weiß – besonders bei Menschen mit mehr als einem Gesundheitsproblem.

Für viele Krankheiten und ihre Behandlungen ist unser Wissen über Nutzen und unerwünschte Wirkungen nicht vollständig. Im Idealfall kann jemand, der Sie mit Informationen versorgt, Ihnen auch dabei helfen, nachzuvollziehen, wie wissenschaftlich fundiert die Informationen sind.

Zu einigen Themen haben wir detaillierte Informationen erarbeitet. Wenn Sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren, klicken Sie auf den jeweiligen Titel:

Unerwünschte Wirkungen

Nahrungsergänzungsmittel und komplementärmedizinische Produkte

Warum es wichtig ist, Behandlungen in randomisierten kontrollierten Studien zu prüfen

Außerdem stellen wir eine Entscheidungshilfe (als PDF-Datei) zum Thema Behandlungsalternativen zur Verfügung. Eine Entscheidungshilfe ist eine strukturierte Patienteninformation. Nicht jeder findet eine Entscheidungshilfe sinnvoll und ein solches Instrument kann Ihnen keine Entscheidung abnehmen. Sie kann es aber erleichtern, verschiedene Sachverhalte sowie Ihre persönlichen Einstellungen und Werte gegeneinander abzuwägen.

Wenn Sie mehr Informationen benötigen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen Fachkraft in Gesundheitsfragen oder fragen Sie in der Apotheke nach. Wenn Sie neue Informationen gefunden haben, könnte es hilfreich sein, für Sie wichtige Aspekte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen. Auch der Austausch mit anderen kann Ihnen dabei helfen, herauszufinden, was Ihnen wichtig ist. Sie können sich beispielsweise an Patientenberatungsstellen und andere Patientenorganisationen wenden. Jede Entscheidung in Gesundheitsfragen ist aber letztlich eine persönliche und individuelle: Was für andere richtig ist, muss nicht auch für Sie die beste Wahl sein.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Erstellt am: 15. September 2006 15:48
  • Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2009 11:05
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, Bundesministerium der Justiz. Patientenrechte in Deutschland – Leitfaden für Patientinnen/Patienten und Ärztinnen/Ärzte. Berlin: BMGS, BMJ. [Volltext]

    Dierks M-L, Seidel G, Schwartz FW, Horch K. Bürger- und Patientenorientierung im Gesundheitswesen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 32. Berlin: Robert Koch-Institut. 2006. [Volltext]

    National Health and Medical Research Council (NHMRC). General guidelines for medical practitioners on providing information to patients. Canberra: Commonwealth of Australia. 2004. [Volltext]

Hierzu passende Themenbereiche:

Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:

Bewertet durch

„Relevant, objektiv und unabhängig“

Links zum Glossar

Sollen die Glossarbegriffe verlinkt werden?

Thema abonnieren

Nutzerbefragung

Um unsere Webseite laufend zu verbessern, benötigen wir Ihre Mithilfe.
Bitte nehmen Sie hierzu an unserer Befragung teil.