Auf einen Blick: Darmkrebs – Früherkennung und Vorsorge
Ab 50 haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf Früherkennungsuntersuchungen von Darmkrebs. Ob Sie daran teilnehmen und welche Untersuchung Sie wählen, ist Ihre persönliche Entscheidung. Diese Information soll Sie über die Vor- und Nachteile verschiedener Untersuchungsverfahren informieren und Sie bei Ihrer Entscheidung unterstützen.
Wie kann ich von der Früherkennung profitieren?
Durch Früherkennungsuntersuchungen sollen Darmkrebs oder Vorstufen von Darmkrebs entdeckt werden, bevor Beschwerden auftreten. Dahinter steckt der Gedanke, dass Darmkrebs im frühen Stadium erfolgreicher und schonender behandelt werden kann. Eine Darmspiegelung bietet außerdem die Möglichkeit, Darmkrebs vorzubeugen, indem gutartige Vorstufen, sogenannte Darmpolypen, während der Untersuchung entfernt werden. So soll verhindert werden, dass sich eventuell aus einem Darmpolypen Krebs entwickelt.
Welche Möglichkeiten zur Früherkennung von Darmkrebs gibt es?
Die Früherkennungsuntersuchungen auf Darmkrebs richten sich an Personen im Alter von 50 bis 75 Jahren ohne deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko. Wenn Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben Sie die Wahl zwischen den folgenden beiden Methoden, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden.
- Der Test auf verborgenes Blut im Stuhl (chemischer Stuhltest)
- Die große Darmspiegelung (Koloskopie)
Eine dritte Variante ist die kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie). Diese Untersuchung wird in Deutschland im Rahmen der Früherkennung jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Mehr dazu, welche Früherkennungsuntersuchungen von der Krankenkasse bezahlt werden, finden Sie hier.
Der Stuhltest
Beim Stuhltest wird der Stuhl auf Blutspuren untersucht, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind und auf Darmkrebs oder fortgeschrittene Darmpolypen hinweisen können. Der Vorteil des Tests liegt darin, dass er einfach durchzuführen ist und keine direkten unerwünschten Wirkungen hat. Allerdings ist er relativ ungenau: Viele auffällige Testergebnisse erweisen sich im Nachhinein als falscher Alarm. Zudem übersieht der Stuhltest viele Tumore. Da der Stuhltest nicht dazu geeignet ist, Darmkrebs oder Polypen sicher festzustellen, können Sie eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen, wenn sich Blutspuren im Stuhl finden. Auch nur dann können Sie vom Stuhltest profitieren.
Studien belegen, dass die Früherkennung mit einem Stuhltest das Risiko verringern kann, an Darmkrebs zu sterben, wenn der Test über mehr als zehn Jahre mindestens alle zwei Jahre angewendet wird: In Studien zeigt sich folgendes:
- Von 1000 Menschen, die den Test nicht gemacht haben, starben etwa 10 an Darmkrebs.
- Von 1000 Menschen, die den Test regelmäßig anwendeten, starben 8 bis 9 an Darmkrebs.
Durch die Früherkennung können also ein bis zwei von 1000 Menschen davor bewahrt werden, an Darmkrebs zu sterben.
Da der Stuhltest oft falschen Alarm schlägt, kann er Menschen jedoch auch unnötig in Sorge versetzen. Zudem übersieht der Test manche bösartigen Tumore. Bei einer Folgeuntersuchung mittels Darmspiegelung kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen.
Gesetzlich Krankenversicherte haben im Alter von 50 bis 54 jährlich Anspruch auf einen Stuhltest. Ab 55 kann alle zwei Jahre ein Stuhltest durchgeführt werden.
Die große Darmspiegelung (Koloskopie)
Alternativ zum Stuhltest können Sie ab 55 Jahren zwei Mal eine große Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Zwischen den beiden Spiegelungen müssen mindestens zehn Jahre liegen.
