Asthma: Kann eine spezifische Immuntherapie die Beschwerden lindern – und wie sicher ist die Behandlung?
Bei Menschen mit allergischem Asthma kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) die Zahl der Asthmaanfälle verringern. Wird der Wirkstoff unter die Haut gespritzt, sind leichte Gewebereaktionen rund um die Einstichstelle häufig. Es besteht ein sehr geringes Risiko für eine gefährliche Reaktion auf die Spritze, die gegebenenfalls schnell behandelt werden muss.
Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft entzündet sind. Dadurch reagieren sie verstärkt auf bestimmte Reize wie körperliche Belastung, Kälte oder allergieauslösende Stoffe. Dies kann zu einem Asthmaanfall führen: Die Atemwege verengen sich, man bekommt nur noch schwer Luft und beim Ausatmen ist ein pfeifendes Geräusch zu hören. Hinzu kommen häufig Husten und ein Engegefühl in der Brust. Ausführliche Informationen zum Thema Asthma finden Sie in unserem Spezial.
Bei vielen Menschen ist Asthma eng mit Allergien verbunden. Bei ihnen sind vor allem allergieauslösende Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare für einen Asthmaanfall verantwortlich. In diesen Fällen kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) infrage kommen. Die Behandlung soll den Körper weniger empfindlich gegen die allergieauslösenden Substanzen machen und damit Asthmaanfällen vorbeugen. Diese Therapie wird auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung genannt.
Bei einer spezifischen Immuntherapie werden Menschen kleine Mengen der Substanzen ausgesetzt, auf die sie allergisch reagieren, um so ihre Empfindlichkeit herabzusetzen und sie damit zu "desensibilisieren". Voraussetzung ist, dass sich das Allergen – die Substanz auf die der Körper allergisch reagiert – als Extrakt für eine Behandlung verwenden lässt. Möglich ist dies zum Beispiel bei Tierhaaren, Hausstaubmilben, Pollen und Schimmelpilzen.
Bei einer Immuntherapie kann die Lösung mit dem Allergenextrakt unter die Haut (subkutan) gespritzt oder in Form von Tropfen, Tabletten oder Spray unter der Zunge (sublingual) eingenommen werden. Die Behandlung dauert in den meisten Fällen insgesamt zwei bis drei Jahre.
Studien zur spezifischen Immuntherapie bei Asthma
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – haben untersucht, was Menschen mit Asthma von einer spezifischen Immuntherapie erwarten können. Die Wissenschaftler haben eine systematische Übersicht erstellt, das heißt, sie haben alle aussagekräftigen Studien zur Immuntherapie bei Asthma zusammenfassend ausgewertet. Dies ist wichtig, denn nur, wenn man alle Studien gemeinsam betrachtet, erhält man ein realistisches Bild von den Vor- und Nachteilen einer Behandlung. Hier können Sie mehr darüber erfahren, wie systematische Übersichten erstellt werden.
Die Wissenschaftler fanden 88 Studien zur spezifischen Immuntherapie bei Asthma, an denen knapp 3500 Menschen teilnahmen. Sie werteten nur Studien zur sogenannten subkutanen Immuntherapie aus, bei der die Lösung unter die Haut gespritzt wird. Sowohl Erwachsene als auch Kinder nahmen an diesen Studien teil.
Spezifische Immuntherapie kann einigen Asthmaanfällen vorbeugen
Die Studien zeigen, dass Menschen mit Asthma von einer spezifischen Immuntherapie tatsächlich profitieren können: So verschlechterten sich die Asthmabeschwerden bei 6 von 10 Personen, die keine Immuntherapie machten (60 %). Dagegen verschlechterten sich die Asthmabeschwerden bei den Menschen, die die Allergie-Spritzen bekamen, im Durchschnitt nur bei 3 von 10 Personen (30 %). Die spezifische Immuntherapie konnte also bei 3 von 10 Personen einigen Asthmaanfällen vorbeugen (30 %).
Die Behandlung hatte noch einen anderen Effekt: Die Studienteilnehmenden, die eine spezifische Immuntherapie machten, benötigten aufgrund asthmatischer Beschwerden insgesamt weniger Medikamente: Etwa 2 von 10 Personen mit Immuntherapie kamen mit weniger Asthmamedikamenten aus (20 %).
Obwohl einige Studien zeigen, dass der Effekt der spezifischen Immuntherapie bei Asthma einige Jahre anhalten kann, ist noch nicht erwiesen, wie lange diese Wirkung tatsächlich anhält.
Häufig leichte Hautreaktionen an der Einstichstelle
Wird die Lösung unter die Haut gespritzt, kommt es durch die Injektion häufig vorübergehend zu einer örtlichen Reaktion an der Einstichstelle, meist in Form einer Schwellung oder eines Hautausschlags. Bei bis zu 2 von 10 Menschen kam es zu stärkeren allergischen Reaktionen oder zu asthmatischen Beschwerden, die manchmal behandelt werden mussten (bis zu 20 %).
Sehr selten kann eine Spritze im Rahmen der Immuntherapie auch einen anaphylaktischen Schock auslösen – eine lebensbedrohliche allergische Überreaktion des Körpers. Eine solche Reaktion stellt einen Notfall dar und muss sofort ärztlich behandelt werden. Daher muss eine Person, die eine Injektion erhält, danach mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Beobachtung bleiben, damit die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls sofort eine Behandlung einleiten kann. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen die Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks erklären, damit Sie wissen, worauf Sie achten müssen.
Normalerweise ist das Risiko für einen anaphylaktischen Schock sehr klein. Wenn Sie jedoch sehr schweres Asthma haben und Beschwerden, die sich auch mit Medikamenten nicht kontrollieren lassen, ist das Risiko für eine Schockreaktion deutlich erhöht. Eine spezifische Immuntherapie kommt dann möglicherweise nicht infrage. Auch Menschen, die Herzprobleme haben oder Beta-Blocker nehmen, haben ein erhöhtes Risiko für einen anaphylaktischen Schock.
In unserem Merkblatt können Sie mehr über die spezifische Immuntherapie nachlesen – dort finden Sie auch Informationen zur Immuntherapie, die in Tropfen- oder Tablettenform unter die Zunge verabreicht werden kann (sublinguale Immuntherapie oder SLIT).
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 27. Oktober 2010 15:14
- Erstellt am: 19. Oktober 2010 13:20
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Abramson MJ, Puy RM, Weiner JM. Injection allergen immunotherapy for asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 8. CD001186 [PubMed-Zusammenfassung]
Jacobsen L, Niggemann B, Dreborg S, Ferdousi HA, Halken S et al. Specific immunotherapy has long-term preventive effect of seasonal and perennial asthma: 10-year follow-up on the PAT study. Allergy 2007; 62: 943-948. [PubMed-Zusammenfassung]
Hierzu passende Themenbereiche:
Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:
Bewertet durch
„Relevant, objektiv und unabhängig“


