Asthma: Kann man es bei Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren zuverlässig diagnostizieren?
Asthma bronchiale ist eine Erkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft entzündet und übermäßig empfindlich sind. Durch die dauerhafte Entzündung reagieren die Atemwege verstärkt auf bestimmte Reize, wie körperliche Belastung oder allergieauslösende Stoffe. Dies kann zu einem Asthmaanfall führen: Die Atemwege verengen sich, man bekommt nur noch schwer Luft und beim Ausatmen entsteht ein pfeifendes Geräusch. Man spricht dann auch von einer bronchialen Obstruktion. Hinzu kommen häufig Husten und ein Engegefühl in der Brust. Ausführliche Informationen zum Thema Asthma finden Sie hier.
Bei Kleinkindern lässt sich oft nur schwer sagen, ob sie an Asthma erkrankt sind oder nicht. Dies liegt zum einen daran, dass Kinder in diesem Alter oft Erkrankungen haben, die asthmaähnliche Beschwerden verursachen, wie zum Beispiel Erkältungskrankheiten. Zum anderen können apparative Untersuchungen, mit denen Asthma bei älteren Kindern und Erwachsenen üblicherweise diagnostiziert wird, bei Kleinkindern häufig nicht eingesetzt werden. Denn der Einsatz der Geräte setzt voraus, dass man die Atmung bewusst steuern und bei der Untersuchung aktiv mitwirken kann. Kleinkinder können das in der Regel noch nicht.
Eine bronchiale Obstruktion hat bei den meisten Kindern kein chronisches Asthma zur Folge: Rund zwei Drittel der Kinder im Vorschulalter mit bronchialer Obstruktion entwickeln anschließend kein Asthma. Die Wahrscheinlichkeit für Asthma ist erhöht, wenn Ihr Kind gleichzeitig eine familiäre Veranlagung hat. Auch der Kontakt mit Tabakrauch oder allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) kann Asthma verursachen oder die Beschwerden verstärken. In unserem Merkblatt finden Sie ausführliche Informationen über Asthma bei Kindern.
Eine sichere Diagnose ist wichtig, um unnötige Behandlungen zu vermeiden
Damit Asthma bei Kleinkindern angemessen behandelt werden kann, muss man die Krankheit zunächst sicher feststellen. Ein zuverlässiges Diagnoseverfahren hat zwei Eigenschaften:
• Es sollte alle Kinder mit Asthma entdecken.
• Es sollte gesunde Kinder nicht irrtümlich als krank einstufen.
Ohne eine sichere Diagnosemöglichkeit besteht das Risiko, dass Kinder, die Asthma haben, nicht erkannt und angemessen versorgt werden. Auf der anderen Seite könnten gesunde Kinder für krank gehalten werden und fälschlicherweise eine Asthmatherapie beginnen. Dadurch würden sie unnötig möglichen Nachteilen dieser Behandlung ausgesetzt, denn jede wirksame medikamentöse Therapie kann auch unerwünschte Wirkungen haben.
Eine Forschergruppe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – Herausgeber dieser Website – hat untersucht, welche Verfahren zur Diagnosestellung eines Asthma bronchiale bei Kleinkindern existieren und wie zuverlässig diese sind. Unterstützt wurde das IQWiG bei seiner Analyse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Lübeck.
Hintergrund der Bewertung des IQWiG ist die Frage, ob zukünftig auch Kinder ab zwei Jahren in strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit chronischem Asthma eingeschlossen werden können. Strukturierte Behandlungsprogramme – auch Disease-Management-Programme (DMP) genannt – haben das Ziel, Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten bestmöglich zu versorgen. Mehr darüber erfahren Sie hier. Bisher ist es für Erwachsene und Kinder ab einem Alter von fünf Jahren möglich, am Disease-Management-Programm für Asthma teilzunehmen.
Der Auftrag an das IQWiG kam vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Krankenkassen, Krankenhäuser, ambulanten Ärzte- und Zahnärzteschaft und Psychotherapie in Deutschland. Der G-BA erarbeitet die Anforderungen und medizinischen Inhalte, die ein Disease-Management-Programm erfüllen muss.
Studien zu Diagnoseverfahren bei Kleinkindern
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden insgesamt sieben diagnostische Studien mit Kleinkindern im Alter von zwei bis vier Jahren. Darin wurden verschiedene Diagnoseverfahren untersucht, zum Beispiel bestimmte Lungenfunktionstests, die messen sollen, ob die Atemluft ungestört durch die Bronchien strömen kann. Allerdings ließ sich aus den Studien nicht ableiten, wie zuverlässig die einzelnen Untersuchungen und Tests bei Kleinkindern sind. Hierfür gab es verschiedene Gründe:
Wenn man die Zuverlässigkeit eines diagnostischen Verfahrens bewerten möchte, benötigt man einen Vergleichstest, mit dem man sicher feststellen kann, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht. Ohne einen solchen Standard ist es relativ schwer, Diagnosemethoden zu beurteilen. Daher hat das IQWiG zunächst geprüft, ob es bereits ein allgemein anerkanntes Verfahren zur Diagnose von Asthma bei Kleinkindern gibt. Dabei zeigte sich, dass dies bislang nicht existiert. Die Ergebnisse dieser Auswertung finden Sie hier. Ein weiteres Problem war, dass viele Studien methodische Schwächen hatten und ihre Ergebnisse daher nicht verlässlich waren. Das IQWiG folgert aus seiner Analyse, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Diagnoseverfahren empfohlen werden kann, das sich als Grundlage für die Einschreibung von Kleinkindern in ein DMP eignet.
Ärztinnen und Ärzte können stufenweise mehrere Untersuchungen machen, wenn ein Kind asthmatische Beschwerden hat. Internationale Leitlinien zur Diagnose von Asthma bei Kleinkindern empfehlen etwa, Kind und / oder Eltern zur Vorgeschichte der Erkrankung zu befragen. Auch eine körperliche Untersuchung, zum Beispiel das Abhören der Lunge, wird von den meisten Leitlinien als sinnvoll erachtet. Mehr über Untersuchungen und Tests, die von internationalen Leitlinien zur Diagnose von Asthma bei Kleinkindern empfohlen werden, können Sie hier nachlesen.
Da bislang für kein Verfahren belegt ist, dass es Asthma bei Kleinkindern sicher diagnostizieren kann, ist es besonders wichtig, den Nutzen und Schaden einer möglichen Therapie gegeneinander abzuwägen. Das IQWiG hat daher auch nach Studien zu unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten von Asthma bei Kleinkindern gesucht. Die Ergebnisse dieser Analyse haben wir hier für Sie zusammengefasst.
Doch auch wenn es bisher kein Verfahren gibt, um Asthma bei kleinen Kindern ausreichend sicher festzustellen: Schweres Asthma ist im Kindesalter eher selten. Und bei der Mehrzahl der betroffenen Kinder bleiben die asthmaähnlichen Beschwerden nicht dauerhaft bestehen und haben kein chronisches Asthma zur Folge.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Hinweis
Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorbehalten. Der G-BA bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des G-BA erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.
- Erstellt am: 08. September 2009 10:26
- Letzte Aktualisierung: 12. November 2009 15:51
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- Quellen:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wissenschaftliche Bewertung verschiedener Untersuchungsmethoden zur Diagnosestellung eines Asthma bronchiale bei Kindern im Alter von 2 bis < 5 Jahren. Abschlussbericht V06-02C. Version 1.0. Köln: IQWiG. Mai 2009. [Volltext]
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