Bei einer großen Darmspiegelung wird der ganze Dickdarm auf Darmpolypen und krebsverdächtiges Gewebe untersucht. Hierzu wird ein sogenanntes Koloskop verwendet: Ein flexibler Schlauch, der mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet ist und in den Darm geführt wird. Dadurch können theoretisch die meisten Darmpolypen und bösartigen Tumore entdeckt werden. Allerdings handelt es sich um eine aufwändige Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs.
Vor einer großen Darmspiegelung muss der Darm vollständig geleert werden. Dafür ist es förderlich, schon in den Tagen vor der Untersuchung auf schwerverdauliche Kost zu verzichten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Vorbereitung, aber in der Regel ist es notwendig, in den 24 Stunden vor der Untersuchung dann ganz auf feste Nahrung zu verzichten. Am Tag vor der Koloskopie und gegebenenfalls am Tag der Untersuchung nimmt man ein Abführmittel mit viel Flüssigkeit zu sich, bis man auf der Toilette nur noch eine klare Flüssigkeit ausscheidet. Einzelheiten erfahren Sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zu den Komplikationen der großen Darmspiegelungen gehören Blutungen und Herz-Kreislauf-Schwäche. Sie treten bei etwa 2 bis 3 von 1000 Menschen auf, die eine große Darmspiegelung machen. Sehr selten kann es auch zu einem Darmdurchbruch, einer sehr ernsthaften Komplikation, kommen.
Die große Darmspiegelung ist bislang noch nicht in ausreichend beweiskräftigen Studien erprobt worden. Daher ist es schwierig, ihre Vor- und Nachteile abzuwägen.
Der beste Hinweis auf einen Nutzen lässt sich aus Studien zur kleinen Darmspiegelung ableiten, bei denen etwa die letzten 60 Zentimeter des Dickdarms mit einem Endoskop auf krebsverdächtiges Gewebe und Polypen untersucht werden. In diesem Darmabschnitt wachsen ungefähr zwei Drittel aller bösartigen Tumore im Darm.
Eine große britische Studie mit etwa 170.000 Männern und Frauen im Alter von 55 bis 64 hat gezeigt, dass eine einmalige Sigmoidoskopie Darmkrebs erfolgreich verhindern kann. Nach elf Jahren zeigte sich Folgendes:
- Ungefähr 4 von 1000 Menschen, denen eine kleine Darmspiegelung angeboten wurde, konnten durch die Entfernung von fortgeschrittenen Polypen davor bewahrt werden, an Darmkrebs zu erkranken.
- Ungefähr 2 von 1000 Personen, denen eine kleine Darmspiegelung angeboten wurde, konnten davor bewahrt werden, an Darmkrebs zu sterben.
Weitere Informationen zur kleinen Darmspiegelung finden Sie in unserem ausführlichen Artikel.
Weitere Methoden: Immunologische Stuhltests
Manche Arztpraxen bieten einen immunologischen Test zur Früherkennung von Darmkrebs an. Hier wird wie beim chemischen Stuhltest untersucht, ob sich verborgenes Blut im Stuhl befindet. Beim immunologischen Test wird im Stuhl nach bestimmten Eiweißbestandteilen des roten Blutfarbstoffs gesucht. Ob dieser Test wie der chemische Stuhltest die Darmkrebs-Sterblichkeit senken kann, ist bislang nicht erforscht. Der immunologische Test wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, sodass die Kosten hierfür selbst getragen werden müssen.
Sich entscheiden
Bei Ihrer Entscheidung brauchen Sie sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Sie können sich ausreichend Zeit nehmen, um sich darüber klar zu werden, ob Sie an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht.
Denken Sie auch daran, dass die Zahlen, die in dieser Information dargestellt werden, für Menschen mit einem durchschnittlichen Risiko gelten. Menschen, die Eltern, Kinder oder Geschwister mit Darmkrebs haben oder von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa betroffen sind haben ein höheres Risiko für Darmkrebs. Sie profitieren daher möglicherweise auch eher von einer Früherkennungsuntersuchung.
Ausführliche Informationen zur Früherkennung und Vorbeugung von Darmkrebs und die Literaturquellen zu dieser Information finden Sie in unserem Artikel.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Dezember 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2011 12:20
- Erstellt am: 05. Dezember 2011 15:35
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